04. Februar 2021 / 15:23 Uhr

Schult muss sich erst mal hinten anstellen: Wolfsburgs Fußballerinnen starten gegen Potsdam

Schult muss sich erst mal hinten anstellen: Wolfsburgs Fußballerinnen starten gegen Potsdam

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Szene aus dem Testspiel der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt
Szene aus dem Testspiel der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt © Roland Hermstein
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Die Bayern-Jagd beginnt für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg ohne Dominique Janssen. Die Top-Verteidigerin fällt für das erstes Spiel des Jahres am Freitag gegen Turbine Potsdam mit Rückenproblemen aus. Torfrau Almuth Schult gehört nicht zum Kader.

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Die Frauenfußball-Bundesliga startet ins neue Jahr. Für den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg geht's am Freitag (19.15 Uhr, live auf Eurosport) gegen Turbine Potsdam los. Neben den Langzeitverletzten Ewa Pajor und Pauline Bremer fehlen auch Dominique Janssen und Almuth Schult. Janssen fällt mit Rückenproblemen aus, Torfrau Schult muss sich im Konkurrenzkampf mit Katarzyna Kiedrzynek und Friederike Abt erst einmal hinten anstellen.

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Die Polin Kiedrzynek wird spielen, Abt sitzt auf der Bank - und Schult ist als Nummer 3 erst einmal nicht im Kader. Auf diese Reihenfolge legte sich Trainer Stephan Lerch am Donnerstag fest. "Es ist einfach so, dass wir uns im Trainerteam immer die Frage stellen, was aktuell das Beste für die Mannschaft ist. Alle drei Torhüterinnen haben das sehr gut gemacht und ihre Leistungen gebracht, im Spiel sowie im Training", lobte der Coach, aber: "Wir haben eine extreme Luxus-Situation und es ist eine große Herausforderung. Am Ende war ausschlaggebend, was ich von der Torhüterin für unser Spiel und die Mannschaft erwarte. Die Entscheidung wurde letztlich mit voller Überzeugung und Entschlossenheit getroffen." Die Reihenfolge ist klar und wird nun auch nicht jede Woche überdacht. Denn das, so Lerch, "ist der aktuelle Stand, vorausgesetzt die Leistungen bleiben so. Und solange es keine Verletzung gibt, gibt es auch keinen Grund für mich, etwas zu ändern."

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Schult hatte erst kürzlich betont, dass sie wieder zurück ins Wolfsburger Tor möchte. Nach Schulter-OP und Geburt ihrer Zwillinge wieder auf das alte Niveau zu kommen, ist jedoch gar nicht so einfach. Im Mai 2019 absolvierte Schult das letzte Pflichtspiel für den VfL, war damals unumstrittene Nummer 1 zwischen den Pfosten - auch in der Nationalmannschaft. Wie hat die 29-Jährige die Entscheidung aufgefasst? "Almuth ist eine tolle Sportsfrau und Profi, ihre Führungsqualitäten innerhalb der Mannschaft sind sehr wichtig für uns. Wir hatten ein gutes und offenes Gespräch. Ich bin der Meinung, dass ihr zu den hundert Prozent noch etwas fehlt", so Lerch, der sagt: "Man kann sich ja vorstellen, dass sich jede Torhüterin ein Stück weit berechtigte Hoffnungen gemacht hat. Im Sinne eines guten Konkurrenzkampfes hat sie es aufgenommen und in dem Moment akzeptiert, um weiter Druck zu machen. So schätze ich sie ein und das war mein Eindruck." Das spreche für sie. Sie nehme "ihre Rolle an, macht das Beste aus der Situation und bietet sich weiter an".

