01. Juni 2020 / 16:35 Uhr

Eine von nur zwei in Europa: Regatta auf dem Steinhuder Meer "ein voller Erfolg"

Eine von nur zwei in Europa: Regatta auf dem Steinhuder Meer "ein voller Erfolg"

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nur zwei Regatten haben an Pfingsten in ganz Europa stattgefunden - eine davon am Steinhuder Meer.
Nur zwei Regatten haben an Pfingsten in ganz Europa stattgefunden - eine davon am Steinhuder Meer. © Debbie Jayne Kinsey
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Sportliche Wettkämpfe sind in den Corona-Zeiten eine absolute Seltenheit. Gerade einmal zwei Segelrennen haben weltweit stattgefunden - eines davon auf dem Steinhuder Meer in der Region Hannover. Und das auch nur nach ganz besonderen Wassersport-Spielregeln. Der SPORTBUZZER war dabei und nah dran.

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„Diese Bootsklassen sind ganz entspannt, da gibt es wenig Stress“, sagt Stefan Ibold. Er ist an diesem besonderen Tag einer der Schiedsrichter und fährt mit dem roten Motorschlauchboot „Kurti“ langsam auf das Steinhuder Meer hinaus.

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"Die Windbedingungen waren schwierig"

Dort liegt in der Mitte der Prahm, ein Boot ohne eigenen Antrieb, mit der Wettfahrtleitung des Schaumburg-Lippischen SV (SLSV) an Bord. Drum herum kreisen bereits die Segelboote, gleich soll es losgehen mit der dritten Wettfahrt. Es ist die erste offizielle Regatta in Deutschland auf einem Binnengewässer während der Corona-Krise. „Die Windbedingungen waren schwierig, aber es war ein voller Erfolg“, sagt Wettfahrtleiter Bernd Bühmann.

An Land sind die Einschränkungen durch die Hygieneregeln besonders spürbar. Es gibt nur eingeschränkte Gastronomie, Umkleidekabinen und Duschen sind geschlossen, die Boote liegen weit voneinander entfernt. Das ist ein Verlustgeschäft für den SLSV, das der Verein aber in Kauf genommen hat. „An Pfingsten gab es offenbar in Europa nur zwei Regatten, die andere in Spanien“, berichtet Bühmann.

Bilder von den Pfingstwettfahrten auf auf dem Steinhuder Meer

Max Greten ist auf dem Steinhuder Meer mit von der Partie. Zur Galerie
Max Greten ist auf dem Steinhuder Meer mit von der Partie. ©

Ibold ist inzwischen an dem Prahm angekommen, zu dem er wie die anderen drei Begleitboote steten Funkkontakt hält. Seit rund 46 Jahren ist der Dachdeckermeister bei der Wettfahrtvereinigung Steinhuder Meer (WVStM) aktiv und mit allen Wassern gewaschen. Er ist als Sportwart seit Langem für den Regattabetrieb zuständig und kümmert sich obendrein um die Wasserrettung – wie alle 24 Vereine am See, die sich zur WVStM zusammengeschlossen haben. Ibold kennt hier alle, und alle kennen ihn. Man duzt sich auf dem Wasser.


Wettfahrtvereinigung Steinhuder Meer regelt Regatta

Ibold ist Vorstandsmitglied des Hannoverschen Yacht-Clubs (HYC), bei dem die meisten Flying Dutchman liegen, die zuerst starten. Beim Schaumburg-Lippischen hätte der Platz für alle Boote nicht gereicht. „Wir helfen uns hier, das gehört zum Segeln selbstverständlich dazu“, betont HYC-Vorsitzender Tom Greten.

20 Flying Dutchman sind es, gefolgt von den O-Jollen (45), Taifun (13) und IC (9). Auf dem Wasser ist recht wenig von Corona zu spüren. Nur sind es auf dem Prahm lediglich vier Personen, sonst finden dort bequem acht Platz. Vor dem Start geht es recht wild durcheinander, wirklich nahe kommen sich die Boote allerdings nicht. „Wir sind sowieso um Abstand bemüht, das ist die Segelregel 14“, sagt Ibold. Eine Kollision kann zudem teuer werden, neu kostet ein Flying Dutchman etwa 40 000 Euro.

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Bevor der nahende Start durch Flaggensignale an dem Prahm angezeigt wird, sucht sich Ibold einen geeigneten Platz für „Kurti“, das nach seinem Spender benannt ist: Kurt Prenzler, Seniorchef der bekannten Parfümerie Liebe. Der ehemalige deutsche Meister vom HYC im Flying Dutchman segelt am zweiten Regattatag jedoch nicht mit, weil sein Partner ausgefallen ist.

Flying Dutchman im Fokus von Stefan Ibold

Ibold findet eine gute Position und zückt seine Kamera. Er hält die Starts und Wendemanöver in Hunderten von Bildern fest. So lassen sich nach den Rennen mitunter strittige Szenen aufklären, Fehlstarts oder Verstöße gegen die Vorfahrtsregeln. Nach dem Start der Flying Dutchman düst Ibold zur ersten Wendetonne. Wartet auf das Feld, knipst, achtet auf Vergehen. Eine Crew hat, kaum sichtbar, einen kleinen roten Wimpel gehisst. Sie zeigt damit einen Protest an, den sie im Ziel einlegen wird.

Als alle vier Klassen unterwegs sind, sieht es unübersichtlich aus, bisweilen kommen sich die Boote entgegen. Als dann noch der Wind stark dreht, wird der Kurs spontan geändert, was durch Hupen der Begleitboote und Flaggen angezeigt wird. Knifflige Sache, auch für die Segler. „Aber wir haben hier ja sehr gute Leute am Start“, so Bühmann, „unter anderem vier Niederländer bei den O-Jollen.“

Pfingstwettfahrten auf dem Steinhuder Meer

In der zweiten Hälfte des Rennens muss Ibold noch als Retter in Aktion treten. Er schaltet das Warnlicht an und manövriert gekonnt durch das Feld der Fliegenden Holländer. Uwe Bredthauer/Uwe Bangert vom SLSV hat es den Karbonmast zerlegt. Gefährlich ist es zwar nicht, die See ist an dieser Stelle nur etwa 1,30 Meter tief. Ibold schleppt das Duo an den Steg, dann fährt er zurück. Die dritte Regatta ist da schon fast beendet, die vierte und letzte wird dann ohne Vorfälle laufen.

Siegerehrung ohne Körperkontakt

Für Bühmann und den SLSV ist es eine runde Sache. Auch die Siegerehrung klappt problem- und kontaktlos, die Gewinner holen ihre Preise selbst von einem Tisch ab. „Gelungene Generalprobe“, findet Bühmann.

Im August steht die Internationale Deutsche Meisterschaft der Finn Dinghys. 60 bis 80 Boote aus sieben Nationen werden es dann sein. „Wir haben jetzt gezeigt, dass wir es trotz Corona hinkriegen“, betont Bühmann. Und Ibold ergänzt: „Die Leute haben sich ein Loch in den Bauch gefreut, dass es wieder losging.“