19. Juli 2022 / 15:08 Uhr

Tumor im Hoden: Was nach der Diagnose bei BVB-Stürmer Sebastien Haller bisher bekannt ist

Tumor im Hoden: Was nach der Diagnose bei BVB-Stürmer Sebastien Haller bisher bekannt ist

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sébastien Haller wurde ein Tumor am Hoden diagnostiziert.
Sébastien Haller wurde ein Tumor am Hoden diagnostiziert. © IMAGO/Kirchner-Media (Montage)
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Beim neuen BVB-Stürmer Sebastien Haller ist am Montag ein Tumor im Hoden entdeckt worden. Eine Diagnose, die bei Borussia Dortmund und in der gesamten Fußball-Welt Bestürzung und Mitgefühl auslöst. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über den aktuellen Erkenntnisstand, Reaktionen und Folgen.

Was ist über die Erkrankung von Sebastien Haller bisher bekannt?

Wie Borussia Dortmund am späten Montagabend mitteilte, klagte der Stürmer nach dem Training am Vormittag über Unwohlsein und wurde anschließend intensiv medizinisch untersucht. Dabei wurde bei dem ivorischen Nationalspieler ein Tumor im Hoden entdeckt. "Diese Nachricht heute war ein Schock für Sebastien Haller und uns alle. Die gesamte BVB-Familie wünscht Sebastien, dass er schnellstmöglich vollständig gesund wird und wir ihn bald wieder in die Arme schließen können. Wir werden alles in unserer Macht Stehende dafür tun, dass er die bestmögliche Behandlung erfährt", sagte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl.

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Wie sieht das weitere medizinische Vorgehen bei Sebastien Haller aus?

Haller verließ das Trainingslager der Dortmunder in Bad Ragaz/Schweiz umgehend. Der BVB kündigte an, dass es in den "kommenden Tagen weitere Untersuchungen in einem spezialisierten medizinischen Zentrum" gebe und man anschließend in Absprache mit dem Spieler über weitere Erkenntnisse informieren werde. Klar ist: Angesichts der ersten Diagnose wird der Fußball zur Nebensache. Fragen über die genaue Ausfalldauer des Zugangs oder Spekulationen über das Ausmaß der Erkrankung verbieten sich. Hallers Genesung steht über allem und genießt absolute Priorität.

Was sagt Sebastien Haller?

Der Angreifer meldete sich am Dienstagvormittag bei Instagram zu Wort. "Ich möchte euch von ganzem Herzen für all die vielen herzlichen Nachrichten danken, die ich erhalten habe", schrieb der 28-Jährige: "Ich war sehr bewegt, diese schönen Reaktionen zu sehen, und ich habe sogar das Gefühl, dass ich nicht so viel verdiene." Und weiter: "Aber ich weiß, dass es dank euch nur eine weitere Prüfung auf unserem Weg sein wird. Bis bald auf dem Platz, um unsere nächsten Siege zu feiern." Er wolle sich jetzt auf seine "Genesung konzentrieren, um stärker zurück zu kommen".

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Gab es in der Bundesliga bereits ähnliche Fälle?

Ja. Erst in der vergangenen Woche war bei Marco Richter von Hertha BSC ein Tumor im Hoden, der operativ entfernt werden muss, diagnostiziert worden. Im vergangenen Mai war der vom VfB Stuttgart an Union Berlin ausgeliehene Timo Baumgartl betroffen. Nach erfolgreicher Operation und einer Chemotherapie äußerten sich die Köpenicker zuletzt hoffnungsvoll, dass der 26-Jährige seine Reha ab August bei seinem Klub fortsetzen kann. Marco Russ, damaliger Abwehrspieler von Eintracht Frankfurt, hatte die Diagnose im Mai 2016 erhalten. Russ besiegte die Krankheit und gab im Februar 2017 ein emotionales Comeback.

Sieht der Medizincheck eine Krebsdiagnostik vor?

Der in den Statuten vorgeschriebene alljährliche Medizincheck sieht im deutschen Profifußball keine Krebsdiagnostik vor. Das geht aus der Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (DFL) hervor. Dort heißt es auf Seite 15: "Für die Erfüllung der personellen und administrativen Kriterien ist es erforderlich, dass der Bewerber sich verpflichtet, jährlich zu Beginn des Spieljahres und bei Transfers während eines Spieljahres für die Restlaufzeit der Saison die Sporttauglichkeit sämtlicher auf der Spielberechtigungsliste aufgeführten Spieler nach einer vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchung auf orthopädischem und kardiologisch-internistischem Gebiet nachzuweisen, wobei der Nachweis der Sporttauglichkeit vom Bewerber, vom beauftragten Arzt und vom Spieler gemeinsam zu unterzeichnen ist."

Was bedeutet die Erkrankung von Sebastien Haller für den BVB sportlich?

Auch wenn die menschliche Komponente nach der Diagnose alles überwiegt, müssen sich die Dortmunder mittelfristig auch mit den sportlichen Folgen auseinandersetzen. Haller war als integraler Bestandteil des Dortmunder Spiels vorgesehen und sollte möglichst sofort in die Fußstapfen des zu Manchester City abgewanderten Top-Torjägers Erling Haaland treten. Nun fehlt der Stürmer bis auf Weiteres. Ob der BVB noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv wird, ist offen. Mit Karim Adeyemi, Donyell Malen und Youssoufa Moukoko gibt der Kader allerdings durchaus Alternativen für die Besetzung des Sturmzentrums her. Als Trumpf vor dem gegnerischen Tor war aber eigentlich der körperlich präsentere Haller vorgesehen, für den die Borussia eine Ablöse von gut 30 Millionen Euro an Ajax Amsterdam überwies. "Jetzt in Hektik und Aktionismus zu verfallen, ist aus meiner Sicht moralisch-ethisch ein Problem. Wir dürfen nicht über die Gesundheit eines Spielers spekulieren, bevor es glasklare Diagnosen gibt. Bis es soweit ist, werden noch einige Tage vergehen. Man muss seriös mit der Situation umgehen", erklärte Klubchef Hans-Joachim Watzke gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Wie reagiert die Fußball-Welt auf die Diagnose bei Sebastian Haller?

Bestürzt und mit großer Anteilnahme reagierten Spieler und Vereine auf die Diagnose. Der große BVB-Erzrivale Schalke 04 twitterte am Dienstagmorgen: "Beste Genesungswünsche und ganz viel Kraft!". Neben weiteren Bundesliga-Klubs, wie Hallers ehemaligem Verein Eintracht Frankfurt ("Wir sind für dich da und schicken dir ganz viel Kraft! Gute Besserung.") wandte sich auch der FC Bayern an den Stürmer: "Ganz viel Kraft und gute Besserung." Baumgartl schrieb bei Instagram: "Du bist nicht allein, Sebastien."