27. März 2019 / 15:00 Uhr

Schule, Fußball und Yoga: U19-Coach Pyka vom JFV ist dreifacher Lehrer 

Schule, Fußball und Yoga: U19-Coach Pyka vom JFV ist dreifacher Lehrer 

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die innere Mitte findet Martin Pyka nicht nur im Zentrum des Fußballplatzes an der Ammerke in Egestorf, wo der JFV Calenberger Land seine Heimspiele austrägt.
Die innere Mitte findet Martin Pyka nicht nur im Zentrum des Fußballplatzes an der Ammerke in Egestorf, wo der JFV Calenberger Land seine Heimspiele austrägt. © deisterpics/Stefan Zwing
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Martin Pyka vom JFV Calenberger Land ist vielseitig. Der 32-Jährige lehrt an der IGS Roderbruch, die U19 des JFV Calenberger Land, im Bereich Yoga - und kann damit Hilfestellungen für das ganze Leben geben.

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Spätestens wenn der Anpfiff ertönt, wird es auf dem Fußballplatz laut – sei es durch ein voll besetztes Stadion oder die Zwischenrufe und Kommandos auf den Amateurplätzen. Ein Schlagwort wie Stille wird selten mit dem Sport Fußball assoziiert. Für Martin Pyka, den Coach der U19 des JFV Calenberger Land, hat es eine essenzielle Bedeutung.

"Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust - Religion und Sport"

Der 32-Jährige, der aus Kassel stammt und über die Stationen Hessen Kassel, Hessischer Fußball-Verband und FSV Mainz 05, in dessen Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) er von 2014 bis 2016 die U15 und U14 betreute, zum JFV kam, trainiert seit Anfang des Jahres die Regionalliga-A-Junioren vom Deister.

Auch im Alltag steht bei Pyka das Lehren im Mittelpunkt. „Beruflich war mir schnell klar: Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust – Religion und Sport“, sagt er. „Ich wollte mich aber weder in die Abhängigkeit einer Kirche noch einer Sporteinrichtung begeben. Daher ist es für mich als Lehrer ideal, mich schulisch dort einbringen zu können.“ Nach Studium, Referendariat und ersten beruflichen Schritten im Rhein-Main-Gebiet nahm er 2016 ein Jobangebot aus Hannover an und ist seitdem an der IGS Roderbruch tätig.

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Pyka wird auch außerhalb des Fußballs um Rat gebeten

Seine Erfahrung aus dem Beruf kommt häufig jungen Spielern zugute – sozusagen Lebenshilfe zwischen Matchplan, abkippen und Zugriff in der Box. „Ich werde um Rat gebeten, wenn die Jungs an Scheidewegen in ihrem Leben stehen“, sagt Pyka. Sei es die Frage nach dem richtigen Studium oder Beruf oder auch, wenn die Nachwuchskicker in einer Krise stecken – der Pädagoge weiß zu helfen. Als Cheftrainer müsse er natürlich eine gewisse Distanz wahren, wenn es sich um seine momentanen und nicht um ehemalige Akteure handelt. „Es ist eine Gratwanderung für den Spieler: Wie weit öffne ich mich meinem Trainer gegenüber und mache mich dadurch angreifbar, wenn ich mich mitteile und eine Krise offenbare?“, erzählt der Coach.

Helfer bei der Sinnsuche

Beim JFV seien Spieler dabei, die das Ziel Profifußballer hatten und in einem NLZ aussortiert wurden. „Um diesen Selektionsprozess zu verarbeiten, habe ich viele Gespräche geführt“, sagt der Sohn polnischer Eltern. Auf der Sinnsuche bietet Pyka Mentaltraining und Entspannungstechniken an. Als Yogalehrer sind ihm diese Bereiche alles andere als fremd. „Insbesondere Stille in unserer lauten und aktiven medialen Welt macht mich aus“, sagt er. „Stille ist im weiteren Sinne auch etwas Religiös-Spirituelles.“

Regelmäßig nehme er Auszeiten von der Hektik des Lebens anno 2019, indem er tagelang sein Handy ausschalte. Seinen Spielern und Freunden sei bekannt, dass er regelmäßig meditiere. „In der Spiritualität habe ich den Aspekt der konzentrierten Stille als den wichtigsten erlebt, und ich brauche ihn auch in regelmäßigen Abständen“, offenbart der 32-Jährige außergewöhnliche Einblicke in das Leben eines Trainers in der zweithöchsten nationalen U19-Spielklasse.

