04. Juni 2021 / 07:22 Uhr

Segen und „Fluch“ Champions League: RB Leipzig verdoppelt Gewinn, Personalkosten steigen

Segen und „Fluch“ Champions League: RB Leipzig verdoppelt Gewinn, Personalkosten steigen

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Der Sieg gegen Atletico Madrid und damit das Erreichen des Champions-League-Halbfinales brachte RB Leipzig in finanziell ruhigeres Fahrwasser.
Der Sieg gegen Atletico Madrid und damit das Erreichen des Champions-League-Halbfinales brachte RB Leipzig in finanziell ruhigeres Fahrwasser. © Getty Images
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Wie kommt RB Leipzig eigentlich durch die Coronakrise? Erste Antworten darauf liefert der Konzernabschluss zum 30. Juni 2020, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen scheint der Vizemeister bislang gut durch die Pandemie zu steuern, konnte seinen Überschuss verdoppeln. Aber auch Verbindlichkeiten und Personalkosten stiegen ordentlich.

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Leipzig. „Die nächsten zwei Jahre im Fußballgeschäft werden katastrophal“, sagte Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß jüngst voraus. Ein Blick auf die Finanzkennzahlen der Clubs in der Fußball-Bundesliga bestätigt diese Ahnung. In den Daten, die die Deutsche Fußball-Liga zu Wochenbeginn veröffentlichte, weisen elf der 18 Erstligisten teilweise kräftige Verluste auf. Nur fünf erwirtschafteten ein Plus. Zu diesen fünf gehört RB Leipzig.

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Transfers und Königsklasse

Rund 8,8 Millionen Euro Überschuss weisen die Verantwortlichen vom Cottaweg für 2019/20 aus. Damit verdoppelten sie ihr Ergebnis aus der Saison 2018/19 (4,4 Millionen Euro). Eine Tatsache, die Prof. Henning Zülch, Bilanzexperte und Lehrstuhlinhaber an der HHL Leipzig, anerkennende Worte entlockt: „Durch diesen ersten Anflug der Pandemie ist RB gut durchgekommen. Die Verantwortlichen haben viel richtig gemacht.“

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Wie war das möglich? Tatsächlich spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Zunächst steigerten die Messestädter das so genannte Rohergebnis, von dem später beispielsweise noch die Personalkosten abgezogen werden müssen, um rund 50 Millionen Euro. Die Mehreinnahmen stammen zum Einen aus Transfers. So spülten die Abgänge von Diego Demme (Neapel), Matheus Cunha (Hertha BSC) und Stefan Ilsanker (Frankfurt) allein knapp 20 Millionen Euro in die Kasse.



Eine große Rolle spielte neben neuen Sponsoren und gestiegenen Einnahmen aus der TV-Vermarktung der Bundesliga zum Anderen das starke Abschneiden in der Champions League. Das Vordringen bis ins Halbfinale brachte insgesamt 57,15 Millionen Euro allein an festen Prämien. Der europäische Fußballverband UEFA zahlt den Teilnehmern neben einem Startgeld für jeden Sieg und jedes Unentschieden in der Gruppenphase sowie jede weitere erreichte Runde in der KO-Phase fixe Summen. Dazu kommen weitere Ausschüttungen.

Schulden steigen kräftig

Auf der anderen Seite stiegen natürlich auch die Kosten. Drückten RB Leipzig zum Ende der Saison 2018/19 noch 135,6 Millionen Euro Schulden, waren es ein Jahr später rund 190 Millionen Euro, also satte 54,4 Millionen Euro mehr. Nach LVZ-Informationen handelt es sich bei diesem Mehrbetrag im Wesentlichen um Verbindlichkeiten gegenüber anderen Clubs, entstanden aus früheren Transfers mit langfristigen Zahlungszielen. „Die Clubs schaffen sich auf diese Weise finanzielle Flexibilität, Ablösesummen werden nicht sofort in einem Betrag fällig, sondern in Raten. Möglicherweise festgeschriebene erfolgsabhängige Zahlungen werden ohnehin erst später fällig, wenn der Erfolg auch tatsächlich eingetreten ist“, erklärt Henning Zülch. Zu den Kickern, die in den Vorjahren nach Leipzig gelotst wurden, gehören unter anderem Amadou Haidara, Nordi Mukiele, Marcel Saracchi oder Dani Olmo.

Apropos Profis: Die wollen natürlich auch bezahlt werden. Deutlich mehr als in der Saison zuvor investierte RB Leipzig 2019/20 ins Personal. Die Personalkosten stiegen um etwa 16 auf rund 76,4 Millionen Euro. Zülch sieht hier aufkeimende Schwierigkeiten. „Vor allem vor dem Hintergrund wegfallender Einnahmen in der Corona-Pandemie sollten die Clubs bestrebt sein, Kosten zu senken, anstatt sie ansteigen zu lassen. Die Preisspirale bei den Spielergehältern muss eingedämmt werden.“ Doch am Cottaweg wurden die Verantwortlichen offenbar weniger Opfer dieser Spirale, sondern vielmehr ihres eigenen Erfolgs. Nach Informationen dieser Zeitung schlugen die Prämien für Spieler und Trainer vor allem aufgrund des Abschneidens in der Champions League deutlich heftiger zu Buche als eingeplant.

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Was für ein Spiel von RB Leipzig: Engagiert, ruhig und sehr erwachsen präsentierten sich die Jungs von Trainer Julian Nagelsmann beim 2:1-Erfolg gegen Atletico Madrid. ©

Optimistischer Blick nach vorn

Was heißt das alles nun für die aktuelle Entwicklung in den vergangenen Monaten, in denen die Pandemie voll zuschlug und kaum eine Heimpartie vor Zuschauern stattfinden konnte? „Leider bekommen wir diese Bilanz erst im nächsten Frühjahr zu Gesicht“, so Zülch. Negativ auswirken könnte sich neben den ausbleibenden Einnahmen aus dem Ticketverkauf auch die Neuverteilung der TV-Gelder ab diesem Sommer. Nach Berechnungen des Westfalenblattes muss der Bundesliga-Zweite hier ein Minus von rund 20 Millionen Euro einkalkulieren.

Florian Hopp, CFO von RB Leipzig, blickt dennoch optimistisch voraus. „Wir erwarten eine ähnliche Entwicklung wie bisher, da wir auch in der abgelaufenen Saison sportlich sehr erfolgreich waren. Dazu kommt ein Teileffekt vom Erreichen des Halbfinales der Champions-League-Saison 2019/2020. Da diese coronabedingt erst im August, also nach dem Jahresabschluss zum 30. Juni 2020, beendet war, fließt sie anteilig in das nächste Geschäftsjahr mit ein.“ Nachträglich gespielt wurden Viertelfinale und Halbfinale, für deren Erreichen die UEFA 10,5 und 12 Millionen Euro auszahlt. „Dazu kommt die erneute Qualifikation für die Champions League in der Saison 2020/2021 sowie das anschließende Erreichen des Achtelfinales, neue Sponsoren, der Einzug ins Finale des DFB-Pokals sowie Transfers“, so Hopp. Allein für Timo Werner überwies der FC Chelsea 53 Millionen Euro nach Leipzig.