12. Mai 2020 / 12:27 Uhr

Kommentar zum Ferrari-Aus: Sebastian Vettel ist beim Traditionsteam gescheitert 

Kommentar zum Ferrari-Aus: Sebastian Vettel ist beim Traditionsteam gescheitert 

André Batistic
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Laut SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic ist Sebastian Vettel bei Ferrari gescheitert. 
Laut SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic ist Sebastian Vettel bei Ferrari gescheitert.  © imag/Montage
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Jetzt ist es also offiziell: Sebastian Vettel und Ferrari gehen am Saisonende, wann auch immer dies wegen der Corona-Krise sein wird, getrennte Wege. Für SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic ist der beim Traditionsrennstall titellos gebliebene Vettel gescheitert.

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Wenn Sie einen deutschen Formel-1-Fahrer nennen sollen, der für Ferrari mindestens ein Rennen gewonnen hat – an wen denken Sie zuerst? Möglicherweise eher an Michael Schumacher, den siebenfachen Weltmeister (davon fünf Titel mit Ferrari von 2000 bis 2004), als an den aktuellen Ferrari-Piloten Sebastian Vettel? Wenn Sie sich ertappt fühlen, können Sie in etwa die Bürde nachfühlen, die sich Vettel seit seinem Wechsel zu DEM Traditionsrennstall der Motorsport-Königsklasse 2015 selbst auferlegt hat. Dem viermaligen Champion (alle Titel mit Red Bull 2010 bis 2013) war klar, dass er sich am in Italien heilig gesprochenen Schumi messen lassen muss. Jetzt, wo Vettels Vertrag bei Ferrari zum Saisonende ausläuft und nicht verlängert wird, muss man zum Schluss kommen, dass Schumachers Schatten einfach zu groß warund Vettel bei Ferrari gescheitert ist.

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Während Schumacher bei seinem Wechsel von Benetton zu Ferrari 1996 eine Chaos-Truppe vorfand – deren Autos damals teilweise auf der Strecke von sich aus auseinanderfielen – und diese daraufhin komplett hinter sich brachte und nach seinen Wünschen zu einer der dominantesten Mannschaften der F1-Geschichte formte, unterschrieb Vettel als Nachfolger des Spaniers Fernando Alonso bereits bei einem potenziellen Sieger-Team. Doch Vettel schaffte es in den Jahren darauf trotzdem nicht, das zu werden, wovon er als Kind immer geträumt hatte: Weltmeister in Rot, Weltmeister im Ferrari.

Vettel fehlte die Mentalität und die Reife

Und das vor allem aus einem Grund: Dem 32-Jährigen fehlte einfach die Mentalität, die Reife, die Schumacher auf und neben der Strecke ausmachte. Der Charakter und die Führungsstärke, die eben einen vierfachen von einem siebenfachen Weltmeister trennen. Während die Italiener Schumi nahezu jeden Wunsch von den Lippen ablasen und auf Schumachers Wort sämtliche Ingenieure oder gar den Papst ausgetauscht hätten, schaffte es Vettel nie, ein echter Team-Leader zu sein.

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Der erste Formel-1-Weltmeister wird 1950 <b>Giuseppe Farina</b>. Der Alfa-Romeo-Fahrer triumphierte knapp vor seinem Teamkonkurrenten Juan Manuel Fangio. Auf dem Foto ist der Italiener beim ersten jemals gefahrenen Grand-Prix am 13. Mai 1950 in Silverstone, Großbritannien, zu sehen. In der Saison wurden gerade einmal sieben Rennen gefahren, die in die Wertung zählen konnten. Tatsächlich gezählt wurden, dank der sogenannten Streichresultate (existent bis 1990), aber nur die besten vier Ergebnisse der Fahrer. Zur Galerie
Der erste Formel-1-Weltmeister wird 1950 Giuseppe Farina. Der Alfa-Romeo-Fahrer triumphierte knapp vor seinem Teamkonkurrenten Juan Manuel Fangio. Auf dem Foto ist der Italiener beim ersten jemals gefahrenen Grand-Prix am 13. Mai 1950 in Silverstone, Großbritannien, zu sehen. In der Saison wurden gerade einmal sieben Rennen gefahren, die in die Wertung zählen konnten. Tatsächlich gezählt wurden, dank der sogenannten Streichresultate (existent bis 1990), aber nur die besten vier Ergebnisse der Fahrer. ©

Klar ist aber auch: Vettel scheiterte bei Ferrari auch an sich selbst. 2017 hätte er im schnellsten Auto des Feldes mit zwischenzeitlich riesigem WM-Vorsprung vor Lewis Hamilton Weltmeister werden müssen. Doch mentale Ausfälle wie der Rammstoß gegen Hamilton in Baku hinter dem Safety-Car (!) warfen das zuvor mühsam aufgebaute Vertrauen des Teams immer wieder zurück.

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Ein Deutscher in einem roten Auto? Das werden wir in absehbarer Zeit eher auf deutschen Autobahnen als in der Formel 1 erleben. Die deutsche Boom-Zeit in der Königsklasse ist vorbei. Aus zwischenzeitlich sieben deutschen Piloten gleichzeitig im Feld könnten mit einem Karriereende von Vettel im Jahr 2021 plötzlich null werden. Neue Schumachers braucht das Land: Mit Mick (Sohn von Michael und aktueller Formel-2-Fahrer) und David (Sohn von Ralf, Formel 3) steht die nächste Generation immerhin schon in den Startlöchern.