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Calenbergs Nikos Elfert (Mitte) versucht, den Kieler Nils Jungehülsing aussteigen zu lassen. Zur Galerie
Calenbergs Nikos Elfert (Mitte) versucht, den Kieler Nils Jungehülsing aussteigen zu lassen. ©
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Pyka besucht regelmäßig Yogazentren - zur Erholung

Ein- bis zweimal jährlich begibt sich Pyka in den Aschram, ein spirituelles Yogazentrum und indisches Äquivalent zu einem Kloster, in dem er zwei Wochen lang praktiziert. „Wenn ich da zwei, drei Tage in die Stille gehe, ist das wie ein Erholungsfaktor von zwei Wochen Urlaub für mich“, sagt er. Natürlich stehe auch ein Besuch Indiens noch auf der Liste, das Aschramursprungsland.

Seit Saisonbeginn trainiert Martin Pyka die A-Junioren des JFV Calenberger Land.
Seit Saisonbeginn trainiert Martin Pyka die A-Junioren des JFV Calenberger Land. © deisterpics/Stefan Zwing

Ernährung ist fundamental

Der Kasseler ist Vegetarier, und Ernährung ist für ihn ein ebenso fundamentales Element, um seine innere Mitte zu finden. „Es hat sehr starken Einfluss auf uns, was wir essen, und auch wann, mit wem und in welcher Atmosphäre“, erzählt er. Das versuche er seinen Spielern ebenso zu transportieren wie die richtigen Laufwege und das schnelle Umschalten auf dem Rasen. Die jungen Kicker sollen erkennen, dass sie die Nährstoffe im Essen viel besser aufnehmen, wenn sie die Nahrung gut kauen und in einer angenehmen Atmosphäre zu sich nehmen und nicht etwa im Fast-Food-Restaurant.

Yogastunden und Ernährungsworkshops für seine Spieler

Pyka, der selbst im Garten Gemüse anbaut und bis zu einem bestimmten Grad Selbstversorger ist („Auch das ist eine Form des Ausgleichs und der Stille in der Natur“, sagt er), hat mit den Calenberger ­A-Junioren in der erst kurzen Zeit seines Wirkens schon Ernährungsworkshops gemacht und auch Yogastunden veranstaltet. „Ohne Mantrasingen und Om-Einleitung natürlich“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Konzentrations- und Visualisierungsübungen standen dabei im Fokus, auch Dehn- und Kräftigungsübungen. „Ich versuche bei den Spielern mehr Tiefgang durch gewisse Bewusstseinsarbeit einzuleiten“, bringt er seine Techniken auf den Punkt.

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Kirchdorfs Dennis Lattmann kracht nach einem Foul von Björn Fischer in die Bande und bekommt direkt noch eine Bierdusche. Zur Galerie
Kirchdorfs Dennis Lattmann kracht nach einem Foul von Björn Fischer in die Bande und bekommt direkt noch eine Bierdusche. ©

"Wenn im Training Zeit verschwendet wird, bekomme ich schlechte Laune"

Bei so viel vorgelebter Ruhe und Entspanntheit stellt sich die Frage, wie Pyka an der Seitenlinie mit Provokationen umgeht. „Du kannst nur verlieren, wenn du darauf reagierst. Ich ignoriere so etwas völlig und sehe mich da meinen Spielern gegenüber in der Vorbildfunktion“, sagt er. Mit einer befreundeten Psychologin hat er ein Handout erarbeitet, das er seiner Mannschaft als Hilfestellung an die Hand gibt. Die Kontrolle zu behalten und Provokationen des Gegners ins Lächerliche zu ziehen, statt darauf einzugehen, sei ein Lösungsvorschlag. „Wenn es einem Spieler gelingt, die Souveränität über eine Provokation zu erreichen, hat er für mich genauso viel gelernt, wie einer, der sich im taktischen Bereich weiterentwickelt hat“, sagt Pyka. Eine Sache kann den Coach jedoch aus seiner Ausgeglichenheit locken. „Wenn im Training Zeit verschwendet wird, da bekomme ich schlechte Laune. Trainingszeit ist heilige Zeit“, sagt der Effizienzliebhaber. Und da schlagen sie wieder, diese zwei Herzen in seiner Brust: Religion und Sport.

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