28. Juli 2019 / 08:22 Uhr

Ferrari-Fiasko um Sebastian Vettel: Rücktritt oder Team-Wechsel zu Red Bull?

Ferrari-Fiasko um Sebastian Vettel: Rücktritt oder Team-Wechsel zu Red Bull?

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sebastian Vettel steckt bei Ferrari in der Sackgasse. Wird er den Rennstall verlassen?
Sebastian Vettel steckt bei Ferrari in der Sackgasse. Wird er den Rennstall verlassen? © imago images / Eibner
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Ausgerechnet vor dem Heim-Grand-Prix in Hockenheim stellt sich mehr denn je die Frage nach der Zukunft von Formel-1-Star Sebastian Vettel. Das Qualifying geriet zum vorläufigen Tiefpunkt der Zusammenarbeit, die scheinbar zum Scheitern verurteilt ist. Vettel muss nun seine Optionen abwägen.

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Vor genau einem Jahr, mit dem fatalen Ausrutscher in Hockenheim, begann für Sebastian Vettel eine Negativserie, aus der er derzeit nur schwer wieder herausfindet. Wobei neben den technischen Problemen mit seinem Ferrari, der immer weniger zu seinem Fahrstil passt, je mehr daran entwickelt wird, auch noch andere Punkte eine Rolle spielen: Vettel spürt immer mehr, dass die heutige Formel 1 nicht mehr die seine ist, dass er sich nicht mehr wirklich wohlfühlt – und das ausgerechnet vor dem Heimrennen am Hockenheimring (Sonntag, 15.10 Uhr, RTL und Sky).

Das Qualifying zum Großen Preis von Deutschland geriet nur wenige Kilometer von seinem Heimatort Heppenheim zum vorläufigen Tiefpunkt der schwierigen Beziehung zwischen Vettel und Ferrari. Wegen eines technischen Problems konnte der 32-Jährige trotz guter Trainings-Eindrücke keine einzige Runde fahren, muss von 20. und letzten Platz ins Rennen gehen. Ein Debakel, zumal ausgerechnet Vettels langjähriger Rivale Lewis Hamilton einmal mehr der lachende Dritte war - wie schon in Kanada, als Vettel wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe den sicher geglaubten ersten Saisonsieg an den Briten verlor. Die Saison 2019, die in der Vorbereitung so vielversprechend begonnen hatte, wird für Vettel zum Totalschaden. Kein Wunder, dass allmählich die Frage aufkommt: Wie lange tut er sich das alles noch an?

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Dass Vettel sich aktuell nicht wohlfühlt, ist eindeutig

Red-Bull-Motorsportkoordinator Dr. Helmut Marko analysiert die Vettel-Situation in Sachen Fehlerquote, die es ja in der Red-Bull-Zeit des viermaligen Weltmeisters so nie gab, aus seinen eigenen Erfahrungen: „Du musst dich wohlfühlen. Wenn du dich nicht wohlfühlst, dann leidet das Selbstbewusstsein, und dann laufen im Unterbewusstsein gewisse Prozesse, Reaktionen, Reflexe – um die es ja bei solchen Zehntelsekundenentscheidungen geht – falsch.“

Dass Vettel sich aktuell nicht wohlfühlt, ist eindeutig. Bei Ferrari nicht – aus verschiedenen Gründen. Vor allem, weil er merkt, dass vieles nicht in seine Richtung läuft. Die Änderungen am Auto kommen seinem Fahrstil immer weniger entgegen. In Hockenheim kamen nun auch noch technische Probleme hinzu. Es sieht danach aus, dass man eher den Wünschen von Teamkollege Charles Leclerc entgegenkommt. Vettel spürt, dass der politische Einfluss von Leclerc-Manager Nicolas Todt, mit Vater Jean, dem Fia-Präsidenten im Hintergrund, Wirkung zeigt. Und dass Teamchef Mattia Binotto, bei allen öffentlichen Bekenntnissen zum viermaligen Weltmeister, nicht stark genug scheint, sich dagegenzustellen.

"Sebastian braucht die Nestwärme - anders als Michael Schumacher"

Jonathan Wheatley, der Teammanager von Red Bull, der nicht nur dort mit Vettel, sondern im Laufe seiner Karriere anderswo auch schon mit Michael Schumacher und Fernando Alonso gearbeitet hat, betont: „Jeder Fahrer ist anders. Schumacher und Alonso war völlig egal, wie die Stimmung im Team war, ob sie gemocht wurden. Die haben auch im Hintergrund heftig Politik gemacht, um ihre Interessen durchzusetzen. Sebastian ist anders, er braucht die Nestwärme, ist sehr sensibel. Das sieht man auch an anderen Dingen. Wie er mit seiner Frau und seinen Kindern umgeht. Oder wenn jemand so eine Rede schreiben und halten kann wie die zum Gedenken an Charlie Whiting.“

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Wobei gerade der Umgang mit dieser Rede ein gutes Beispiel dafür ist, warum sich Vettel auch generell in der heutigen Formel 1 nicht mehr wohlfühlt: Die Absprache war gewesen, dass Vettels Rede für einen internen Gedenk-Event und privat sei. Die Medien hielten sich daran. Bis die Formel-1-Verantwortlichen selbst das Video online stellten. Fahrer, die neben der Strecke nur noch Marionetten sind, dazu ein technisches Reglement, das durch Benzin- und Reifenlimitierungen, zusammen mit den sehr schweren Autos, im Rennen oft viel zu viel Kalkulieren statt Fahren am Limit erfordert – dazu die vielen Diskussionen über Strafen in den letzten Jahren: Oft genug hat Vettel relativ deutlich gesagt, wie sehr ihm all das die Freude an der Formel 1 raubt.

Ist ein Teamwechsel eine Option? Eine Spur führt zu Red Bull

Bleibt die Frage nach den Konsequenzen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff glaubt: „Vettel wird sich aus dieser Grube wieder herauskämpfen.“ Von einem Rücktritt vor Vertragsende 2020 will auch der Heppenheimer nichts wissen. Das Danach lässt er allerdings offen – vor allem, weil noch nicht klar ist, ob die neuen Regeln ab 2021 an vielen der von ihm kritisierten Punkte wirklich Besserung bringen werden.

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Der Ferrari-Vertrag steht auch einem vorzeitigen Teamwechsel im Weg, der vielleicht helfen könnte. Aber manchmal lässt sich ja an Verträgen etwas drehen. Timo Glock, Ex-F1-Pilot und Vertrauter von Vettel, hält einen Wechsel für eine denkbare Lösung: „Ja, das glaube ich schon, das hat man schon oft gesehen.“ Zum Beispiel bei Lewis Hamilton, der 2013 zu Mercedes ging und viermal Weltmeister wurde. Heißeste Spur: eine Rückkehr zu seinem früheren Weltmeisterteam Red Bull Racing.

Hier abstimmen: Was sollte Sebastian Vettel jetzt machen?

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