17. Februar 2021 / 15:23 Uhr

Seawolves, Hansa, Empor: MV-Trio auf dem Sprung nach oben

Seawolves, Hansa, Empor: MV-Trio auf dem Sprung nach oben

Sönke Fröbe/Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Ein Vulkan an der Seitenlinie: Seawolves-Startrainer Dirk Bauermann (63).
Ein Vulkan an der Seitenlinie: Seawolves-Startrainer Dirk Bauermann (63). © Gunnar Rosenow
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Trio mit Aufstiegsambitionen: Die Seawolves, der FC Hansa und der HC Empor wollen die Hansestadt Rostock und das Land Mecklenburg-Vorpommern sportlich wieder weiter nach vorn bringen. Die Chancen stehen gut.

In den 1980er Jahren war Empor Rostock sogar auf europäischer Bühne ein Handball-Schwergewicht. Damals schaute man bei Hansa Rostock mit Respekt auf die Erfolge des HCE. Die große Zeit der Fußballer kam nach der Wende, in den 90er Jahren und nach der Jahrtausendwende. Die beiden Traditionsvereine streben nach Jahren in den Niederungen der Drittklassigkeit die Rückkehr in die 2. Bundesliga an. Dort sind die Basketballer der Rostock Seawolves schon angekommen. Sie wollen ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben und träumen vom Aufstieg in die BBL, die 1. Basketball-Bundesliga.

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Seawolves: Traum von Duellen mit Bayern München und Alba Berlin

Die Seawolves haben zwar durch die Niederlage in Heidelberg die Tabellenführung in der 2. Basketball-Bundesliga ProA eingebüßt, sind aber weiter klar auf Play-off-Kurs. Vor der Saison habe man „in keinster Weise erwartet“, zu diesem Zeitpunkt so gut dazustehen, sagt Klubchef André Jürgens mit Verweis auf den komplett neu zusammengestellten Kader.

Trotz einiger Verletzungssorgen hat Startrainer Dirk Bauermann eine Mannschaft mit viel Teamspirit beisammen, die in der ProA-Spitze konkurrenzfähig ist. „Es gibt vier, fünf Teams, die auf Augenhöhe agieren und wahrscheinlich um den Aufstieg spielen werden. Wir sind froh, dass wir eins davon sind“, meint Jürgens und sieht die Seewölfe für das große Ziel gut gerüstet. „Weil wir einen so guten Kader haben, sind wir sehr nah dran am nächsten Schritt. Wir kuscheln geradezu mit der nächsthöheren Liga, aber wir wissen auch, wie weit dieser Weg noch ist.“ Nach dem Ende der Hauptrunde am 10. April ermitteln die ersten acht Mannschaften in den Play-offs (16. April bis 16. Mai) die beiden Aufsteiger in die BBL.

Mitte März beginnen die Lizenzierungsverfahren für BBL und ProA, die Seawolves planen zweigleisig. Was die Strukturen des Vereins angeht, sei man sehr gut aufgestellt, erklärt Jürgens: „Wir haben einen sehr guten Nachwuchsbereich, der alle Auflagen erfüllt. Auch in den Bereichen Marketing, Ticketing und Verwaltung haben wir Strukturen geschaffen, die erstligatauglich sind. Strukturell machen wir uns vor diesem letzten Schritt überhaupt keine Sorgen.“

Der Hauptfokus müsse darauf liegen, „viele Sponsoren mit auf die Reise zu nehmen, damit wir eine schlagkräftige Truppe für die 1. Liga aufbauen können“. Im Falle des Aufstiegs müssten die Seawolves ihren Etat um 20 bis 25 Prozent erhöhen und würden damit erstmals die Drei-Millionen-Euro-Grenze knacken. Hilfreich: In der BBL würden die Hansestädter rund 250 000 Euro aus dem Vermarktungsvertrag mit Rechteinhaber Telekom erhalten und damit denselben Betrag wie die Topklubs Alba Berlin und Bayern München. „In Person von Uli Hoeneß hat Bayern München dafür gesorgt, dass der Vertrag mit der Telekom zustande kommt. Der ist extrem fair gestrickt, jeder Bundesligist bekommt den gleichen Anteil“, erklärt Sportchef Jens Hakanowitz.

