14. April 2021 / 17:58 Uhr

Schwimmen: Letzte Chance auf das Tokio-Ticket für Brandenburger Athleten

Schwimmen: Letzte Chance auf das Tokio-Ticket für Brandenburger Athleten

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
 Tief durchatmen vor dem Showdown: Christian Diener.
Tief durchatmen vor dem Showdown: Christian Diener. © imago images/AFLOSPORT
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In Berlin gipfelt die Olympia-Qualifikation. Potsdams Top-Mann Christian Diener will trotz Rückschlags „rocken“. Zudem haben zwei weitere Brandenburger Hoffnungen - einer davon hofft in Übersee.

Wegen der coronabedingten Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio waren es für Christian Diener fünf statt vier Jahre harter Arbeit im Schwimmbecken. Er hat alles gegeben, um wie 2016 in Rio dabei sein zu können und möglichst wie damals – als Siebter über 200 Meter Rücken – das Finale zu erreichen. Doch ausgerechnet in der entscheidenden Qualifikationsphase spürt der Athlet des Potsdamer SV im OSC eine Gegenströmung. Die Gesundheit machte Probleme. Vorige Woche musste er wegen eines grippalen Infekts mit dem Training aussetzen und tritt nun am Wochenende beim letzten deutschen Nominierungswettkampf in Berlin mit „gemischten Gefühlen“ an, wie er sagt: „Ich war voll darauf eingestellt, Berlin zu rocken. Jetzt hoffe ich, dass ich nach der Erkältung auch wirklich zeigen kann, was ich drauf habe.“

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Kampf um Staffelplatz

Auf seiner Paradestrecke, den 200 Metern, muss der 27-Jährige die Norm von 1:57,00 Minute knacken. Seine Bestzeit aus Rio ist rund sieben Zehntelsekunden stärker, beim ersten Qualifikationsmeeting vor zwei Wochen in Heidelberg brachte er eine 1:57,99 ins Wasser. Die Norm für die Europameisterschaften in Budapest hat Diener damit erfüllt, „aber“, sagt er und schnauft süffisant, „das ist nicht das, was ich will“.

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Er will zu Olympia. Und fühlt sich auch bereit dafür. Trainiert habe er nach ähnlichen Plänen wie vor den Spielen 2016, die Tests seien sehr gut gewesen, sagt der Schützling von Coach Jörg Hoffmann: „Ich war echt gut drauf.“ Dann kam der Infekt. Das Meeting am vorigen Wochenende in Eindhoven sollte als Zwischenstation vor dem finalen Showdown in Berlin herhalten, doch krankheitsbedingt musste Diener abmelden.

2018 holte Melvin Imoudu DM-Gold über 50 und 100 Meter Brust.
2018 holte Melvin Imoudu DM-Gold über 50 und 100 Meter Brust. © Bernd Thissen/dpa

In Heidelberg hatte der mehrfache EM-Medaillengewinner zuvor auch schon auf die 100 Meter verzichtet, die für ihn von großer Bedeutung sein könnten. Bei den vergangenen beiden Saisonhöhepunkten, der WM 2019 und EM 2018, schaffte Diener die Qualifikation nicht über eine Einzelstreckennorm, sondern als schnellster deutscher Rückenschwimmer für die 4x100-Meter-Lagenstaffel. Marek Ulrich aus Leipzig hat nun bereits gute 54,27 Sekunden zu stehen. Diener muss also seiner eigenen Bestzeit von 53,92 nahe kommen. Er betont: „Meine Sprints sind gerade verdammt schnell. Das fühlt sich super an.“ Diese hohe Grundgeschwindigkeit stimme ihn auch für die doppelte Distanz optimistisch: „Wenn das Tempo da vorne nicht passt, wird es hinten raus auch nicht doll.“

Imoudu peilt nächste Bestzeit an

Etwas „Dolles“ möchte Melvin Imoudu leisten. Der aus Schwedt stammende Brustschwimmer ist der zweite Akteur vom Potsdamer Bundesstützpunkt, der sich berechtigte Tokio-Hoffnungen machen kann. Der 22-Jährige, der 2018 mit Doppel-Gold bei den Deutschen Meisterschaften überrascht hatte, steigerte in Eindhoven seine 100-Meter-Bestzeit auf 1:00,16 Minute. Die EM-Norm um nur eine Hundertstel verfehlt, dem geforderten Olympia-Wert auf 0,36 Sekunden nahe gekommen. „Ich bin noch jung und spüre keinen großen Druck. Ich gehe All In und werde sehen, was raus kommt“, sagt er. Ein Kandidat für die Lagenstaffel ist Imoudu wohl nicht, denn Fabian Schwingenschlögl aus Neckarsulm hat mit seinem deutschen Rekord von 58,95 Sekunden eine internationale Top-Zeit vorgelegt. Schwingenschlögl ist einer von 15 deutschen Aktiven, die aktuell Olympia-Normen im Becken erfüllt haben. In der Hälfte der 28 Einzeldisziplinen klaffen aber noch Lücken.

Seit 2019 studiert der Potsdamer Eric Friese in den USA und schwimmt dort für die Florida Gators.
Seit 2019 studiert der Potsdamer Eric Friese in den USA und schwimmt dort für die Florida Gators. © privat

Von Übersee aus greift noch ein dritter Brandenburger nach einer Olympia-Nominierung. Eric Friese studiert seit 2019 in Florida und unterbot zuletzt in den USA die EM-Normen über 100 Meter Schmetterling und Freistil. In letzterem Fall brachte sich der Potsdamer auch für die Sprintstaffel bei den Spielen ins Gespräch. Allerdings: Bislang blieben noch nicht vier deutsche Männer in Addition unter der Anforderung als Quartett. Am Wochenende könnte sich das ändern, wenn nicht nur Christian Diener „rocken“ will.