25. Januar 2021 / 13:40 Uhr

Scorpions legen Protest gegen Pleite in Halle ein: Das sind die Erfolgsaussichten

Scorpions legen Protest gegen Pleite in Halle ein: Das sind die Erfolgsaussichten

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Fedor Kolupaylo (links) erzielte das vermeintliche 6:1 für die Scorpions, das zum Streitpunkt wurde.
Fedor Kolupaylo (links) erzielte das vermeintliche 6:1 für die Scorpions, das zum Streitpunkt wurde. © Debbie Jayne Kinsey
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Am Freitag unterlagen die Hannover Scorpions nach 5:1-Führung noch den Halle Saale Bulls. Für Ärger sorgte das zurückgenommene vermeintliche 6:1 der Scorpions. Der Eishockey-Oberligist hat nun Protest eingelegt. Wir geben einen Überblick über die Faktenlage.

Irgendwann musste es passieren: Die Hannover Scorpions haben wieder ein Eishockey-Spiel verloren. Der Oberliga- Tabellenführer, zuvor in 18 Partien am Stück siegreich, unterlag am Freitag den Saale Bulls Halle mit 5:7. Vorangegangen waren spektakuläre 60 Spielminuten, es schloss sich ein Protest der Scorpions gegen die Spielwertung an. Wir fassen die wichtigsten Fakten zur ereignisreichen Partie in Mellendorf zusammen.

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Der Spielverlauf: Nach 24 Minuten stand es 5:1. Die Scorpions blickten dem 23. Sieg im 24. Spiel entgegen. Die Saale Bulls, schon drei Wochen zuvor bei ihrer 3:4-Niederlage nach Penaltyschießen ein hartnäckiger Gegner, gaben nicht auf und wendeten noch das Blatt.

Bilder vom Eishockey-Spiel in der Oberliga Nord zwischen den Hannover Scorpions und Saale Bulls Halle

Die Scorpions feiern ihr zweites Tor. Zur Galerie
Die Scorpions feiern ihr zweites Tor. ©

Der Impuls: Halles Trainer Ryan Foster sorgte für den gewünschten Effekt für seine Mannschaft, als er direkt nach dem 5:1 Torhüter Jakub Urbisch vom Eis holte und Sebastian Albrecht zwischen die Pfosten stellte. Albrecht blieb ohne Gegentor. Zudem agierten die Scorpions während der Gäste-Aufholjagd viel zu schwach.

Der Wendepunkt: In der 28. Minute kam Fedor Kolupaylo nach Ablauf seiner Strafe zurück aufs Eis und erzielte sofort ein Traumtor zum vermeintlichen 6:1. Es folgten intensive Beratungen der vier Schiedsrichter. Am Ende annullierten die Hauptreferees Daniel Ratz und Artur Stach das Tor.

Die Diskussionen: Kolupaylo, zusammen mit seinen Mitspielern Julian Airich und Alex Heinrich auf der Strafbank, hätte nicht als Erster zurück aufs Eis gedurft – obwohl von diesem Trio seine Strafzeit als erste abgelaufen war. Dabei beriefen sich Ratz und Stach auf Paragraf 113 Absatz 4 des Regelwerks. Demnach darf ein erstbestrafter Feldspieler, wenn für eine Mannschaft drei oder mehr Strafen zeitgleich existieren, erst bei der nächsten Spielunterbrechung zurück aufs Eis kommen. Dadurch soll die angreifende Mannschaft den Vorteil einer doppelten Überzahl behalten. Kolupaylo verließ die Box jedoch im laufenden Spiel.

Der Protest: Die Scorpions haben noch am Freitag beim DEB Protest eingelegt. „Es geht nicht darum, dass wir schlechte Verlierer sind. Aber hier wurde falsch entschieden, was den Spielausgang beeinflusst hat“, sagte Scorpions-Sportchef Eric Haselbacher, nach dessen Meinung das wohl vorentscheidende 6:1 hätte zählen müssen.


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Die Erfolgsaussicht: Sie ist groß. Gregor Brodnicki, früherer DEL-Referee und mittlerweile Schiedsrichterbeobachter und -ausbilder, geht von einem Wiederholungsspiel aus. „Das Warten auf eine Unterbrechung ist in diesem Fall nur nötig, wenn zwei Spieler aus zwei Teams zur gleichen Zeit eine Strafe erhalten haben. Das war nicht Fall, daher durfte Kolupaylo sofort zurückkommen und hat ein regelkonformes Tor erzielt“, sagt Brodnicki und spricht von der Grundregel „first in, first out“. Wer also bei einem solchen Kuddelmuddel die erste Strafe kassiert hat, darf auch als Erster wieder zurück.