28. September 2020 / 11:48 Uhr

Schwach im Strafraum: Hannover 96 braucht noch einen Standard-Experten

Schwach im Strafraum: Hannover 96 braucht noch einen Standard-Experten

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der ist aber frei: Christian Santos bei seinem 2:0. Der VfL-Stürmer kommt völlig ungestört zum Kopfball, kein 96-Spieler behindert ihn.
Der ist aber frei: Christian Santos bei seinem 2:0. Der VfL-Stürmer kommt völlig ungestört zum Kopfball, kein 96-Spieler behindert ihn. © imago images
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Beim Pokal in Würzburg und beim Auswärtsspiel in Osnabrück kassierte Hannover 96 Tore nach Standardsituationen. Der Verein ist auf der Suche nach Verstärkung für die Abwehr, doch die Zeit drängt: Der Transfermarkt schließt bald.

Gegentore sind Standard bei Hannover 96. Das 2:0 gegen Karlsruhe scheint eine Ausnahme von der Regel gewesen zu sein. Im Pokal in Würzburg kassierte 96 zwei Gegentreffer (3:2), darunter einen Elfmeter. In Osnabrück (1:2) dasselbe Spiel: Ein Elfmeter zum 0:1, eine Ecke zum 0:2. 96 hat bisher kein Gegentor aus dem Spiel heraus kassiert. Ständig diese Standards. Da hilft nur eines: Trainer Kenan Kocak braucht noch einen Experten.

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Zhirov ist "unverkäuflich"

96 ist dran, seit Monaten schon, um einen Innenverteidiger zu holen, der die Standardgefahr bändigen und möglichst mit dem linken Fuß gut passen und schießen kann. Bei den Top-Kandidaten Simon Falette (28/Frankfurt) und Aleksandr Zhirov (29/Sandhausen) steckt 96 fest.

Falette würde wohl keine Ablöse kosten, aber der Verteidiger bestand bisher darauf, Erstligaspieler zu sein und es zu bleiben. Zhirov würde gern nach Hannover kommen, aber Sandhausen verschärfte sogar seine Zwei-Millionen-Forderung. „Unverkäuflich“, sagt Manager Mikayil Kabaca.

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96 kannte die VfL-Variante

Millionenbeträge möchte 96 – bisher – nicht ausgeben, sei es für ein Gehalt oder eine Ablösesumme. Die Diskussion, ob überhaupt ein neuer Abwehrmann gebraucht wird, dürfte sich nach dem Osnabrück-Spiel erübrigt haben. Die Attacke von Marcel Franke im Strafraum und die Standardschwäche nach einer Ecke wirkten wie bestellt, um Kocaks Wünsche nachvollziehen zu können.

Kocak wirkte angespannt bei dem Thema Standards wegen des 0:2 durch Christian Santos nach einem Eckstoß. Der Osnabrücker war aus dem Hinterhalt in den Strafraum geschlichen und köpfte wuchtig ein.

„Beim Standard nach der Pause schlafen wir, sind nicht wach“, kritisierte Kocak. „Wir kannten die Variante, aber wir waren nicht da. Ärgerlich, weil wir um die Variante wussten.“ Aber in der Szene kam Mike Frantz nicht schnell genug hinterher. Wer sich genau um den lebensfrohen Venezolaner kümmern sollte, ließ Kocak offen.

Elez ein Verkaufs-Kandidat

Abgesehen von der saisonübergreifenden Schwäche bei Standards gibt es weitere Gründe für einen weiteren neuen Spieler für die Abwehr. Bei Josip Elez wurde deutlich, dass er für die Innenverteidigung eher kein Thema ist für Kocak.

Er sei „kein Spieler, den man einwechselt“, sagte der 96-Trainer auf die Frage, warum der Kroate, in der Woche zuvor noch in der Startelf, nicht mit nach Osnabrück fuhr. Elez ist eher Kandidat für den Verkauf als einer für die Startelf.

In einer möglichen Abwehr-Dreierketten-Formation hätte Trainer Kocak außerdem Timo Hübers, Marcel Franke und Baris Basdas zur Verfügung. Basdas gilt aber eher als Back-up, Franke und Hübers als körperlich leicht gefährdet. Beide verfügen über jeweils unterschiedliche Einträge in ihren Knie-Akten.