22. März 2017 / 23:12 Uhr

Schwere Phase: Aber Kapitän Kaiser traut RB die Champions League zu

Schwere Phase: Aber Kapitän Kaiser traut RB die Champions League zu

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Dominik Kaiser (unten) versucht sich in der Bundesliga gegen Spieler des VfL Wolfsburg durchzusetzen.
Dominik Kaiser (unten) versucht sich in der Bundesliga gegen Spieler des VfL Wolfsburg durchzusetzen. © dpa
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Dominik Kaiser ist der einzige Feldspieler bei RB Leipzig, der drei Aufstiege und den Weg von der Regionalliga bis ins Fußball-Oberhaus geschafft hat. In der 2. Liga gehörte er noch zu den Leistungsträgern, in der Bundesliga ist er vor allem Einwechselspieler.

Leipzig. Dominik Kaiser stand zu Saisonbeginn noch häufig in der Startelf, insgesamt aber nur in sieben von 25 Partien. Trainer Ralph Hasenhüttl sagt: „Eine Rolle verändert sich, wenn sich eine Stammelf findet, die es dann auch nicht so schlecht macht. Aber er ist ein wichtiger Spieler für uns, deshalb brauchen wir ihn in den letzten Partien umso mehr.“

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Im LVZ-Interview spricht der 28-Jährige über die schwerste Phase seit seinem Beginn am Cottaweg vor viereinhalb Jahren, das Ziel Champions League und seine Zukunft bei RB Leipzig.

Vor einem Jahr war noch nicht sicher, ob RB in die Bundesliga aufsteigt. Jetzt habt ihr die Chance, euch für die Champions League zu qualifizieren. Muss man sich manchmal zwicken?
„Zwicken musste ich mich in den letzten Jahren nie, denn da ging es immer ziemlich steil bergauf und wir waren erfolgreich. Aber man muss immer mal wieder kurz auf Pause drücken und sich anschauen, was wir in unserer ersten Bundesligasaison geleistet haben. Auch wenn in den letzten Wochen vielleicht nicht alles perfekt lief. Aber das gehört zum Fußball dazu und wir sind immer noch in einer super Situation und können ganz viel erreichen.“

Was denkst du, wo ihr nach den neun verbleibenden Spielen landen werdet?
„Die Hinrunde war unglaublich, wir hatten einen Lauf. Jetzt merken wir, dass es nicht ganz so einfach ist und Kleinigkeiten in den Spielen, die vor ein paar Monaten noch in die andere Richtung gingen, eher gegen uns laufen. Wir wollen unsere Heimstärke vor allem wieder auf den Platz bringen. Dann bin ich überzeugt, dass wir in der Tabelle weiter da stehen, wo wir jetzt gerade sind. Das traue ich uns zu, weil wir uns das mit unserem Spielstil und den Ergebnissen bisher einfach auch erarbeitet haben.“

In den vergangenen Partien ist die Leichtigkeit der Hinrunde verloren gegangen. Ihr kassiert mehr Tore und schießt weniger…
„Es sind Kleinigkeiten. In Bremen (0:3, Anm. d. Red.) hätten wir aufgrund der ersten 20 Minuten in Führung gehen müssen. Dann laufen die Spiele leichter und besser. Wir schaffen es gerade nicht mehr, früh in Führung zu gehen. Das war in der Hinrunde ganz oft unser Trumpf. Aber wir sind in der Bundesliga angekommen, da haben alle Gegner ein hohes Niveau und die Dichte ist eng. Aber wir sind weit entfernt davon, dass wir unseren Spielstil verloren haben oder nicht mehr das zeigen, was uns auszeichnet.“

Vergangene Saison gab es in der 2. Bundesliga eine ähnliche Konstellation. Ihr habt lange großen Vorsprung zu den Nicht-Aufstiegsplätzen gehabt und am Ende wurde es sehr knapp. Kann euch diese Erfahrung im Endspurt dieses Jahr helfen?
„Vielleicht. Obwohl es aus meiner Sicht zwei unterschiedliche Situationen sind. Die Konstellation letztes Jahr war fast noch schwieriger, weil wir unbedingt in die Bundesliga aufsteigen wollten. Das war unser großes Ziel. Am Ende haben wir schon ein bisschen mehr überlegt, weil wir die Punkte unbedingt gebraucht haben. Jetzt sind wir in der Bundesliga angekommen und niemand hätte sich erträumt, dass wir so marschieren und unseren Stil so auf den Platz bekommen. Wir sind immer noch Zweiter und haben eine riesen Chance, in den internationalen Wettbewerb zu kommen. Das ist sicher präsent bei uns und das wollen wir auch packen. Wir haben die Möglichkeit, in unserer ersten Bundesliga-Saison nochmal etwas Neues und Unglaubliches zu schaffen.“


Wie siehst du deine persönliche Entwicklung im ersten Jahr mit RB Leipzig im Oberhaus?
„Am Anfang habe ich mich natürlich wohler gefühlt, weil ich deutlich öfter von Beginn an ran durfte. Das ist leider seit kurz vor Weihnachten nicht mehr so oft der Fall und natürlich auch nicht zufriedenstellend für mich. Aber da muss ich durch. Ich habe die letzten viereinhalb Jahre jedes Spiel von Anfang an bestreiten dürfen. Wir haben eine starke Mannschaft, mit individuell hochklassigen Leuten. Dass sich der Trainer in den letzten Wochen oft für andere entschieden hat, ist nicht einfach, aber das muss ich akzeptieren. Ich hatte ja auch schon einige Bundesligaeinsätze. Es kommt jetzt darauf an, dass wir in der Tabelle oben drin bleiben. Ich bin auch davon überzeugt, dass ich in den letzten Wochen meinen Teil dazu beitragen kann.“

