10. Mai 2020 / 17:41 Uhr

Schöne Lage, schönes Stadion: Erzgebirge Aues langer Weg zum Schmuckkästchen

Schöne Lage, schönes Stadion: Erzgebirge Aues langer Weg zum Schmuckkästchen

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Das neue Erzgebirgsstadion, umrandet von den alten Flutlichtmasten.
Das neue Erzgebirgsstadion, umrandet von den "alten" Flutlichtmasten. © Ralph Koehler/propicture
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20 Millionen Euro investierte der Erzgebirgskreis, um Zweitligist Erzgebirge Aue ein rundum erneuertes Stadion hinzustellen, rundum überdacht und eine reine Fußballarena. Der Weg dorthin war lang.

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Leipzig/Aue. Die Fußballer des FC Erzgebirge Aue sind so etwas wie die Gallier der 2. Bundesliga. Sie ärgern oft und gern die schier übermächtige Gegnerschaft. Seit 2018 haben sie zudem ein modernes Stadion, das 16.500 Zuschauern komfortabel Platz bietet. Und: Das Erzgebirgsstadion ist zweifellos die landschaftlich am schönsten gelegene Fußballarena Sachsens.

Im Mai 1928 war hier im Lößnitztal am Nordrand Aues das Städtische Stadion eingeweiht worden. Als Aue kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zum Zentrum des Uranbergbaus unter sowjetischer Regie wurde und die zahlreichen Bergleute nach schwerem Tagwerk Zerstreuung brauchten, genügte das bisherige Stadion nicht mehr. An alter Stelle wurde ein neues Oval gebaut, das immerhin 22.000 Sitzplätze aufwies. Am 20. August 1950 wurde es nach nur vier monatiger Bauzeit als Otto-Grotewohl-Stadion (benannt nach dem ersten Ministerpräsidenten der DDR) eingeweiht. Es sollen sogar 50.000 im Lößnitztal dabei gewesen sein. Erweiterungen und Umbauten erhöhten die Kapazität auf 25.000. Das war nötig, denn der damalige SC Wismut Karl-Marx-Stadt, der hier spielte, wurde dreimal DDR-Meister und war entsprechend populär.

Die Gegengerade im alten Erzgebirgsstadion: Hier mussten die Fans ohne Überdachung auskommen.
Die Gegengerade im alten Erzgebirgsstadion: Hier mussten die Fans ohne Überdachung auskommen. © Frank Müller

Stets eine besondere Atmosphäre

Dass der Name Wismut ebenso irreführend war, wie der Name der Stadt, tat dem keinen Abbruch. Beim Hautsponsor, der „Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut“, ging es gar nicht um den Abbau des Elements Wismut, sondern um das strategisch enorm wichtige Uran, was im Kalten Krieg aber kaschiert werden sollte. Und der Spielort war stets Aue, weshalb der Verein dann ab 1963 endlich Wismut Aue hieß – zumindest die halbe Wahrheit.

So sah die Tribüne in Aue bis zum Beginn des Umbaus 2015 aus. Nur eine Hälfte des Stadions war überdacht.
So sah die Tribüne in Aue bis zum Beginn des Umbaus 2015 aus. Nur eine Hälfte des Stadions war überdacht. © Frank Müller

Auf jeden Fall war in Aue schon allein wegen der idyllischen Lage des Stadions immer eine besondere Atmosphäre zu erleben. Wohl auch dank ihres mächtigen Trägerbetriebs spielte die BSG Wismut zwischen den privilegierten Oberliga-Clubs fast bis ans Ende der DDR eine respektable Rolle, obwohl die Stadt mit seinen damals etwa 35.000 Einwohnern meist eher die Außenseiterrolle einnahm. Trotzdem gelang es den Auern in der DDR-Endphase, als es schon große wirtschaftliche Probleme gab, ab 1986 eine erste Modernisierung der Arena durchzubringen.

DURCHKLICKEN: Rundgang durch das im Bau befindliche Auer Stadion 2016

Derzeit ist das Erzgebirgsstadion eine große Baustelle. Das wird auch bis Ende 2017 noch so bleiben. Dann soll die neue Arena stehen. Zur Galerie
Derzeit ist das Erzgebirgsstadion eine große Baustelle. Das wird auch bis Ende 2017 noch so bleiben. Dann soll die neue Arena stehen. © Dirk Knofe

Trotz weiterer Umbauten nach der Wende (Überdachung der Gegengeraden usw.) genügte die Sportstätte schließlich nicht mehr den Ansprüchen, auch weil der zur Wende in FC Erzgebirge umbenannte Verein im neuen System ebenfalls wieder höchst achtbar mitmischte und derzeit Zweitligist ist. Mit dem Landkreis Erzgebirge als Bauträger begann so von 2015 bis 2018 für knapp 20 Millionen Euro der völlige Umbau des Stadions zur reinen Fußball-Arena. Nun ist im Lößnitztal nicht nur die Lage des Stadions top.