02. Juli 2021 / 20:45 Uhr

Schweiz verlässt das Elfmeter-Glück: Favorit Spanien zittert sich ins EM-Halbfinale

Schweiz verlässt das Elfmeter-Glück: Favorit Spanien zittert sich ins EM-Halbfinale

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Der Favorit ist weiter: Spanien setzt sich gegen die Schweiz durch.
Der Favorit ist weiter: Spanien setzt sich gegen die Schweiz durch. © IMAGO/Agencia EFE
Anzeige

Die Schweiz hat den nächsten EM-Coup verpasst: Im Viertelfinale scheiterten die Eidgenossen im Elfmeterschießen gegen Spanien. Anders als im Achtelfinale gegen Frankreich, wo die Schweizer alle Elfmeter verwandelten, zeigte sich die Überraschungsmannschaft diesmal wenig treffsicher vom Punkt.

Die Nationalmannschaft der Schweiz hat die nächste Sensation bei der EM nur knapp verpasst. Im Viertelfinale verloren die Eidgenossen mit 2:4 nach Elfmeterschießen gegen Spanien und schieden nach dem Achtelfinal-Überraschungserfolg gegen Frankreich nun aus dem Turnier aus. Nach Verlängerung hatte es in St. Petersburg 1:1 (1:1, 0:1) gestanden. Ein Eigentor des Schweizers Denis Zakaria (8.) hatte die Spanier in einer einseitigen ersten Hälfte früh in Führung gebracht, Xherdan Shaqiri (68.) glich für die Schweiz aus, ehe Remo Freuler (77.) eine umstrittene Rote Karte sah und die Eidgenossen die Schlussphase in Unterzahl bestreiten mussten. Dort und in der Extrazeit wuchs Torwart Yann Sommer über sich hinaus, im Fernduell vom Punkt hatte der spanische Keeper Unai Simon aber schließlich das bessere Ende für sich. Die Spanier treffen im Semifinale am Dienstag nun auf Italien.

Anzeige

Die überraschend mit einer Viererkette angetretenen Eidgenossen, die sich erstmals seit 1954 für das Viertelfinale eines großen Turniers qualifizert hatten, begannen forsch; Xherdan Shaqiri probierte es mit einem Abschluss aus der Ferne, der jedoch von Pau Torres geblockt wurde (2.). Eine Spieltendenz zeichnete sich schnell ab. Während die Iberer ihr gewohntes Kurzpassspiel aufzogen, probierte es die Schweiz immer wieder mit schnell vorgetragenen Kontern, bei denen sie überfallartig probierten, Überzahlsituationen in der Offensive herzustellen. Das gelang mustergültig in der sechsten Minute, als Zakaria und Silvan Widmer allerdings zu wenig konsequent agierten. Derlei Nachlässigkeit rächte sich. Im Gegenzug konnte Ricardo Rodriguez gegen Ferran Torres noch zur Ecke klären, diese jedoch landete im Tor, das erneut von Gladbachs Yann Sommer gehütet wurde. Die geblockte Hereingabe fiel an der Strafraumgrenze vor die Füße von Jordi Alba, dessen Schuss von Zakaria unhaltbar abgefälscht wurde - das frühe 0:1 nach nur acht Minuten. Es war bereits das zehnte Eigentor dieser EM - und damit mehr als bei allen vorherigen Europameisterschaften zusammen.

Spanien kann Partie nach Zakaria-Eigentor kontrollieren

Etwas besseres als ein frühes Tor hätte den Iberern kaum passieren können, denn nun konnte die Mannschaft von Trainer Luis Enrique die Partie kontrollieren. Den Ball ließ der Favorit fast nach Belieben kontrollieren, phasenweise hatte Spanien fast 80 Prozent Ballbesitz und war dem 2:0 näher als die Schweizer dem 1:1. Für die Eidgenossen gab es einen weiteren Rückschlag, als der gegen Frankreich starke Gladbach-Profi Breel Embolo mit Oberschenkel-Problemen vom Platz musste; für ihn kam Augsburgs Ruben Vargas (23.). Kurz darauf zwei Chance zum zweiten Spanien-Tor: Erst klärte Nico Elvedi vor dem einschussbereiten Alvaro Morata, dann hielt Sommer einen Kopfball von Cesar Azpilicueta (25.). Der Rückenwind, den die Schweizer nach dem Coup gegen Frankreich zunächst fraglos hatten, er war längst verflogen. Angriffe auf das Tor von Unai Simon hatten Seltenheitswert. Zum Ende der ersten Hälfte hatte die Schweiz mal eine Serie von Eckbällen, die jedoch keinen Ertrag einbrachten.

