26. Oktober 2018 / 06:22 Uhr

Sebastian Vettel: Das sind die Gründe für seine Krise in der Formel 1

Sebastian Vettel: Das sind die Gründe für seine Krise in der Formel 1

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sebastian Vettel liegt in der Formel-1-WM vor den letzten Rennen nahezu aussichtslos hinter Spitzenreiter Lewis Hamilton - trotz eigentlich starkem Ferrari. Wie konnte es zu Vettel-Krise kommen? Eine Analyse.
Sebastian Vettel liegt in der Formel-1-WM vor den letzten Rennen nahezu aussichtslos hinter Spitzenreiter Lewis Hamilton - trotz eigentlich starkem Ferrari. Wie konnte es zu Vettel-Krise kommen? Eine Analyse. © imago/Laci Perenyi
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Die Formel-1-WM ist für Sebastian Vettel längst gelaufen. Lewis Hamilton wird mit großer Sicherheit Weltmeister mit Mercedes. Doch wie kann er es schaffen, Ferrari in Zukunft so aufzustellen, dass es zum Titel reicht? Ein Blick hinter die Kulissen.

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Natürlich weiß Sebastian Vettel, dass Mercedes-Rivale Lewis Hamilton am Wochenende in Mexiko wohl endgültig seinen fünften WM-Titel feiern wird. Selbst wenn er am Sonntag (20.10 Uhr, RTL) gewinnen sollte, reicht Hamilton ein siebter Platz. „Wir werden versuchen, das Beste aus unserem Auto rauszuholen. Vielleicht können wir noch ein paar Sachen verbessern, mal sehen“, so die wenig zuversichtliche Aussage des Ferrari-Piloten.

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Das sagt Ex-Ferrari-Chef Ross Brawn zur Vettel-Krise

Um gegen Mercedes und Hamilton in Zukunft eine Chance zu haben, muss sich einiges ändern. Aber was? Das weiß Ross Brawn, der zusammen mit Michael Schumacher und Jean Todt die letzte ganz große Ferrari-Ära prägte. Er wolle Vettel nicht angreifen, sagt der 63-Jährige, aber die Fehler der letzten Zeit „scheinen kein Zufall mehr zu sein. Sie zeigen, dass er im Moment etwas neben der Spur ist. Ferrari sollte sich darauf fokussieren, einen Weg zu finden, das Talent von Sebastian voll auszuschöpfen. Man wird ja nicht grundlos viermaliger Formel-1-Weltmeister und Sebastian hat sicher nicht verlernt, zu gewinnen. Die Formel 1 ist ein fordernder Sport, indem Erfolg nur dann möglich ist, wenn alle Puzzlestücke passen“, sagt Brawn.

Und die passten eben zuletzt oft nicht. Was Brawn meint: Der Heppenheimer müsste bei Ferrari ein Umfeld finden, wie es damals Michael Schumacher in seinen Ferrari-Jahren hatte. Auch David Coulthard, Ex-McLaren-Pilot in den Zeiten von Ron Dennis, jetzt britischer TV-Experte, sagt deutlich: „Sebastian braucht eine Teamführung, die wie zu Schumacher-Zeiten mit Jean Todt und Ross Brawn voll hinter ihm steht und wo Politik keine Rolle spielt.“

Schumi forever: Die Karriere des Michael Schumacher in Bildern

Michael Schumacher - der größte deutsche Einzelsportler der Geschichte? Der Kerpener wurde bei Benetton, Ferrari und Mercedes zu einer Legende in der Formel 1. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeichnet seine Karriere nach. Zur Galerie
Michael Schumacher - der größte deutsche Einzelsportler der Geschichte? Der Kerpener wurde bei Benetton, Ferrari und Mercedes zu einer Legende in der Formel 1. Der SPORTBUZZER zeichnet seine Karriere nach. ©

