16. Oktober 2020 / 18:13 Uhr

Schwacher Start wegen neuer Philosophie? VfL-Nachwuchs-Chef Thiam erklärt's

Schwacher Start wegen neuer Philosophie? VfL-Nachwuchs-Chef Thiam erklärt's

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Thiam
Gehen neue Wege: Pablo Thiam und der VfL-Nachwuchs. © Boris Baschin
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Die VfL-Nachwuchsteams im Leistungsbereich sind nicht so gut in die Saison gestartet. Das hat viele Gründe, liegt aber auch an der Philosophie, die die Wolfsburger eingeschlagen haben. Die individuelle Förderung ist wichtiger als Titel.

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Die Saison-Starts der Nachwuchs-Teams des VfL Wolfsburg waren nicht gut. Die Regionalliga-Mannschaft müsste in die Abstiegsrunde, wenn jetzt, nach dem siebten Spieltag, Saisonende wäre. Die Bundesliga-Teams der U19 und der U17 haben in zusammengerechnet fünf Partien noch keinen Sieg eingefahren. Für Pablo Thiam, den Sportlichen Leiter des VfL-Nachwuchses, ist das aber kein Grund zur Beunruhigung. "Sorgen bereitet mir das nicht. Natürlich wollen wir immer bestmöglich starten und alle Spiele gewinnen. Aber gerade in der U23 hatten wir einen Riesen-Umbruch in einer Form, wie wir ihn noch nie hatten."

Das lag auch daran, dass "wir außerplanmäßig den einen oder anderen Spieler noch abgegeben haben", sagt Thiam. Luca Horn (Hansa Rostock) oder Ulysses Llanez (ausgeliehen an den SC Heerenveen) zählen beispielsweise dazu. Hinzu kommt, dass die Jungprofis Tim Siersleben, Omar Marmoush (Thiam betont: "Ihr Einsatz in der Länderspielpause in Havelse war eine Ausnahme.") und Lino Kasten wegen der Corona-Maßnahmen in der Bundesliga nicht in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommen, weil sie im Testungs-Bereich der Profis mit drin sind.

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Bewusst keine weiteren Ü23-Spieler geholt

Und zu dem großen Umbruch gesellen sich dann noch personelle Probleme. "Durch viele Verletzungen fehlte gerade in den englischen Wochen die Kader-Breite. Die Jungs müssen sich jetzt erst mal erholen. Wenn sich das Lazarett aber lichtet, haben wir den Kader, wie wir ihn uns vorstellen." Mit Stürmer Jesaja Herrmann und Defensiv-Spieler Michele Rizzi fehlen derzeit "Kaliber, die helfen". Außerdem hat sich der VfL II noch in der Abwehr mit dem 19-Jährigen Tom Gaal verstärkt, der aus der A-Jugend von Borussia Mönchengladbach kommt.

Auf weitere Spieler über 23 verzichtet der VfL hingegen bewusst, mit Julian Klamt und Rizzi sind in der U23 nur zwei im Kader. Früher waren es mal mehr. Eine Frage des Geldes sei das aber nicht, betont Thiam. Eher der Philosophie: In allen Jugend-Teams sollen talentiertere Spieler früher gefördert werden, indem sie eine Jugend nach oben rücken. "Jannis Lang, Marcel Beifus und Bryang Kayo dürften alle noch in der A-Jugend spielen. Würden wir sie in der U19 einsetzen, reden wir da über ganz andere Ergebnisse", betont der Sportliche Leiter. "Aber was bringt uns das, wenn wir sie stattdessen schon früher an den Herrenbereich heranführen können. Das bringt ihnen in ihrer individuellen Entwicklung mehr."

Das gleiche Schema zieht sich auch durch die anderen Mannschaften hindurch. Thiam: "In der U19 spielt momentan beispielsweise Elia Höppner. Er dürfte eigentlich noch U17 spielen. Dort ist er sportlich vielleicht hilfreicher, für seine individuelle Förderung ist es aber so idealer." Der VfL geht also bewusst das Risiko ein, schlechter sportlich abzuschneiden, weil häufig jüngere Jahrgänge in den Nachwuchs-Teams zum Einsatz kommen. Thiam betont: "Klar will ich, dass die Ergebnisse anders sind. Aber so ist das einfach, wenn man Änderungen vornimmt."