21. April 2020 / 11:27 Uhr

Segebergs Fußballchef Herbert Bornhöfft hat die Saison 2019/20 nicht abgeschrieben

Segebergs Fußballchef Herbert Bornhöfft hat die Saison 2019/20 nicht abgeschrieben

Jürgen Brumshagen
Kieler Nachrichten
Packende Zweikämpfe auf dem Fußballplatz. Es steht in den Sternen, wann die Fußballfans so etwas wieder zu sehen bekommen.
Packende Zweikämpfe auf dem Fußballplatz. Es steht in den Sternen, wann die Fußballfans so etwas wieder zu sehen bekommen. © Nils Göttsche
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Der Fußball-Spielbetrieb ruht deutschlandweit seit Mitte März. Und das wird auch bis zum 3. Mai so bleiben. Kurz vor diesem Datum entscheidet die Politik neu, ob – und wenn ja wann – die Kicker auf den Rasen zurückkehren dürfen. Die Punktrunde 2019/20 abzubrechen, fällt den Verbänden schwer.

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„Ich halte es für möglich, dass wir die Saison trotz Corona beenden können“, sagt Herbert Bornhöfft. Der Vorsitzende des Segeberger Verbandes schränkt allerdings ein: „Neben dem grünen Licht von der Politik müssten die Sommerferien möglichst später als Ende Juni beginnen, denn wir brauchen den Juli.“ Punktspiele hätten absoluten Vorrang, die Pokalwettbewerbe müssten warten. „Sobald wieder gespielt werden darf, müssten wir im Amateurbereich loslegen. Wenn den Mannschaften noch Zeit zur Vorbereitung gegeben wird, reicht das Zeitfenster nicht mehr, um die Serie durchzupeitschen.“

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Neben den Anordnungen von Seiten der Politik, hängt die Wiederaufnahme des Spielbetriebs davon ab, was der DFB am 23. April für die 3. Liga beschließt. Daran werden sich die tieferen Leistungsklassen orientieren. „Wir sind im Wartestand“, erklärte SHFV-Geschäftsführer Dr. Tim Cassel im „Sportbuzzer“. Es solle in Abstimmung mit dem DFB, den fünf Regional- und 20 Landesverbänden bundesweit einheitlich vorgegangen werden.

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„Unsere Vereine wünschen sich genauso wie wir eine langfristige Planbarkeit“, wird SHFV-Präsident Uwe Döring an gleicher Stelle zitiert. „Wir müssen akzeptieren, dass wir bisher nur in kürzeren Etappen planen konnten. Unser Ziel ist, dass wir bis spätestens Ende April Klarheit haben.“ Anders als Bornhöfft sehen die Überlegungen des Landesverbandes vor, den Klubs nach Öffnung der Plätze bis zum ersten Punktspiel zwei Wochen Vorbereitungszeit einzuräumen.

Die Profivereine der 1. und 2. Bundesliga setzen darauf, mit Geisterspielen ohne Zuschauer nicht nur die Punktrunde, sondern auch sich selbst zu retten. Müssen sie doch eine Gegenleistung für die Millionenverträge mit dem Fernsehen und Streaming-Plattformen erbringen. 3. Liga und die Regionalligen sind sich uneins. Sie benötigen Zuschauereinnahmen, um über die Runden zu kommen. TV-Gelder spielen in ihren Etats nicht die Hauptrolle.

Segebergs Fußballchef Herbert Bornhöfft hofft auf die Fortsetzung der Saison.
Segebergs Fußballchef Herbert Bornhöfft hofft auf die Fortsetzung der Saison. © Jürgen Brumshagen

„All diese Überlegungen sind nicht auf Männer-, Frauen- und Jugendspiele in den unteren Amateurbereich zu übertragen“, betont Bornhöfft. „Auch, dass erst schrittweise wieder Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen erlaubt werden sollen, behindert die Oberliga bis hinab zur den Kreisklassen nicht. Die wenigen Zuschauer lassen sich von einem aufmerksamen Ordnungsdienst problemlos auf Abstand zueinander bringen.“

Bornhöfft: „Ich halte die Spieler für vernünftig genug, sich umsichtig zu verhalten."

Die Ansteckungsgefahr hält Bornhöfft für zumutbar. „Fußball ist ein Kontaktsport, aber die Spieler treffen in den meisten Momenten einer Partie nur für den Bruchteil einer Sekunde aufeinander. Rudelbildungen nach umstrittenen Szenen und große Jubelfeiern nach Toren sollte es nicht geben. Aber ich halte die Spieler für vernünftig genug, sich umsichtig zu verhalten.“

Was wäre, wenn es einzelnen Spielern zu riskant wäre, mit ihrer Mannschaft zu kicken? „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“, meint Bornhöfft. „Aber das wäre dann das Problem der Vereine.“

Da das Coronavirus das Leben weltweit für eine unbestimmte Zeit begleiten wird, wäre folgendes Szenario denkbar. Der Ball rollt, und dann steckt sich ein Fußballer oder eine Spielerin irgendwo an. Zu den Kontakten gehört auch die Fußballmannschaft – die dann komplett für zwei Wochen in Quarantäne müsste. Der Spielplan würde zu einem Flickenteppich werden. „Die Gefahr besteht“, sagt Bornhöfft. „Aber dieses Risiko würde ich eingehen. Die Alternative wäre für mich keine. Wer möchte denn bis ins Jahr 2021 hinein auf Fußball verzichten?"