18. Mai 2020 / 10:49 Uhr

Verwirrspiel um Sebastian Vettel: Darum könnte der Formel-1-Star nach dem Ferrari-Aus leer ausgehen

Verwirrspiel um Sebastian Vettel: Darum könnte der Formel-1-Star nach dem Ferrari-Aus leer ausgehen

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sebastian Vettel verlässt Ferrari nach dieser Saison - und dann? Ein Inside-Report des <b>SPORT</b>BUZZER bringt etwas Licht ins Dunkel.
Sebastian Vettel verlässt Ferrari nach dieser Saison - und dann? Ein Inside-Report des SPORTBUZZER bringt etwas Licht ins Dunkel. © Getty
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Sebastian Vettel war und ist ein Thema bei mehreren Formel-1-Teams. Am Ende eines großen Pokerspiels könnte der Heppenheimer nach dem Ferrari-Aus trotzdem leer ausgehen – ein Inside-Report.

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Sebastian Vettel könnte sich fast geehrt fühlen: Zwei Formel-1-Teams versuchen derzeit einiges, um zu vertuschen, dass sie von ihm einen Korb bekommen haben. Ein hochrangiger Ferrari-PR-Mann ruft Journalisten an, um ihnen "ganz privat" mitzuteilen, dass Ferrari schon im Winter entschieden habe, den Vertrag mit Vettel nicht zu verlängern. Pech nur, dass Ferrari-Teamchef Mattia Binotto nicht nur in vielen Interviews seitdem immer wieder betonte, Vettel sei die Nummer eins auf der Wunschliste, sondern auch noch zwei Wochen vor der Trennung einem früheren Ferrari-Manager anvertraute, er werde Vettel einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag anbieten.

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Und bei McLaren heißt es offiziell, Vettel sei nie wirklich ein Thema gewesen, es sei immer nur um Carlos Sainz jr. oder Daniel Ricciardo gegangen. Selbst der deutsche Teamchef Andreas Seidl folgte kürzlich in einem TV-Interview mehr oder weniger überzeugend dieser Linie von McLaren-CEO Zak Brown. Ob nun aus Sorge, sich mit seinem Chef anzulegen, oder vielleicht auch, um Neuzugang Ricciardo nun nicht wie die "zweite oder dritte Wahl" aussehen zu lassen.

Was lief zwischen Vettel und McLaren?

Was allerdings wirklich ablief, sieht etwas anders aus: Vettel und Seidl, sein guter Kumpel aus alten BMW-Zeiten, standen seit letztem Sommer, kurz nachdem Seidl Anfang Mai als McLaren-Teamchef von Porsche zurück in die Formel 1 kam, in engem Kontakt. Und natürlich ging es dabei auch um die Idee, eventuell gemeinsam beim englischen Traditionsteam eine neue Erfolgsära einzuläuten. Nicht von ungefähr lancierte Timo Glock, Vettels hessischer Rennfahrerfreund, seit Herbst letzten Jahres mehr als einmal, dass er sich dessen Zukunft gut bei McLaren vorstellen könnte.

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Sebastian Vettel und seine Saison 2019: Er wollte Weltmeister werden und erlebte ein Jahr zum Vergessen. Der SPORTBUZZER zeichnet das Vettel-Jahr in Bildern nach. ©

Bis zum frühen Montag letzter Woche war auch Seidl zuversichtlich, dass dies jetzt, nachdem sich Vettel von Ferrari getrennt hatte, klappen könnte. Allerdings musste sich der Heppenheimer schnell entscheiden. Denn parallel liefen – vor allem über Zak Brown, Verhandlungen mit Ricciardo. Und dort drängten Vertragsklauseln über dessen problemlosen Weggang von Renault. Am späten Nachmittag sagte Vettel bei Seidl, der in Sachen Fahrerfrage bei McLaren die Entscheidungshoheit hat, ab. Mit der Begründung, er wolle in seinem Alter nicht mehr zwei bis drei Jahre mit Aufbauarbeit bis zum möglichen großen Erfolg warten. Er pokere jetzt doch lieber auf "das Topteam".

Vettels Pokerspiel ist riskant

Das Topteam ist Mercedes – offenbar bekam Vettel von dort kurzfristig den Hinweis, dass es für ihn doch eine Chance gebe, 2021 im Silberpfeil zu fahren. Die Aufbauzeit bei McLaren war ihm ja vorher bekannt – also nicht wirklich ein Argument. Ob der Wink mit dem Zaunpfahl von Mercedes-Teamchef Toto Wolff kam oder aus noch höheren Konzernkreisen, ist Spekulation. Genauso wie die Frage, ob Vettels Pokerspiel aufgehen wird oder er am Ende des Jahres dann doch mangels Alternativen aufhören muss.

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Denn die Lage bei Mercedes ist unklar. Das Formel-1-Engagement des Konzerns steht angesichts von Nachhaltigkeitsfragen und Sparmaßnahmen intern auf dem Prüfstand, mit Corona erst recht. Ein Verkauf des Teams scheint möglich – Lawrence Stroll, der kanadische Multimilliardär, dem auch Racing Point gehört, soll interessiert sein. Allerdings könnte Vorstandschef Ola Källenius auch so denken: 2021 kann man in der Formel 1 noch einmal recht günstig mitfahren. Es gilt die Kostenobergrenze, die diesjährigen Autos können noch mal verwendet werden – eine längerfristige Verpflichtung besteht nicht. Mit einer Fahrerpaarung Lewis Hamilton und Sebastian Vettel ließe sich da theoretisch noch einmal der maximale PR-Effekt zum minimalen Preis mitnehmen. Und Wolff legte im ORF sogar nach: "Der Sebastian ist natürlich jemand, der wirklich gut ist", sagte er.

Vettels Zukunft bleibt dennoch zunächst unklar. Genauso die Antwort auf die Frage, wie das alles bei einem Verkauf des Teams aussähe, ob Stroll dann nicht auf seinem Sohn Lance neben Hamilton bestehen würde. Oder, selbst wenn es klappen würde: Wie Vettel an der Seite des sechsmaligen Weltmeisters aussehen würde. Dass er es sich selbst zutraut, neben Hamilton bestehen zu können, ist allerdings keine Frage. Würde er nicht so denken, wäre er kein Rennfahrer geworden.