Nach Wiederanpfiff durfte auf Seiten der Spanier auch der Leipziger Dani Olmo mitmischen, der für Pablo Sarabia ins Spiel kam. Es blieb beim Alten, Spanien hatte den Ball, während bei den Schweizern Eckbälle die gefährlichsten Szenen einbrachten. So in der 48. Minute, als Manuel Akanji allerdings den Ball nicht richtig traf. Shaqiri trad wenig später das Außennetz (52.). Die bis dahin dickste Möglichkeit der Elf von Vladimir Petkovic hatte Zakaria, der sich nach einer Rodriguez-Ecke hochwuchtete, seinen Kopfball aber knapp neben das spanische Tor wuchtete - das hätte das 1:1 sein können, vielleicht sogar müssen (56.).

Freuler räumt Moreno ab und sieht Rot

Die Schweiz wurde nun mutiger: Aus kurzer Distanz scheiterte der Frankfurter Steven Zuber nach einem schnell vorgetragenen Angriff aus spitzem Winkel an Simon (64.); Shaqiri machte es mit der nächsten Gelegenheit besser: Nach einem Missverständnis der spanischen Abwehrspieler Aymeric Laporte und Pau Torres stand der Liverpool-Profi im Strafraum nach Zuspiel von Freuler völlig frei. Er tunnelte Simon und traf mit Hilfe des Innenpfostens zum inzwischen durchaus verdienten Ausgleich (68.). Freuler stand bei der nächsten wichtigen Szene im Mittelpunkt. Nach einem leichten Ballverlust grätschte der Bergamo-Profi den eingewechselten Gerard Moreno um. Der englische Schiedsrichter Michael Oliver zeigte sofort die Rote Karte - eine harte Entscheidung, die jedoch vom Videobeweis nicht rückgängig gemacht wurde (77.). Spanien drückte in numerischer Überzahl nun auf den Siegtreffer, der jedoch in der regulären Spielzeit nicht mehr fiel.

So ging es wie schon im Achtelfinale (gegen Kroatien) in die Verlängerung - wo die Iberer ihre Gegner nun komplett dominierten und sich ein ums andere Mal kreuzgefährlich vor dem eidgenössischen Tor zeigten. Aus kurzer Distanz verpasste Moreno kurz nach Wiederanpfiff die Riesenchance zur Vorentscheidung, nach starkem Zuspiel von Alaba legte er das Spielgerät aber knapp vorbei - Sommer im Glück (93.). Bei der nächsten iberischen Torannäherung war beim Gladbacher indes kein Glück im Spiel, sondern pure Klasse: Nach einem langen Ball hinter die Schweizer Kette klärte er mit einem Weltklasse-Reflex gegen Moreno zur Ecke (101.). Sommer stand nun zunehmend im Fokus, hielt gegen den eingewechselten Mikel Oyarzabal ebenfalls klasse (103.). Die Spanier rannten auch in der zweiten Hälfte der Extrazeit an, Rodriguez rettete mit einer glänzenden Grätsche vor dem einschussbereiten Marcos Llorente (110.), Olmo scheiterte Augenblicke später an Sommer, der auch gegen Moreno zur Stelle war, der allerdings besser hätte abschließen müssen (118.).


Es ging ins Elfmeterschießen - schon wieder aus Schweizer Sicht. Die Spanier legten vor, Busquets setzte den Ball allerdings an den linken Pfosten. Die Chance für die Schweizer, Gavranovic verwandelte sicher, genau wie Olmo bei den Iberern. Als Schär mit einem schwachen Versuch an Simon scheiterte, war alles wieder in der Reihe. Doch auch Sommer war zur Stelle, parierte gegen den eigens fürs Elfmeterschießen eingewechselten Rodri. Vorteil Schweiz? Nein, denn auch Akanji verballerte gegen Simon. Moreno verwandelte nun gegen Sommer, Vargas schoss drüber. Nun konnte Oyarzabal alles klar machen - und er traf mitten in die Herzen der Schweizer, die aufopferungsvoll gekämpft hatten, diesmal aber nicht das bessere Ende für sich hatten.