01. August 2021 / 13:42 Uhr

Scoccimarros Bronze-Jubel: "Geiles Event"!  

Scoccimarros Bronze-Jubel: "Geiles Event"!  

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Das deutsche Judo-Mixed-Team jubelt: Giovanna Scoccimarro (ganz l.) und Co. holten Bronze.
Das deutsche Judo-Mixed-Team jubelt: Giovanna Scoccimarro (ganz l.) und Co. holten Bronze. © Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Corona verhindert einen schöneren Abschluss in Tokio nach Olympia-Bronze. Doch dafür dürften Giovanna Scoccimarro und das deutsche Judo-Team, das am Samstag Bronze gewann, in der Heimat feiern. Am späten Sonntagabend werden Scoccimarro und Co. zurückerwartet, Empfangskomitees machen sich bereit.

Wegen Corona mussten die deutschen Judoka um Giovanna Scoccimarro vom MTV Vorsfelde schon am Tag nach dem Bronzemedaillengewinn im Judo-Teamwettkampf der olympischen Spiele heim. In der Heimat gratulierte Oberbürgermeister Klaus Mohrs und es machte sich ein Empfangskomitee auf den Weg nach Hannover, wo sie am späten Sonntagabend landen sollte.

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Eine Medaille hätte sie gern, ein Trost für knapp entgangenes Einzelbronze wäre das aber nicht, hatte die Judoka vor dem Teamwettbewerb zum Abschluss der olympischen Judo-Wettbewerbe gemeint. Nach dem Bronzegewinn mit dem Team am Samstag sah sie dann doch sehr getröstet aus. Nämlich entspannt und höchst erfreut. Mit ihrem Team posierte Scoccimarrro mit den Medaillen, strahlte beim ARD-Interview mit den Kollegen und Kolleginnen um die wette, sagte: "Super, das schweißt das Männer- und Frauenteam zusammen. Das hat man bei uns gut gesehen, ein geiles Event, wir sind sehr happy, dass wir diese Medaillen gewinnen konnten."

Bronze für Deutschlands Judo-Team und Giovanna Scoccimarro.

Bronze für Deutschlands Judo-Team und Giovanna Scoccimarro vom MTV Vorsfelde. Zur Galerie
Bronze für Deutschlands Judo-Team und Giovanna Scoccimarro vom MTV Vorsfelde. ©

Es war eine historische Medaille, der Mixed-Wettbewerb fand zum ersten Mal statt. In dem hatte sich die deutsche Auswahl als echtes Team präsentiert. Anna-Maria Wagner, die schon eine Einzelmedaille gewonnen hatte, sich leicht angeschlagen durchbiss: "Im Team ist es was ganz Besonderes, diese Medaille ist genauso viel wert wie eine im Einzel."

Und: Am Ende der Judo-Wettkämpfe in Tokio hatte Deutschland sogar drei Medaillen auf dem Konto, zwei mehr als 2016. Und die Lessienerin war auch Teil des Erfolges gewesen. Auch wenn sie Déjà-Vus der eher unangenehmen Art erlebte. Nämlich sowohl gegen Japan, das Deutschland den Weg ins Halbfinale verbaute, als auch im Kampf um Bronze gegen die Niederlande war die 23-Jährige auf die Sportlerinnen getroffen, gegen die sie ihre Einzelniederlagen kassierte hatte. Gegen Japan (das im Mixed hinter Frankreich Zweiter wurde) verlor sie gegen Goldgewinnerin Chizuru Arai, gegen die Niederlande war erneut Sanne van Dijke die etwas glücklichere Kämpferin. Aber nur auf der Matte.

Scoccimarro, die den ersten Kampf gegen die Niederlande zu bestreiten hatte, beobachtete die Folgefights gegen das Nachbarland mit sichtbarer Anspannung. Am Ende, als Sebastian Seidl das 4:2 erkämpft hatte, jubelte sie erleichtert mit ihrem Team, dann flossen kurz danach bei der traditionellen Verabschiedung vom Gegner Tränen bei van Dijke. Wenig später flossen sie auch bei der Lessienerin - was zeigte, dass ihr diese Medaille viel bedeutet.

Deutschland hatte im Turnierverlauf das vom IOC zusammengestellte Flüchtlingsteam besiegt, gegen Japan verloren, gegen die Mongolei mit einem Sieg von Scoccimarro 4:2 gewonnen, ehe gegen die Niederlande dann das 4:2 Edelmetall bedeutete.Mit Feiern war nicht viel drin. Am Kampfabend wussten die Aktiven schon: Morgen früh geht es heim. Denn: Alle müssen wegen der Pandemie 48 Stunden nach dem Ende des letzten Wettkampfs Japan verlassen haben.


In der Heimat war man stolz. Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs gratulierte: "Herzlichen Glückwunsch zur Medaille! Ich freue mich sehr, dass Wolfsburg mit einer erfolgreichen Olympionikin in Tokio vertreten ist – ein tolles Aushängeschild für den Sport in Wolfsburg."

Der langjährige MTV-Vorsfelde-Geschäftsführer und heutige Vorsitzende Lutz Hilsberg, der ihren Weg schon lange begleitet: "Hervorragend, das ist das Größte, was es je für unseren Verein gegeben hat. Giovanna hat so lange dafür kämpfen müssen, in Japan dabei zu sein. Und der Mixed-Sieg war eine tolle Mannschaftsleistung."

Gemeinsam mit einigen anderen MTVern plante er, am Abend nach Hannover zu fahren, um die Sportlerin zu empfangen. Dort auf jeden Fall auch vor Ort: Mutter Martina und die Brüder Luigi und Federico, der sagt: "Sie hat tolle Kämpfe gemacht, die Mannschaft hat sich fantastisch präsentiert. Wir sind sehr stolz auf Giovanna." Nur Vater Domenico wird die Tochter erst später begrüßen können. Er muss arbeiten.