Wirtschaftlichen Druck aufzusteigen, habe der Verein nicht, sagt der Däne: „Die Uhr ist in Rostock nicht so eingestellt, dass wir im Sommer unbedingt aufsteigen müssen.“ Sportlich würde es im ersten BBL-Jahr ausschließlich darum gehen, die Klasse zu halten.“


Der Vertrag von Startrainer Dirk Bauermann würde sich automatisch verlängern, wenn die Seawolves das Play-off-Halbfinale erreichen. „Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Er hat ein Ziel, unser gemeinsames Ziel, da ist er mit Herzblut und Leidenschaft dabei“, sagt Hakanowitz und André Jürgens ergänzt: „Ohne ihn würden wir nicht da stehen, wo wir jetzt sind.“

Empor will Zweitligaaufstieg im dritten Anlauf schaffen

Sind aller guten Dinge drei? Nachdem Empor 2019 durch ein Phantom-Gegentor in letzter Sekunde aus allen Aufstiegsträumen gerissen und die Truppe von Trainer Till Wiechers ein Jahr später durch den coronabedingten Saisonabbruch gestoppt wurde, soll im dritten Anlauf der Sprung in die 2. Handball-Bundesliga gelingen.

Empor gehört zu den Topfavoriten, doch die lange Spielpause und der ungewisse Austragungsmodus werfen Fragen auf. Werden die beiden Aufsteiger durch Gruppen- und/oder Entscheidungsspiele ermittelt? Spielen bei der Auslosung regionale Aspekte eine Rolle? Werden die Favoriten gesetzt?

„Mein Wunsch ist, dass der gewählte Modus den Faktor Glück so gering wie möglich hält“, sagt Trainer Till Wiechers. Fest steht: Die Aufstiegsrunde soll im April und Mai ausgetragen werden – nach Möglichkeit mit Hin- und Rückspielen. Alternativ wäre ein Play-off-Modus (best of three) denkbar. „Das wäre richtig spannend“, meint Wiechers. Bei dieser Variante sei die Wahrscheinlichkeit, dass sich die bessere Mannschaft durchsetzt, am größten.

Alle Vereine, die in die 2. Liga aufsteigen wollen, müssen sich bis zum 1. März anmelden. Die Aufstiegsrunde könnte am 10. April beginnen. Das ist zumindest der Tag „auf den wir hintrainieren“, sagt Wiechers. „Das ist die gefühlt 36. Vorbereitungsphase“, fügt der 37-Jährige mit Blick auf den verspäteten Saisonstart und die Unterbrechung nach nur fünf Runden hinzu.

Er werde bereits in den kommenden Tagen mit dem Studium von möglichen Gegnern beginnen, kündigt Wiechers an. „Es kann ja sein, dass wir in der Aufstiegsrunde innerhalb von zwei Tagen auf verschiedene Mannschaften treffen. Dann wäre es zu spät.“

Nach Lage der Dinge wird Empor seine Heimspiele in der Fiete-Reder-Sporthalle Marienehe austragen, „um Kosten zu sparen“, sagt der neue Geschäftsführer Stefan Güter (44). Er gehe davon aus, dass die Final-Spiele ohne Zuschauer stattfinden müssen. „Und dann macht es keinen Sinn, in die Stadthalle zu gehen.“ Trost für Handballfans: Alle Partien werden bei handball-deutschland.tv live übertragen.

So gut stand Hansa zuletzt in der Aufstiegssaison da

Den Sprung auf einen direkten Aufstiegsplatz hat Hansa am Wochenende bei 1860 München erst mal verpasst, aber nach 24 Spieltagen (zwei Nachholspiele stehen für die Rostocker noch aus) steht der Klub als Tabellendritter aktuell so gut da wie zuletzt in der Aufstiegssaison 2010/11, als Hansa unter Trainer Peter Vollmann und Sportchef Stefan Beinlich die sofortige Rückkehr in die 2. Liga schaffte. Seitdem haben sich die wechselnden Klubverantwortlichen dieses Ziel immer wieder auf die Fahnen geschrieben – und es bisher immer verfehlt.

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Unter dem seit Januar 2019 amtierenden Cheftrainer Jens Härtel ist mehr Konstanz eingekehrt. In den ersten beiden Anläufen mit dem Sachsen klappte es nicht mit dem Aufstieg (jeweils Platz 6), im dritten soll er nun endlich gelingen. Dafür hat Hansa seinen Kader in der Winterpause mit vier zweitligaerfahrenen Spielern aufgerüstet, und das soll sich auszahlen. „Jedem ist bewusst, dass die Chancen nicht kleiner geworden sind. Die Jungs kommen auch nicht her, um ewig dritte Liga zu spielen“, sagt Härtel. Wirtschaftlich würde der FC Hansa, der das Ostseestadion möglicherweise in diesem Jahr an die Stadt Rostock verkaufen wird, enorm profitieren. Die Fernseheinnahmen in der 2. Liga würden um ein Vielfaches (etwa 8-9 Mio. Euro) steigen.