09. März 2018 / 13:03 Uhr

Ex-Werder-Torwart Sebastian Mielitz im Interview: In Dänemark hat er wieder Spaß

Ex-Werder-Torwart Sebastian Mielitz im Interview: In Dänemark hat er wieder Spaß

Eric Zimmer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sebastian Mielitz spielt seit Sommer 2017 für SönderjyskE in Dänemark.
Sebastian Mielitz spielt seit Sommer 2017 für SönderjyskE in Dänemark. © imago
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Der ehemalige Keeper des SV Werder Bremen ist mittlerweile bei SønderjyskE in Dänemarks Super Liga angekommen. Mit unserem Reporter Eric Zimmer sprach der 28-Jährige über Bremen, die turbulenten letzten Jahre seiner Karriere und den Umgang mit Kritik.

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Sebastian Mielitz ist gleich da. „Bin eben über die Grenze“, lässt der 28-Jährige wissen. Seit dem vergangenen Sommer ist Mielitz Fußball-Pendler, spielt in Dänemark für SønderjyskE in Haderslev. Dick eingepackt betritt der Torwart ein paar Minuten später sein Zwischenziel, ein Café im an diesem Tag eiskalten Flensburg. Mielitz kommt gerade vom Training, muss aber noch weiter – nach Hause zu seiner kleinen Familie. Aber vorher erzählt er über seine Karriere, die nicht wie im Bilderbuch verlief – aber in der er mit sich „im Reinen“ ist, wie er sagt, im hohen Norden „wieder Spaß“ am Fußball hat.

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SPORTBUZZER: Herr Mielitz, Sie spielen seit acht Monaten für SønderjyskE – 1. Liga in Dänemark. Wie geht es Ihnen dort?

Sebastian Mielitz: Es macht mir Spaß. Nach den verlorenen sechs Monaten in Fürth war es mir wichtig, wieder auf einem vernünftigen Niveau spielen zu können. Hier werde ich gebraucht, Fußball macht mir wieder Spaß.

Unseren Kaffee trinken wir aber in Flensburg. Sie wohnen nicht in Dänemark?

Nein. Wir (Mielitz, seine Freundin und der gemeinsame Sohn, d. Red.) wohnen in der Nähe von Flensburg. Ich pendele jeden Tag. Für die Familie ist es komfortabler, in Deutschland zu wohnen.

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Klingt nach einer guten Lösung. Hätte es auch anders kommen können?

Ich hätte in Deutschland spielen können – auch in der 2. Liga. Ins andere Ausland hätte ich auch gehen können. Aber mir ging es um die Perspektive. Ich wollte einen Verein finden, der auf mich setzt. Die Chance zu spielen habe ich in Dänemark einfach am größtmöglichen gesehen. Und bislang sind sie dort sehr zufrieden mit mir.

Sie haben über 60 Spiele für Werder Bremen absolviert, 2014 mussten Sie dann gehen – nach neun Jahren im Klub. Sie waren dann Ersatz in Freiburg, gingen in die 2. Liga nach Fürth und wurden dort in die Reserve abgeschoben. Wie konnte das passieren?

Ja – wie konnte das passieren? Ich konnte einige Entscheidungen nicht beeinflussen. Da kommt ein neuer Sportdirektor, ein neuer Trainer ... Und wenn die nicht mit dir planen, dann ist das so. Wie in Fürth. Ich wollte mich durchbeißen. Ich war die Nummer eins, bin keiner, der ohne Kampf seinen Stuhl räumt. Die Möglichkeit zum Kampf wurde mir dort aber gar nicht mehr gegeben.

Es kam nie der Gedanke, hinzuwerfen?

Im Fußball denkt man immer, dass es weitergeht. An diesen Strohhalm habe ich mich geklammert. Ich habe, als man mich in Fürth quasi des Feldes verwiesen hatte, mein Training durchgezogen. Und als der Tag mit dem Wechsel nach Dänemark kam, war ich auf den Punkt fit.

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Wie blicken Sie auf die Zeit in Bremen zurück?

Noch immer mit einem weinenden Auge – das sage ich immer ganz offen. Werder ist mein Verein. Aber die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern, deshalb sollte man sie auch ruhen lassen. Ich bin ein positiv denkender Mensch, freue mich einfach über meine neuen Aufgaben. Ich muss mich ja inzwischen auch um eine kleine Familie kümmern. Und unser Sohn fordert uns ganz gut. (lacht)

In Bremen haben Sie viel Kritik einstecken müssen.

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Ich musste mir ein dickes Fell zulegen. Ich habe visualisiert, was so berichtet wurde. Das war nicht schön, aber es ist Teil des Berufs.

Bekommt man speziell als Torwart noch mehr kritische Stimmen ab?

Der Torwart ist halt der Letzte in der Kette. Da hat man manchmal seine Last zu tragen. Aber: Für mich ist das der schönste Beruf. Ich habe mein Hobby zum Job machen können und habe daran noch immer große Freude.

​"Ich habe Tim Wiese immer gemocht, weil er sien Ding durchgezogen hat"

Sie sind in Bremen auf keinen geringeren als Tim Wiese gefolgt. Eine große Aufgabe.

Tim war ein spezieller Typ. Ich habe ihn eigentlich immer gemocht, weil er sein Ding durchgezogen hat. Er war ein guter Torwart, gehörte ja auch zum Kreis der Nationalmannschaft. Werder ließ ihn ziehen und hat mich dafür zur Nummer eins gemacht. Das war schon ein sehr großer Vertrauensbeweis. Aber da hatte ich mit Thomas Schaaf auch noch einen Trainer, der tausendprozentig auf mich gebaut hat.

Aber dann kamen Trainer Robin Dutt und Thomas Eichin als Geschäftsführe

Wenn die Ergebnisse nicht mehr stimmen, ist der Torwart halt manchmal das erste Glied, das ausgewechselt wird. Es ist eine Ellenbogengesellschaft, jeder ist sich selbst der Nächste. Das habe ich schmerzlich erfahren müssen. Aber ich komme damit klar, bin mit mir im Reinen.

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Nach Ihnen standen fünf Keeper im Werder-Tor, Jiri Pavlenka ist der sechste. Wie beobachten Sie ihn?

Werder steht defensiv gut. Aber es ist Abstiegskampf. So tief da unten stand ich mit Werder nicht. Aber Pavlenka macht einen guten Job, ist wichtig für die Mannschaft. Und Werder hat jetzt mit Florian Kohfeldt, Tim Borowski und Thomas Horsch ein gutes Trainergespann – die kenne ich alle. Und die werden das schon hinbekommen.