13. März 2022 / 21:19 Uhr

Schützenfest in Fürth: RB Leipzig schießt sich zurück auf Platz vier

Schützenfest in Fürth: RB Leipzig schießt sich zurück auf Platz vier

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Torschütze Konrad Laimer bejubelt mit Emil Forsberg das 3:1 für RB.
Torschütze Konrad Laimer bejubelt mit Emil Forsberg das 3:1 für RB. © Getty Images
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Sechs verschiedene Torschützen, sechs Treffer: RB Leipzig muss beim Tabellenletzten Greuther Fürth über größere Strecken nicht an seine Leistungsgrenze gehen, gewinnt nach einem Schockmoment zu Beginn dennoch mehr als deutlich 6:1 (4:1). Damit sind die Sachsen zurück auf einem Champions-League-Platz.

Fürth. Sonntagabends isst man mit den Lieben Abenbrot und guckt danach Tatort, Rosamunde Pilcher oder Traumschiff. Neuerdings kann man am Sonntagabend auch Fußball gucken. Dass es so weit gekommen ist, hat mit den 633 verschiedenen Wettbewerben und der daraus resultierenden unendlichen Vermarktungs-Salami zu tun. Das letzte Scheibchen des 26. Erstliga-Spieltages wird im legendären Ronhof zu Fürth kredenzt. Die Partie des Aufsteigers Greuther Fürth gegen Vize-Meister RB Leipzig ist beim Anpfiff im kleinen, aber feinen Fußball-Stadion das Treffen des minderbemittelten Tabellen-18. (14 Punkte) gegen den schönen und reichen Sechsten (41).

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Der Leipziger 6:1 (3:1)-Sieg durch Tore von André Silva (17.), Emil Forsberg (32.), Konrad Laimer (35.), Benny Henrichs (45.), Mo Simakan (59.) und Christopher Nkunku (69.) bei einem Gegentor durch Jamie Leweling (4.) spiegelt die sportlichen und finanziellen Kräfteverhältnisse wider. Und der Dreier sorgt für Verwerfungen obenrum. Dort, wo es um Europa, Ruhm, Ehre und Moneten geht. Die Roten Bullen spielen nach frühem Rückstand ihre Klasse aus, springen als beste Rückrunden-Mannschaft (sieben Siege, ein Remis, einer Niederlage) mit jetzt 44 Punkten auf Platz vier. Der Rückstand auf Platz drei ist wegen der Leverkusener 0:1-Niederlage gegen Köln auf einen Punkt geschrumpft. Am Leipziger Auspuff drängen die beseelten Freiburger (und Hoffenheimer mit je 44 Punkten. Am Sonntag, 15.30 Uhr, empfängt RB, Manschaft der Stunde in der Liga, die formstarke Frankfurter Eintracht (2:1 in Sevilla, 2:1 gegen Bochum). Vor über 40000 Fans.

JETZT Durchklicken. Die Bilder zum 6:1-Erfolg von RB Leipzig

Schützenfest in Franken: RB Leipzig kommt zu einem ungefährdeten 6:1-Auswärtserfolg bei der SpVgg Greuther Fürth. Zur Galerie
Schützenfest in Franken: RB Leipzig kommt zu einem ungefährdeten 6:1-Auswärtserfolg bei der SpVgg Greuther Fürth. ©

Dani Olmo oder Emil Forsberg? Olmo und Forsberg? Kurz vorm Sonntag-Abflug meldet sich Olmo kränkelnd ab. Forsberg läuft auf. Josko Gvardiol soll eigentlich wegen muskulärer Probleme geschont werden, muss dann doch ran, weil Lukas Klostermann beim Warmmachen ein Ziehen/Stechen/beides verspürt. Ansonsten bringt Domenico Tedesco die erwartbare Elf. Rein ins Match, das von 9418 Fans (400 aus Leipzig) verfolgt wird. Der Stadionsprecher („Wir hoffen auf das Wunder“) steigt in die Bütt, begrüßt auch die von der „Futterstelle“ kommende Haupttribüne.

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Fürth ist mit Paul Seguin, Sohn der Magdeburger Ikone Wolfgang Seguin am Start. Und geht zeitig in Führung. Die Gastgeber spielen den ersten Pass ins RB-Spielfeld und werden unter gütiger Mithilfe von Amadou Haidara, Willi Orban und Peter Gulacsi fündig. Jamie Leweling wird von Haidara zur Außenlinie eskortiert, zieht nach innen, schießt durch Orbans Beine ins von Gulacsi nur unzureichend gesicherte kurze Ecke - 1:0 (4.). Fürth führt. RB schüttelt sich, übernimmt das Zepter, kommt zu Chancen durch Nkunku (6.) und Silva (8.) - und nach einem Angriff aus dem Schulbuch zum 1:1. Gvardiol passt auf Angeliño, der flankt scharf nach innen, Kopfball André Silva, Ausgleich (17.). Silvas zehnter Bundesliga-Treffer für RB.

Forsberg verpasst volley das 2:1 (25.). Dann wird ein Nkunku-Schuss aufs Tordach gelenkt (31.). Nach der folgenden Ecke zieht Forsberg aus 24 Metern Vollspann ab und dreht jubelnd ab. Das 2:1 für RB ist nicht gänzlich unhaltbar für Keeper Andreas Linde (32.). In der 35. Minute ist der attraktivste und zwingendste Spielzug der bisherigen RB-Saion zu bestaunen. Silva hilft hinten aus, spielt Doppelpass mit Angeliño, setzt Nkunku ein, der in Laimers Lauf köpfelt. Ösi-Lupfer, 3:1. RB hat alles im Griff und geht mit einem 4:1 in die Pause, weil Henrichs eine von vielen guten Angeliño-Flanken einnetzt (45.).

Wiederbeginn. Leipzig bleibt überlegen, lässt den Ball und die wackeren Gastgeber laufen. Dass sie auch Standards können, zeigen die Rasenballer in der 58. Minute. Freistoß-Flanke Forsberg, Kopfball Simakan, 5:1 (59.). Es ist das erste Tor des Franzosen im RB-Trikot. Die letzte halbe Stunde ist nicht ganz so vergnüglich. Die einen reißen sich kein Bein mehr raus, die anderen fürchten noch mehr Gegentore und halten sich bedeckt. Ein Tor fällt noch. Nkunku trifft nach Forsberg-Pass zum 6:1. Abpfiff, Interviews, Dusche. Um 23.30 Uhr hebt der Flieger nach Leipzig ab.

Die Statistik zum Spiel:

Fürth: Linde - Meyerhöfer, Viergever, Bauer (75. Asta), Willems (46. Itter) - Seguin (73. Raschl), Christiansen, Nielsen (73. Abiama), Green (46. Tillman) - Hrgota, Leweling.

Leipzig: Gulacsi - Simakan, Orban, Gvardiol (60. Halstenberg) - Henrichs, Laimer (78. Adams), Haidara (60. Szoboszlai), Angelino (71. Novoa) - Forsberg, Nkunku (71. Poulsen), Silva.

Tore: 1:0 Leweling (4.); 1:1 Silva (17.); 1:2 Forsberg (32.); 1:3 Laimer (35.); 1:4 Henrichs (45.); 1:5 Simakan (59.); 1:6 Nkunku (69.).

Zuschauer: 9400.