24. November 2021 / 19:50 Uhr

Seawolves bei Wegfall der Corona-Hilfen unter Druck

Seawolves bei Wegfall der Corona-Hilfen unter Druck

Sebastian Lindner
Ostsee-Zeitung
Sollten Zuschauereinnahmen langfristig stark zusammenschmelzen oder gar ganz ausbleiben, wird es hart für die Rostock Seawolves.
Sollten Zuschauereinnahmen langfristig stark zusammenschmelzen oder gar ganz ausbleiben, wird es hart für die Rostock Seawolves. © Gunnar Rosenow
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Die neuen Zuschauerbeschränkungen stellen die Wölfe vor massive Probleme, vor allem dann, wenn im ab dem neuen Jahr die Corona-Hilfen wegfallen. André Jürgens nahm zudem Stellung zu einem möglichen Liga-Lockdown in der ProA – und zwar bemerkenswert ehrlich.

Getrieben von der stark voranschreitenden Ausbreitung des Coronavirus eilt auch die Politik auf Bundes- und Landesebene von einer Verschärfung der Eindämmungsmaßnahmen zur nächsten. Die Konsequenzen spürt dabei auch der Sport, vor allem der in den Hallen betriebene. 2G plus ist der Standard, dem sich nun auch die Rostock Seawolves zu unterwerfen haben.

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„Wir sind insofern darauf vorbereitet, als dass wir das Thema Corona im Sommer nicht von uns weggeschoben haben“, sagte André Jürgens, am Dienstag (als alter) zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Vereins gewählt. „Allerdings hätten wir zu Saisonbeginn nicht gedacht, dass es uns nochmal so stark trifft. Aber da war vielleicht auch Wunschdenken dabei.“ Der Verein, das machte er klar, habe „volles Verständnis“ für die geltenden Hygienemaßnahmen und sei „bereit, alle Dinge umzusetzen, um eine schnelle Stabilisierung beziehungsweise Verbesserung der Situation herbeizuführen.“

Corona-Hilfen laufen Ende des Jahres aus

Was jedoch nicht bedeutet, dass der Verein darunter nicht leidet. „Am meisten trifft uns die Kapazitätsminimierung“, so Jürgens. Maximal 1250 Zuschauer dürfen nun noch die Heimspiele der Seawolves in der Rostocker Stadthalle besuchen. „Wir sind mit einer anderen Ticketing-Planung ins Jahr gegangen.“ Noch größer wird das Problem, weil die Corona-Hilfen des Bundes – die den Wölfen 90 Prozent der entgangenen Ticketeinnahmen im Vergleich vom Durchschnitt der letzten Saison vor Corona, 2019/20, zum jeweils aktuellen Heimspiel sichern – Stand jetzt zum Jahresende auslaufen. „Niemand weiß, ob die Hilfen aufgrund der verschärften Lage weitergeführt werden. Falls nicht, und wir dann immer noch begrenzte Zuschauerzahlen haben, wird es hart.“ Alleine im Januar sind die Rostocker Basketballer viermal in eigener Halle am Start.

Zumindest, wenn dann überhaupt noch gespielt wird. Jürgens jedenfalls rechnet nicht mit einem Abbruch der Saison. „Das wäre ein Toppen dessen, was wir letztes Jahr hatten. Ich glaube nicht, dass die Lage jetzt durch die hohe Anzahl an Geimpften viel schärfer ist, dass zu noch drastischeren Mitteln als einer Geistersaison gegriffen werden muss.

Seawolves komplett geimpft

Allerdings sind in der 2. Bundesliga ProA bereits mehrere Spiele ausgefallen, weil teils ganze Mannschaften in Quarantäne oder sogar positiv getestet waren. Auch der letzte Gegner der Wölfe, die Uni Baskets Paderborn, reisten nur mit einer Rumpfbesetzung nach Rostock. „Je mehr Spiele nachgeholt werden müssen, desto schwieriger wird natürlich die Gestaltung des Spielplans“, sagte Christian Krings, Geschäftsführer der 2. Bundesliga, jüngst gegenüber Sport 1. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir jedoch sehr zuversichtlich, dass wir die verlegten Spiele nachgeholt bekommen. Als Profiliga sind gerade in der ProA auch Spiele unter der Woche möglich.“ Noch sind die Rostocker aber von Spielabsetzungen oder Corona-Fällen im eigenen Team verschont geblieben. Mannschaft und Betreuerstab sind komplett durchgeimpft.

Lockdown? Jürgens bemerkenswert ehrlich

Wahrscheinlicher ist da die Möglichkeit einer Unterbrechung der Saison, eines Basketball-Lockdowns. In der Form, wie es kürzlich Helge Leonhardt, Präsident von Erzgebirge Aue, für den Fußball gefordert, aber von der DFL bereits eine Absage kassiert hat. „Es schreit niemand danach, dass wir das tun sollten. Aber ich denke, die Profi-Klubs, die die Lage überschauen, schließen das nicht mehr aus“, sagte André Jürgens, der dann noch bemerkenswert ehrlich ergänzte: „Selbst in einem drin spürt man aber schon, dass so ein Lockdown für einen gewissen Zeitraum jetzt eventuell helfen würde.“


Wie weit der Basketball davon noch entfernt ist, lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Situation im Bundesgebiet schwer sagen. In Sachsen trägt das Bundesliga-Team Chemnitz Niners bereits wieder Geisterspiele aus. „Das wäre für uns“, so Jürgens, „ohne Hilfen ein Graus.“