Dass die ehemalige Nummer 1 sich aber zurück in den Kader kämpft, ist nicht ausgeschlossen. "Ich kann nicht in die Glaskugel schauen und sehen, was in den nächsten Wochen und Monaten passiert. Alle drei machen sich im Training die Hölle heiß, geben so viel Gas und bieten sich an", erklärte der 36-Jährige. Und: "Sollte ich irgendwann der Meinung sein, dass ich etwas ändern muss, will ich das nicht ausschließen." Für Schult sei es wichtig, Spielpraxis zu sammeln. Ursprünglich sollte das in der zweiten Mannschaft passieren, doch die 2. Frauen-Bundesliga pausiert weiterhin. Lerch: "Wir haben schon einen Plan B und C, aber nicht nur auf Almuth bezogen. Die Pläne werde ich aber nicht kommunizieren, da wir schauen müssen, wie es weitergeht. Was den Ausblick und die Perspektive angeht, haben wir aber schon den einen oder anderen Gedanken."


Pajor bald wieder eine Option

In der Liga müssen sich die Wolfsburgerinnen (31 Zähler) derzeit mit dem zweiten Platz hinter dem FC Bayern (36 Punkte) zufriedengeben. "Wir sind zwei Punkte zu weit weg von den Bayern", findet Lerch. Aus eigener Kraft kann der amtierende Meister seinen Titel nicht mehr verteidigen, muss auf einen Patzer der Münchnerinnen hoffen und darf im Gegenzug nichts weiter liegen lassen. In Wolfsburg schaue man aber nicht nach München. Die neue Rolle der Jägerinnen "ist auch ein enormer Ansporn. Wir geben uns nicht auf oder geschlagen. Wir haben noch viele Spiele und schauen am Ende, wo wir stehen. Wir sind sehr optimistisch und top-motiviert, es den Bayern so schwer wie möglich zu machen."

Mit Potsdam und Hoffenheim hat der VfL dabei jedoch ein starkes Auftakt-Programm vor der Brust. Dennoch gehe man euphorisch und mit viel Vorfreude in die Partie gegen die Brandenburgerinnen, die einen gewissen Kaltstart im AOK-Stadion hinlegen. Die Mannschaft von Trainer Sofian Chahed konnte Corona-bedingt kein Vorbereitungsspiel bestreiten, der VfL hingegen testete zweimal gegen Eintracht Frankfurt (3:2 und 3:0) und gegen die SGS Essen (2:2). "Unser Ziel muss es trotzdem sein, mit viel Mut und Aggressivität Wolfsburg von unserem Tor fernzuhalten, um selbst einige Nadelstiche zu setzen. Für uns Trainer ist es wichtig zu sehen, dass wir aus dem Hinspiel-Resultat gelernt haben und mit einer engagierten Mannschaftsleistung vielleicht sogar etwas aus Wolfsburg mitnehmen können“, so Potsdam-Co-Trainer Dirk Heinrichs. Im Hinspiel siegte der VfL deutlich mit 5:0.

Wolfsburgs Janssen, damals Torschützin zum 3:0, fällt für den Rückspiel-Kracher gegen Potsdam mit Rückenbeschweren aus. Ob es eine langwierige Verletzung ist, kann erst nach weiteren Untersuchungen gesagt werden. "Das ist sehr ärgerlich, so unmittelbar vor dem Auftakt. Sie wird nicht zur Verfügung stehen", bestätigt Lerch. Man habe die Problematik rechtzeitig erkannt und möchte kein Risiko bei der Niederländerin eingehen. Darüber hinaus wird auch Ewa Pajor, die wieder mit der Mannschaft trainiert, nicht zur Verfügung stehen. Lerch: "Bisher gab es keinerlei Rückschritte oder Reaktionen bei Ewa, sie ist auf einem guten Weg." Ist sie nach der Länderspielpause wieder eine Option? "Das ist ein realistisches Ziel", bestätigt der Coach. "Ob sie schon wieder so weit ist, von Anfang an zu spielen, weiß ich noch nicht, das ist schwer einzuschätzen. Aber wenn es so weitergeht, wie es sich andeutet, stehen die Chancen gut, dass wir im März wieder auf sie zurückgreifen und sie als komplett einsatzfähig betiteln können. Darauf arbeiten wir hin."