30. März 2019 / 06:15 Uhr

Exklusiv: Sebastian Vettel im Interview über den Ferrari-Fehlstart und seine neue Ruhe

Exklusiv: Sebastian Vettel im Interview über den Ferrari-Fehlstart und seine neue Ruhe

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sebastian Vettel will mit Ferrari den WM-Titel holen.
Sebastian Vettel will mit Ferrari den WM-Titel holen. © Verwendung weltweit
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Sebastian Vettel will in der Formel 1 den Titel: Mit dem SPORTBUZZER hat der Ferrari-Star über den Umgang mit Kritik, die Zuversicht in sein neues Auto und die Familie als Psychologen gesprochen. Der vierfache Weltmeister sagt: "Ich muss nur mir selbst etwas beweisen."

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Sebastian Vettel hat gute Laune: Hier ein Spruch zum dicken Journalistennotizbuch, das beim Interview in seinen Blick fällt, dann ein Meinungsaustausch zum Brexit. Doch natürlich geht es im Gespräch mit ihm um das zweite Formel-1-Rennen der Saison in der Wüste Bahrains (Sonntag, 17.10 Uhr, RTL). Und auch da gibt sich der 31-jährige Hesse locker und gesprächig.

Vettel: "Wir haben so eine lange Saison vor uns, da ist das erste Rennen noch nicht so entscheidend"

Herr Vettel, Sie wirken fast so wie zu Beginn ihrer Red-Bull-Jahre, sehr relaxt, zuversichtlich. Selbst nach der Enttäuschung von Melbourne hatte man nicht den Eindruck, Sie seien extrem niedergeschlagen – so, als wüssten sie, dass sie dieses Jahr ein Auto haben, mit dem sie um den Titel kämpfen können.

Das Auto fühlte sich beim Testen in Barcelona wirklich sehr gut an, aber in Australien habe ich dieses Gefühl nie gehabt. Auch wenn der vierte Platz sicher nicht das war, was wir uns vorgestellt hatten, habe ich mir noch keine zu großen Sorgen gemacht. Vierter ist immer noch besser als Zehnter oder gar keine Punkte. Die Zukunft wird es zeigen. Ja, ich bin ziemlich entspannt, aber das heißt natürlich nicht, dass es mir egal wäre. Aber wir haben so eine lange Saison vor uns, da ist das erste Rennen noch nicht so entscheidend.

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Die letzte Saison war nicht einfach für Sie, da gab es Misserfolge, ein paar Fehler, viel Kritik. Haben sie über den Winter irgendetwas Besonderes gemacht, um damit umzugehen? Es gibt ein Gerücht, Sie hätten mit einem Psychologen gearbeitet.

Ich glaube, man muss kein Genie sein, um zu wissen, dass die ganze Atmosphäre im Team letztes Jahr zeitweise ziemlich angespannt war. Bis zur Sommerpause war noch alles okay, aber dann, speziell mit Monza, begannen die Probleme. Das war ein schlimmes Rennen (Vettel kollidierte in der ersten Runde mit WM-Rivale Lewis Hamilton und fiel ans Ende des Feldes zurück, Anm. d. Red.), da hätten wir viel mehr herausholen können. Danach haben wir auch in der Entwicklung des Autos die Richtung verloren und zu lange gebraucht, bis wir wieder auf den richtigen Weg gekommen sind. Damit sind auch die Spannungen angestiegen, und es war für alle, auch für mich, kein so erfreuliches Arbeiten, wie es vielleicht sein sollte. Und dann kommt halt auch noch dazu, dass heute immer nur der Erste zählt.

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Aber nicht nur in der Formel 1, oder?

Ja. Nehmen wir einen 100-Meter-Lauf. Da läuft der Erste in 9,85 ins Ziel, was eine tolle Zeit ist, der Zweite mit 9,87, was ja auch noch stark ist, und der Dritte mit 9,91, immer noch sehr gut. Aber um den Dritten kümmert sich schon keiner mehr, der Zweite gilt bereits als Verlierer – und nur der Erste sahnt alles ab. „The Winner Takes It All.“ Und die Formel 1 ist in dieser Beziehung eben ganz extrem. Natürlich will ich gewinnen, zusammen mit diesem Team. Aber es kann eben nur einer gewinnen. Und Lewis und Mercedes haben uns letztes Jahr fair geschlagen, und wir sind Zweiter geworden. Wir haben verloren, das stimmt, aber wir waren ja trotzdem nicht extrem schlecht. Aber wir haben uns auch selbst so behandelt, als wären wir das gewesen. Vielleicht versuche ich jetzt, das ein bisschen anders anzugehen.

"Was immer ich noch beweisen muss, muss ich nur mir selbst beweisen"

Sie selbst haben nichts geändert?

Nein, ich weiß auch nicht, wo die Gerüchte etwa mit dem Psychologen herkamen. Nicht falsch verstehen: Ich finde es absolut nicht negativ, mit Psychologen zu arbeiten, das sind Spezialisten – und man muss dafür nicht krank sein oder massive Probleme haben, um zu ihnen zu gehen. Aber ich glaube auch, wenn man das entsprechende Umfeld hat, ein intaktes Familien- und Privatleben, dann hat man so was wie seine eigenen Psychologen rund um sich. Dann bekommt man die entsprechenden kleinen Hinweise oder manchmal auch Warnungen schon ganz automatisch – man muss nur darauf hören.

Lässt die manchmal unberechtigte Kritik Sie komplett kalt? Es ging ja jetzt in Italien schon wieder los. Vergangenes Jahr warf man Ihnen vor, zu aggressiv zu sein, jetzt hieß es, sie hätten sich gegen Verstappen in Australien zu wenig verteidigt.

Ich verfolge das kaum – deshalb kann ich sagen, dass es mich nicht besonders berührt. Zeitweise habe ich ein bisschen mehr gelesen – aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass mir das nicht hilft. Es macht mich nicht schneller oder besser, es erweitert meinen Horizont nicht. Da lese ich lieber was anderes. Was immer ich noch beweisen muss, muss ich nur mir selbst beweisen. Nicht irgendwelchen anderen Leuten, vor allem nicht denen, die ich überhaupt nicht kenne.

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