10. September 2022 / 14:46 Uhr

Boxen-Pannen und Teamchef-Krise: Ferrari vor Heim-Rennen in Monza gewaltig unter Druck

Boxen-Pannen und Teamchef-Krise: Ferrari vor Heim-Rennen in Monza gewaltig unter Druck

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ferrari-Teamchef Mattia Binotti (l.) steht vor dem Heim-Grand-Prix in Monza gewaltig unter Druck.
Ferrari-Teamchef Mattia Binotti (l.) steht vor dem Heim-Grand-Prix in Monza gewaltig unter Druck. © IMAGO/NurPhoto, Nordphoto (Montage)
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Das Formel-1-Team von Ferrari steht ausgerechnet vor dem Heim-Grand-Prix in Monza unter enormem Druck. Nach einem verheißungsvollen Saisonstart sorgte der italienische Rennstall in den vergangenen Rennen meist nur für Negativ-Schlagzeilen. Dabei ist auch Teamchef Mattia Binotto zunehmend in die Kritik geraten.

Ferrari tritt beim Heimrennen in Monza an diesem Sonntag (15 Uhr, Sky) mit einem speziellen Farbdesign an: In das traditionelle Rot mischt sich diesmal viel Gelb: Auf den Autos genauso wie auf den Overalls und Helmen der Piloten, in der Boxeneinrichtung sowie am Motorhome. Zum 75-jährigen Markenjubiläum und dem 100. Geburtstag der Strecke von Monza eine besondere Idee, die traditionell begründet ist: Gelb ist die Grundfarbe im Wappen von Enzo Ferraris Geburtsstadt Modena, deshalb hatte der Firmengründer das schwarze, springende Pferd im Logo auf einem gelben Hintergrund platziert.

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Zyniker im Fahrerlager lästern freilich schon, dies sei ein nettes Manöver, um von den vielfältigen Ferrari-Problemen abzulenken. Wegen dieser steht die Scuderia nicht nur in Italien heftig in der Kritik. Galt das Team mit Fahrer Charles Leclerc in den ersten Saisonrennen noch als WM-Favorit, mit einem Auto, das unter dem neuen Reglement von Anfang an besser funktionierte als alle anderen, ist man inzwischen hoffnungslos abgehängt. Leclerc liegt in der Fahrer-WM 109 Punkte hinter Max Verstappen (Red Bull), der indes in der Startaufstellung zum Großen Preis von Italien voraussichtlich zehn Plätze nach hinten strafversetzt wird.

Der Grund für Ferraris Misere liegt vor allem in einer andauernden Serie von Patzern und Fehlentscheidungen auf allen Seiten: Die neueste Episode in Zandvoort, als beim Boxenstopp von Carlos Sainz nur drei Räder bereit lagen und die Mechaniker zudem noch einen Schlagschrauber derart im Weg liegen ließen, dass Sergio Perez im Red Bull drüberfuhr, war nur der bisher letzte Teil der Saga. Davor lagen völlig unverständliche Strategieentscheidungen, verpatzte Boxenstopps – aber auch Fahrfehler von Leclerc, die zahlreiche Punkte kosteten. Auch der Monegasse ist nicht gegen das Syndrom gefeit, das vor ein paar Jahren bereits Sebastian Vettel bei Ferrari befiel: Die Unruhe, das Chaos und die Unsicherheit im Team überträgt sich zumeist auf den Fahrer, der Druck wird immer größer – und dann passieren die Fehler.

Ferrari-Teamchef Binotto in der Kritik

Verschiedene Formel-1-Experten von Ralf Schumacher über Mika Häkkinen bis Nico Rosberg sparen inzwischen nicht mehr mit heftiger Kritik an den Italienern. Rosberg etwa, der Weltmeister von 2016, forderte nach Zandvoort personelle Veränderungen und kritisierte vor allem Teamchef Mattia Binotto.

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Der schoss zurück: "Wir werden keine Leute auswechseln, das ist eine direkte Antwort auf Rosberg. Wir haben großartige Leute, daran habe ich keinen Zweifel. Außerdem ist erwiesen, dass Stabilität im Sport noch wichtiger ist, damit wir uns von Tag zu Tag und Rennen zu Rennen verbessern", sagte Binotto zur Unterstützung seiner Mitarbeiter.

Kann es für Ferrari mit Binotto am Steuer weitergehen?

Wobei sich viele, nicht nur Rosberg, schon die Frage stellen, ob nicht der erste, der ausgewechselt gehörte, Binotto selbst sein sollte. Dieser gilt zwar als sehr guter Techniker und ausgefuchster Motoren-Ingenieur – aber ist er zugleich ein guter Teamchef, ein Manager, der Menschen führen kann?

Sebastian Vettel hatte Ende 2018, als Binotto die Nachfolge von Maurizio Arrivabene antrat, diese Befürchtung und versuchte, den heutigen McLaren-Teamchef Andreas Seidl zu Ferrari zu holen. Vettel konnte sich nicht durchsetzen. Rosberg ist sich sicher, dass es grundsätzlich personelle Veränderungen brauche: "Da muss was passieren. Wir warten beim Kommentieren ja schon drauf, wann es passiert. Denn dass ein weiterer Ferrari-Fehler kommt, das ist klar." Das erste freie Training in Monza entschied übrigens am Freitag Charles Leclerc vor Teamkollege Sainz für sich.

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