24. Januar 2021 / 15:34 Uhr

Erneut zu null: Auch dank Otavio ist Wolfsburg wieder dicht

Erneut zu null: Auch dank Otavio ist Wolfsburg wieder dicht

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Machte es richtig stark in Leverkusen: VfL-Linksverteidiger Paulo Otavio (r.).
Machte es richtig stark in Leverkusen: VfL-Linksverteidiger Paulo Otavio (r.). © (c) AFP/Pool
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Beim 1:0-Sieg in Leverkusen blieb der VfL Wolfsburg erneut ohne Gegentor. Die Defensive des Fußball-Bundesligisten steht - auch dank Paulo Otavio, der es als Linksverteidiger derzeit richtig stark macht.

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18 Spiele hat der VfL in der Fußball-Bundesliga bereits bestritten, sechsmal blieben die Wolfsburger ohne Gegentor - nur Spitzen-Team RB Leipzig ist mit acht Zu-null-Spielen noch stabiler. Dass die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner derzeit hinten so sicher steht, daran hat auch Paulo Otavio einen großen Anteil. Beim 1:0 in Leverkusen machte der Linksverteidiger ein richtig gutes Spiel und sorgte mit dafür, dass Keeper Koen Casteels erneut die Weiße Weste behielt.

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Anfangs hatte Otavio noch Probleme mit dem pfeilschnellen Moussa Diaby, stellte sich doch darauf ein, und machte es dann richtig gut. Aber nicht nur das: Der Brasilianer gewann die meisten Zweikämpfe aller Spieler auf dem Platz (satte 86 Prozent). "Ich habe auch davon gehört, das freut mich. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung", sagte Wolfsburgs Nummer 6 am Sonntag. Dass er zu Beginn etwas Zeit brauchte, um ins Spiel zu finden, kam für Otavio wenig überraschend. "Leverkusen ist sehr stark in der Offensive. Ich habe damit gerechnet, dass es schwer wird", sagte der Abwehrmann und fügte hinzu: "Es ist nicht einfach gegen einen Gegner mit Tempo und Dribblings. Aber es war eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen."

<b>Koen Casteels</b>: Da, wenn er gebraucht wurde, wie etwa in der ersten Halbzeit als er Alarios Chance vereitelte, starke Reaktion beim Hammer von Sinkgraven nach der Pause. - Note: 2. Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde, wie etwa in der ersten Halbzeit als er Alarios Chance vereitelte, starke Reaktion beim Hammer von Sinkgraven nach der Pause. - Note: 2. ©

Otavio machte also ein richtig gutes Spiel. "Er hat nicht immer so verteidigt, wie er das diesmal gemacht hat - am Samstag hat er das richtig gut gemacht", freute sich Manager Jörg Schmadtke für den Brasilianer. Der Trainer sah es ähnlich. Nach Otavios Start-Schwierigkeiten "war das Wahnsinn. Ich glaube, er hat gefühlt jedes Eins-gegen-Eins-Duell gegen Diaby und Bailey und am Ende gegen Bellarabi, als er ihn in der gegnerischen Hälfte attackierte, gewonnen", lobte Oliver Glasner nach dem zweiten Auswärtssieg in Folge. Insgesamt habe seine Mannschaft es diesmal sehr gut gemacht. Das gelte auch für Kevin Mbabu, Otavios Kollegen auf der rechten Abwehrseite, sowie für die Innenverteidiger John Anthony Brooks und Maxence Lacroix und Torhüter Casteels, der viele Flanken "heruntergepflückt" habe. Ebenfalls stark: Der Schlussmann schaffte es in der Winter-Rangliste des Kicker in die Kategorie "internationale Klasse".

Die Defensive des VfL macht es derzeit richtig gut - das spiegelt sich auch in Zahlen wider. Mit 19 Gegentoren stellen die Wolfsburger die drittbeste Verteidigung der Liga, nur Leipzig (17) und Leverkusen (18) sind noch besser. Da fällt es kaum auf, dass dem VfL mit Jerome Roussillon der bis dato Stamm-Linksverteidiger nach dessen Corona-Infektion nach Weihnachten immer noch fehlt. Otavio ersetzt den Franzosen ohne bemerkbaren Qualitätsverlust. Dabei hatte er es gar nicht leicht. In der vergangenen Saison hatte der 26-Jährige gerade einmal fünf Partien bestritten, Ende Mai zog er sich dann in einer Phase, in der er häufiger von Beginn an ran durfte, eine Sprunggelenks-Verletzung zu und fiel bis zum Saisonende aus.

Zu Beginn dieser Spielzeit hatte Glasner dann hinten links auf Otavio gesetzt, doch eine Muskelverletzung warf ihn erneut zurück - Roussillon holte sich den Platz zurück. "So häufig verletzt, wie in den vergangenen eineinhalb Jahren, war ich in meiner Karriere noch nie", sagt der VfLer. Doch seit dem Stuttgart-Spiel ist Otavio als Linksverteidiger gefragt, die vergangenen sechs Partien spielte er durch. "Ich denke nicht nur an mich, aber ich habe lange gewartet. Das war sehr schwer für mich", sagt die Frohnatur und freut sich, dass sie nun endlich regelmäßig spielen darf: "Es ist das erste Mal, dass ich mehr als vier Spiele nacheinander mache für den VfL."

Otavio ist auf dem besten Weg, Trainer Glasner die Entscheidung zwischen dem Brasilianer und Roussillon noch schwerer zu machen. Aber wo muss Otavio noch zulegen? "Zweikämpfe kann ich verbessern, und ich kann noch konzentrierter sein. Manchmal treffe ich falsche Entscheidungen. Wenn ich das ändere, kann ich für den Gegner noch gefährlicher sein", weiß der VfLer und denkt in Sachen Verbesserungen auch an sein Spiel nach vorn: "Zufrieden bin ich damit nicht zu einhundert Prozent. Ich weiß aber, dass die Gegner schon mehr Respekt haben als bei meinen ersten Spielen für den VfL. Das muss ich nutzen. Und Tag für Tag kann ich ein bisschen mehr nach vorn machen."