06. November 2020 / 16:41 Uhr

Susann Beucke vom Hannoverschen Yacht-Club nimmt Olympiamedaille ins Visier

Susann Beucke vom Hannoverschen Yacht-Club nimmt Olympiamedaille ins Visier

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Susann Beucke
 (vorn) und Tina Lutz haben nach der Kieler Woche auch die EM in Österreich gewonnen.
Susann Beucke (vorn) und Tina Lutz haben nach der Kieler Woche auch die EM in Österreich gewonnen. © Privat
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Segel setzen für Olympia oder „Corona-Blues“? Trotz anhaltender Coronavirus-Pandemie und ausfallenden Regatten bleibt das Ziel für die Seglerinnen Beucke vom HYC und ihre Teampartnerin Lutz doch klar: In Tokio soll es eine Medaille geben.

Im letzten Jahr haben sie einmal ordentlich klar Schiff gemacht. Haben extra einen britischen Trainer ins Boot geholt und einige Gewohnheiten und Taktiken über Bord geworfen. Der Erfolg für Steuerfrau Tina Lutz und Vorschoterin Susann Beucke war überwältigend. Sie gewannen in der 49er-FX-Klasse die Kieler Woche, lösten damit das Olympiaticket und fuhren zuletzt obendrein zum EM-Gold in Österreich auf dem Attersee. „Wir haben uns super doll verbessert“, sagt Beucke, die auch Mitglied im Hannoverschen Yacht-Club ist. Und wenngleich sie jetzt wegen der anhaltenden Pandemie und ausfallenden Regatten einen „Corona-Blues“ befürchtet, so ist das Ziel doch klar: In Tokio soll es eine Medaille geben.

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Kein Training auf dem Maschsee

In diesem November ist Sportsoldatin Beucke, die für den Norddeutschen Regattaverein aus Hamburg startet, mal wieder länger in Hannover. Für die 29-Jährige steht ein Feldwebellehrgang auf dem Programm. Auf dem Maschsee wird sie nicht trainieren können in dieser Zeit, zumal die 30-jährige Studentin Lutz aus Holzhausen nicht dabei sein kann. Ohnehin wäre der See zu klein für dieses schnelle Boot – das Steinhuder Meer müsste es schon sein. 25 Knoten erreicht der 49er FX, der seit 2016 olympisch ist, das sind stattliche 46,3 Stundenkilometer. „Es ist schnell, aber nicht gefährlich. So wie die großen Katamarane, wo permanent einer über Bord geht“, so Beucke. Dann kommt es mitunter zu Unfällen, wenn die Segler vom Boot erfasst werden.

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Lutz und Beucke segeln seit 13 Jahren zusammen

Lutz/Beucke haben ihren 49er FX, der für ein Crew- gewicht von nur 120 Kilogramm konzipiert wurde, aber bestens im Griff. „Du musst unheimlich vielseitig sein, brauchst Kraft in den Armen und im Rumpf sowie eine gewisse Bewegungsbegabung“, erzählt Beucke, die in Kiel lebt und segeln wollte, seit sie ein kleines Kind war. Sie muss sich meist weit hinauslehnen und hängt dann wie in einem Trapez knapp über der Wasseroberfläche. Die beiden sind ein eingespieltes Team, segeln seit 13 Jahren zusammen.

Beschwerlicher Weg nach Olympia

Vor acht Jahren, damals in der 470er-Klasse, waren sie in der Olympiaqualifikation knapp an Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher gescheitert. Bei der WM in Perth bremsten Kadelbach/Belcher ihre Rivalinnen im entscheidenden Rennen aus, sie „segelten sie nach hinten“. Das schlug hohe Wellen und sorgte für viele Diskussionen. Lutz/Beucke zogen sogar vor Gericht, waren allerdings nur moralisch im Recht. Sie erlitten eine Niederlage, und das Olympiaticket für London war weg. „Wir hatten Pech“, sagt Beucke heute.

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„Wir konnten gut mit dem Druck umgehen“

Vier Jahre später wurden sie im 49er FX nur Zweite. Im dritten Anlauf sah es nach WM-Platz fünf gut aus, bis Beucke sich im Trainingslager im Januar 2020 in Buenos Aires das Wadenbein brach, als sie unglücklich fiel. Doch das Duo kämpfte sich zurück. Die Entscheidung brachte die Kieler Woche im September. „Wir konnten gut mit dem Druck umgehen“, sagt Beucke, „und der wird in Tokio nicht größer sein.“

Beucke rechnet nicht mit Olympia-Verschiebung

Ähnliche Bedingungen wie in Japan dürften Lutz/Beucke auch vor Portugals Küste vorfinden, wo sie im Dezember mit Trainer Ian Parker trainieren wollen. Dass die Spiele wegen der Pandemie womöglich erneut verschoben werden könnten, glaubt Beucke nicht: „Die Japaner gehen sehr planvoll und verantwortungsbewusst vor. Wir waren ja schon zweimal dort zum Segeln.“

Ziel: Männerdomäne Offshore-Segeln

Tokio soll ein Höhepunkt, aber nicht das Ende der Karriere sein. Beucke will Profiseglerin bleiben, es zieht sie einfach aufs Wasser. Anschließend aber noch etwas weiter hinaus. Und vor allem länger als bei den Regatten. Offshore-Segeln ist das große Ziel. „Zwei bis drei Wochen auf See, Stürme, Kräfte managen, wenig Schlaf und Privatsphäre“, so beschreibt sie es. Bermuda 1000 oder Baltic 500 sind solche Offshore-Rennen. Probiert hat sie das schon, allein mit Männern, unter anderem bei einer Atlantiküberquerung. „Das ist Extremsport, ein Abenteuer.“ In eine Profimannschaft unter den rauen Bedingungen, weiß Beucke, „haben es bisher nur ganz wenige Frauen geschafft. Ein oder zwei, keine aus Deutschland.“ Ihr soll es gelingen. „Eine Medaille bei Olympia würde dabei helfen“, sagt Susann Beucke.

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