Ist es für dich die schwierigste Phase, die du bei RB Leipzig gerade durchlebst?
„Es ist keine einfache Situation. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich gerade tauschen und in der Regionalliga in ein paar Monaten nochmal ein Relegationsspiel bestreiten möchte. Das was wir als Verein erreicht haben und auch ich persönlich mitmachen durfte, das war sehr erfolgreich. Da nehme ich viel mit, auch wenn jetzt nicht mehr zählt, was vor ein paar Jahren war. Ich bin mit RB in der Bundesliga angekommen und habe auch in der Mannschaft schon meinen Teil dazu beigetragen, wenn vielleicht nicht in der Form, in der ich es mir erhofft habe und in der es in den letzten Jahren der Fall war. Aber es kann sich im Fußball auch immer schnell ändern. Deshalb muss ich einfach dran bleiben und das Beste für mich herausziehen.“

Dominik Kaiser heizt die Fans und die Mannschaft von RB Leipzig an.
Dominik Kaiser heizt die Fans und die Mannschaft von RB Leipzig an. © dpa

Kennst du die Gründe, warum du nicht mehr so oft von Beginn an spielst und hast du deshalb das Gespräch mit dem Trainer gesucht?
„Wir sind im Austausch, aber er muss mir auch nicht jede Woche kommunizieren, warum ich nicht von Anfang an gespielt habe oder er mich nicht eingewechselt hat. Ich kann nichts anderes machen, als mich im Training zu präsentieren und mir das Gefühl zu geben, dass ich fit und bereit bin, für den Einsatz in der Bundesliga. Aber das Wichtigste ist, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind und da macht der Trainer bisher einen sehr guten Job.“

Nutzt du die Länderspielpause jetzt noch einmal, um ein Vier-Augengespräch zu suchen?
„Es ist sicher ein Zeitraum, in dem man die letzten Wochen Revue passieren lassen kann. Wir werden uns diese Woche wahrscheinlich nochmal zusammensetzen. Aber das haben wir in der Vergangenheit auch schon getan und es hat nicht unbedingt damit etwas zu tun, dass ich gegen Wolfsburg ausgewechselt wurde oder gegen Bremen nicht gespielt habe.“

Der Trainer hat nach dem 0:3 in Bremen gesagt, dass er das Gefühl hat, dass der Kader nicht mehr ganz so homogen ist, wie in der Anfangsphase der Saison. Haben sich einige Spieler schneller entwickelt, als andere?
„Das ist schwierig zu sagen. Wenn ich an Spiele in der Hinrunde denke, da kam in Hamburg Timo Werner rein und macht zwei Tore und wir gewinnen 4:0. In Bremen kommt Davie Selke rein und wir verlieren 0:3. Ob man das vergleichen darf und Rückschlüsse darauf ziehen kann, ob es von der Bank nicht funktioniert, das weiß ich nicht. Das wäre gegenüber denjenigen, die in den letzten Wochen rein kamen, ungerecht. So einfach ist es nicht. Sicher haben uns mit Yussi und Naby wichtige Spieler gefehlt. Aber in der Hinrunde war es auch leichter in eine Mannschaft zu kommen, in der alles flüssig läuft. Jeder muss jetzt einfach versuchen, noch einmal das Beste aus sich heraus zu holen. Da sind natürlich auch die Jungs gefordert, die gerade weniger gespielt haben, da nehme ich mich mit dazu.“

Wenn ihr im internationalen Geschäft mitmischt, wird der Kader nächste Saison noch einmal verstärkt, auch in der Breite. Machst du dir Gedanken, wie es im Sommer weiter gehen soll?
„Nein, weil ich ganz genau weiß, dass so eine Situation dazu gehört. Das habe ich in den letzten Jahren bei RB miterlebt, dass immer wieder neue Qualität dazu kommt. Das hat uns auch immer wieder gut getan. Dass es für manche dann schwieriger wird, ist sicher richtig. Aber darüber mache ich mir jetzt noch keinen Kopf. Wir haben das Ziel vor Augen, nächstes Jahr europäisch spielen zu können. Das ist etwas Besonderes und dem ordne auch ich jetzt alles unter.“

Du hast noch einen Vertrag bis 2018. Kannst du dir vorstellen, danach eine andere Funktion bei RB zu übernehmen? Oder willst du deine aktive Laufbahn mit 30 definitiv noch nicht beenden?
„Bisher mache ich mir noch keine Gedanken darüber, was nach 2018 kommt. Ich traue mir zu, danach noch weiter auf einem hohen Level Fußball zu spielen. Richtig ist, dass ich bis dahin bei RB einen Vertrag habe. Und generell ist es für mich vorstellbar, auch danach hier zu bleiben, weil ich mich in den fast fünf Jahren immer wohl gefühlt habe. Die Stadt und das Leben hier sind mir ans Herz gewachsen, sodass ich mir das auch langfristig vorstellen könnte. Letztendlich will ich aber noch ein paar Jahre auf hohem Niveau Fußball spielen.“