05. Mai 2022 / 22:54 Uhr

Schwacher Start, Finale dahin: RB Leipzig scheitert bei den Rangers an sich selbst

Schwacher Start, Finale dahin: RB Leipzig scheitert bei den Rangers an sich selbst

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Leipzigs Willi Orban, Kevin Kampl und Dani Olmo (v.l.) nach dem Tor der Rangers zum 2:0.
Leipzigs Willi Orban, Kevin Kampl und Dani Olmo (v.l.) nach dem Tor der Rangers zum 2:0. © dpa
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Für RB Leipzig ist zum zweiten Mal nach 2020 in einem europäischen Halbfinale Endstation. Mit einer 1:3-Niederlage im Rückspiel bei den Glasgow Rangers verabschieden sich die Sachsen aus der Europa League. Ein Grund für die Pleite war einmal mehr eine dürftige erste Halbzeit.

Glasgow. Vergessen Sie Dortmund, Istanbul, Barcelona, Madrid, ja, auch Leipzig. Die Atmosphäre im Ibrox-Stadium toppt alles, reißt alles und jeden mit. Hier muss er erfunden worden sein, der 12. Mann. Hier ist auf dem Rasen blindes Verständnis gefragt, weil man sein eigenes Wort nicht versteht. Die Roten Bullen haben sich nicht blind verstanden, mussten sich einer beseelten Mannschaft, einem sich im Takt biegenden Stadion und frenetischen Fans beugen. Die Glasgow Rangers gewinnen verdient 3:1 und kämpfen am 18. Mai in Sevilla gegen Eintracht Frankfurt um den 16 Kilo schweren Europa-League-Pott. RB kann und muss sich ab sofort auf die Liga und den DFB-Pokal fokussieren. Tore gestern: James Tavernier trifft zum (19.), Glen Kamara erhöht auf 2:0 (24.), Christopher Nkunku macht Leipzigs 2:1-Anschluss (70.), John Lindstram feiert das alles entscheidende 3:1 (81.).

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Domenico Tedesco mit drei Wechseln. Lukas Klostermann, Benny Henrichs und Yussuf Poulsen ersetzen Mo Simakan, Nordi Mukiele und André Silva. Dani Olmo, zuletzt ohne Saft und Kraft, läuft erneut auf.

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Ohne Esprit, Engagement und spielerische Ideen scheidet RB Leipzig mit 1:3 bei den Glasgow Rangers im Halbfinale der Europa League aus Zur Galerie
Ohne Esprit, Engagement und spielerische Ideen scheidet RB Leipzig mit 1:3 bei den Glasgow Rangers im Halbfinale der Europa League aus ©

Die erste Chance in der brodelnden Bude haben die Rangers, Ryan Jack prüft Peter Gulacsi mit einem Flachschuss. RB macht mit, Willi Orban köpfelt eine Olmo-Ecke neben das Tor von Allan McGregor. RB kontrolliert zunächst das Spiel, setzt insbesondere durch Dampfmacher Konrad Laimer Nadelstiche. Nach einem Pass des Österreichers wird Poulsen kurz vorm Abschluss geblockt. Dann fliegt aus bewölktem Abend-Himmel das Dach vom Stadion, Glasgow wird erstmals gefährlich und schießt auch schon das 1:0. Kevin Kampl und Klostermann sehen gegen Glen Kamara auf der rechten Seite nicht gut aus, Ryan Kent sprintet unbehelligt in den Strafraum, zieht mit links durch Willi Orbans Beine ab, James Tavernier hält am langen Pfosten den Fuß hin - 1:0 (19.). Jetzt steht es insgesamt unentschieden.

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Kurz später schlägt es erneut ein. Josko Gvardiol verliert den Ball, RB ist unsortiert und handzahm (Angelino), Kamara netzt zum 2:0 ein (24.). Wieder ohrenbetäubender Jubel, der nicht abebben will. Olmo hat eine gute Chance zum Anschluss, zirkelt knapp vorbei. Glasgow ist griffiger, williger, aggressiver, hat das Sagen, mehr Männer in der Box (Strafraum), muss nach derbem Angelino-Fehler durch Joe Aribo das 3:0 machen. Die gute Nachricht für Leipzig: Bis zur Halbzeit tut sich nicht mehr viel.

Pause, Glasgow führt verdient 2:0, steht mit einem Bein im Finale von Sevilla. Kommt noch was von fehlerhaften und sichtbar beeindruckten Gästen? Und wer oder was kommt? Beim Pausentee ploppt Erbauliches auf. Jürgen Klopp und seine Reds kommen nach Leipzig, füllen am 27. Juni die Red-Bull-Arena und eine Vereinbarung mit Leben. Als Naby Keita 2018 den Cottaweg in Richtung Anfield Road verließ, gab es für RB viele Millionen Euro und das nordenglische Versprechen eines Danke-Naby-Spiels in Leipzig.

Wiederbeginn, RB braucht ein Tor, kommt zu einer optischen Überlegenheit, die vorerst nicht in Topchancen mündet. Wann muss der 40-jährige Keeper McGregor mal abtauchen? Dominik Szoboszlai kommt für Olmo. Die RB-Versuche prallen an der Rangers-Abwehr ab wie Wasser von der Ente, die Fans des 55-maligen schottischen Meisters feiern jeden abgewehrten Ball, jeden gewonnenen Zweikampf, tragen ihre. In der 70. Minute dann die Monsterchance zum 2:1. Kampl auf Nkunku, der in den Lauf von Laimer, Keeper McGregor rettet. Sekunden später flankt Angelino auf Nkunku, der hält die Breitseite hin, 2:1, klasse Tor, wieder alles offen.

RB ist zurück und verpasst um eine Poulsen-Fußspitze das 2:2. In der 78. Minute tankt sich Henrichs durch, passt nach innen statt frei abzuziehen. RB drängt aufs 2:2 und kassiert mit der ersten Rangers-Chance des zweiten Durchgangs das schottische 3:1. John Lundstram trifft nach Systemausfall der RB-Defensive (81.). Und, ja, ein Stadion aus Stahl und Betrion kann wackeln. RB drängt und rückt, Gulacsi verhindert das 4:1. Dann ist es vorbei. Auch mit dem ersten deutsch-deutschen Europapokal-Finale seit 1980, als Frankfurt gegen Gladbach den Uefa-Cup gewann.

Heute, 15 Uhr, fliegen die Rasenballer zurück nach Leipzig. Am Sonntag, 18.30 Uhr, verabschieden sie sich mit dem Heimspiel gegen den FC Augsburg für diese Spielzeit von der Red-Bull-Arena. Abschied nimmt auch der langjährige VIP-Caterer Dietrich Enk. Dem Vernehmen nach soll es ein Begängnis im fünften und sechsten Stock des Stadions geben.