15. April 2021 / 08:40 Uhr

"Katastrophe": Schwimm-Asse Schwarz und Köhler verpassen wegen Corona-Infektionen Olympia

"Katastrophe": Schwimm-Asse Schwarz und Köhler verpassen wegen Corona-Infektionen Olympia

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dritte Welle kostet Olympia: Sven Schwarz und Angelina Köhler bleibt nur die Hoffnung auf die Spiele in Paris 2024.
Dritte Welle kostet Olympia: Sven Schwarz und Angelina Köhler bleibt nur die Hoffnung auf die Spiele in Paris 2024. © dpa/thesportpicturepage
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Weil sich Sven Schwarz von Waspo 98 und Angelina Köhler von Hannover 96 beide mit dem Coronavirus infizierten, können sie nicht an der Olympia-Qualifikation in Berlin teilnehmen. Damit verpassen sie automatisch die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer. 

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Ganz allein in einem 50-Meter-Schwimmbecken zu trainieren, das ist schon ein etwas seltsames Gefühl. Besonders motivierend ist das jedenfalls nicht, es bedarf einiger Selbstdisziplin, um das durchzuhalten. Sven Schwarz von Waspo 98 und Angelina Köhler von Hannover 96 haben das aber geschafft, sie zogen oft allein ihre vielen Bahnen. Um sich nicht anzustecken, um das Risiko zu minimieren und die Chance auf Olympia zu wahren. Und nun ist ihre Tokio-Kampagne doch ein Schlag ins Wasser. Beide infizierten sich mit dem Coronavirus, mussten auch den Start zum finalen Qualifikationswettbewerb am Wochenende in Berlin absagen. „Das sind echte Albtraumwochen gewesen, es ist ein Schock für alle“, sagt Landestrainer Emil Guliyev.

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Erst am Mittwoch kam die Nachricht vom Gesundheitsamt, dass Delfinspezialistin Köhler noch positiv ist und daheim bleiben muss. Zuvor war sie schon negativ getestet worden. „Sie ist entsetzt und sehr traurig – genau wie ich. Wir waren uns sicher, dass sie in Berlin dabei sein kann, sie war ja symptomfrei“, so ihr Coach. Am Freitagnachmittag hätte die 20-Jährige über 100 Meter um das Tokio-Ticket „schmettern“ sollen, die Norm sind 57,90 Sekunden. Diese Marke hat Köhler bereits unterboten, hätte sie für Olympia aber erneut knacken müssen. „Angelina war schnell im Training, das sah gut aus, wir waren zuversichtlich“, betont Guliyev. Nun gibt es nur noch eine ganz kleine Chance auf einen Platz in der 4x100-Meter-Lagenstaffel. Ist in Berlin keine Konkurrentin schneller als die von Köhler in diesem Jahr vorgelegten 58,63 Sekunden, könnte sie der Bundestrainer nominieren. „Es gibt einen Rest Hoffnung, aber das ist alles völlig offen“, sagt Guliyev.

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Rückstand wäre kaum aufzuholen gewesen

Vor gut drei Wochen hatte es einige Corona-Fälle am Olympiastützpunkt gegeben, betroffen waren in erster Linie junge Wasserballer der White Sharks, einige Schwimmer und zwei Boxer. Auch Langstreckenschwimmer Schwarz infizierte sich mit der britischen Variante. „Dabei waren wir extrem vorsichtig, es gab Schnelltests vom Sportinternat“, sagt der 19-jährige Wunstorfer, „es ist schon sehr bitter und schade. Da kommt man ins Grübeln, warum es einen getroffen hat.“ Rund drei Wochen war er raus, der Rückstand wäre kaum aufzuholen gewesen. Über 800 und 1500 Meter war Schwarz ein Kandidat für die Spiele. „Sven hatte die Chance, die Norm zu schaffen“, attestiert der Landestrainer und fügt nach einer langen Pause hinzu: „Man kann schon sagen, dass fast zwei Jahre harte Arbeit auf einen Schlag kaputt gemacht sind.“

Schwarz ist seit Dienstag wieder aus der Quarantäne. Er muss sich noch auf mögliche Folgeschäden des Virus untersuchen lassen, das schreiben der DSV und der DOSB vor. Das nächste Ziel könnten EM und WM auf der Kurzbahn Ende des Jahres sein. „Natürlich wird es wieder Wettkämpfe geben, und es hilft ja nichts, ich muss es so hinnehmen“, sagt Schwarz. Aufmunternde Nachrichten kamen unter anderem von DSV-Star Florian Wellbrock, mit dem Schwarz vor Monaten noch zusammen im Höhentrainingslager war. „Er schrieb, das sei bitter, ich solle mich davon aber nicht unterkriegen lassen“, sagt der Humboldtschüler. Er hofft, bald wieder mit leichtem Programm einzusteigen.

Olympia 2024 bleibt Ziel

Für Köhler ist die Perspektive konkreter, sie hat die Norm für die EM im Mai in Budapest erfüllt. Bleibt nur zu hoffen, dass sie bald wieder trainieren kann, sagt ihr Landescoach.

Für Köhler und Schwarz bleibt Olympia in Paris 2024 das wichtigste Ziel. „Natürlich, das ist alles richtig. Aber so kurz vor den Spielen eine solche Katastrophe. Ich weiß selbst grade nicht, wie man damit umgehen soll“, sagt Guliyev.