Tod von Ferrari-Boss Marchionne löst Machtvakuum aus

Dass Vettel in dem bei Ferrari zeitweise herrschenden Chaos auch Fehler mache, sei kein Wunder, meinen nicht wenige, die Einblick in die Situation bei der Scuderia haben. Was auffällt: Seine Probleme häuften sich in der zweiten Saisonhälfte in dem Maße, in dem auch die innere Unruhe und die Fehler bei Ferrari zunahmen – eine Abwärtsspirale, in die man sich hinein drehte. Der Anfang? „Es besteht kein Zweifel, dass das Team durch den plötzlichen Tod von Anführer Marchionne unter Schock stand”, so die Analyse von Brawn. Im entstandenen Machtvakuum brachen dann die internen politischen Kämpfe aus – worunter schnell die allgemeine Performance litt.

Vettel selbst sagt zwar nicht öffentlich, dass er das Vertrauen in die derzeitige Führung von Ferrari verloren hat – aber andere bekommen es durchaus mit. RTL-Experte Timo Glock, wie Vettel ein Hesse und guter Kumpel des viermaligen Weltmeisters, erklärt die Probleme bei den Roten so: „Sebastian hat bei Ferrari noch nicht die Strukturen einführen können, wie sie Michael Schumacher hatte.“ In diesem Fall kann man sogar fast sicher sein: Glock gibt das wider, was Vettel ihm privat erzählt hat ...

Pressestimmen: Hohn und Spott für Sebastian Vettel - "Schwächelnder Pilot"

Sebastian Vettel enttäuschte in der zweiten Hälfte der Formel-1-Saison. Die Presse geht mit ihm hart ins Gericht. Der <b>SPORT</b>BUZZER hat die Medienreaktionen zusammengestellt. Zur Galerie
Sebastian Vettel enttäuschte in der zweiten Hälfte der Formel-1-Saison. Die Presse geht mit ihm hart ins Gericht. Der SPORTBUZZER hat die Medienreaktionen zusammengestellt. ©

Binotto als Arrivabene-Nachfolger: Die letzte Chance für Sebastian Vettel?

Die Frage ist, was nun die Führungsriege tun wird. Der Mann, der nach Sergio Marchionnes Tod im Sommer an der Spitze von Ferrari steht, ist John Elkann, der als Enkel des schon fast legendären früheren Fiat-Chefs Gianni Agnelli auch im Gesamtkonzern entsprechend vernetzt und einflussreich ist. Bis jetzt schien er sich relativ wenig einzumischen. Der als Ferrari-CEO eingesetzte Ex-Philip-Morris-Mann Louis Cammileri allerdings will, wenn man italienischen Quellen glaubt, seinen Kumpel, Teamchef Maurizio Arrivabene, unbedingt halten. Obwohl dessen Vertrag ausläuft und es so eigentlich relativ einfach wäre, das Grundproblem des Ganzen zu beseitigen. Man befördert Technikchef Mattia Binotto, wie das auch der alte Chef, Marchionne, vor seinem Tod im Sommer geplant hatte, und beendet so endlich den internen Machtkampf zwischen ihm und Arrivabene.

Das verdienen die Fahrer der Formel 1 2018

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Charles Leclerc (Sauber, Vertrag bis 2018) - Jahreseinnahmen: 120.000 Euro ©

Mit Binotto stünde endlich wieder einmal ein Techniker an der Spitze. Einer, der den Rennsport von der Pike auf kennt, der seit 1997 zum Rennteam von Ferrari gehört, als Renningenieur schon für Rubens Barrichello arbeitete. Ein ruhiger, sachlicher Arbeiter – und kein ehemaliger Marketing-Experte von Philip Morris, dem die Termine seiner Medienabteilung wichtiger sind. Wichtiger etwa als etwa klare Vorgaben in Sachen volle Unterstützung für Vettel im WM-Kampf oder in Richtung klarer Hierarchien etwa bei Strategie-Entscheidungen.

Ginge Binotto, weil er keine Lust mehr auf das Theater hat, wäre das für Ferrari wohl die schlechteste Lösung – und damit auch für Vettel. Der Schumacher-Plan, ein Team um Vettel wie zu Zeiten des siebenmaligen Weltmeisters, wäre damit gescheitert.