11. November 2020 / 10:49 Uhr

Seifert-Nachfolge, TV-Geld, DFB-Boss Keller: Was beim Bundesliga-Krisengipfel auf dem Spiel steht

Seifert-Nachfolge, TV-Geld, DFB-Boss Keller: Was beim Bundesliga-Krisengipfel auf dem Spiel steht

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim Bundesliga-Krisengipfel geht es unter anderem um die Nachfolge von Christian Seifert.
Beim Bundesliga-Krisengipfel geht es unter anderem um die Nachfolge von Christian Seifert. © imago images/Montage
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14 Bundesliga-Klubs und der Hamburger SV treffen sich am Mittwoch ohne Vertreter der DFL zu einem Krisengipfel, um über die Probleme des deutschen Profifußballs zu sprechen. Der SPORTBUZZER erklärt, was bei dem vom FC Bayern initiierten Treffen auf dem Spiel steht.

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Mehrere Monate ist es her, dass am Frankfurter Flughafen eine Ligaversammlung stattgefunden hat. Nun wird mitten in der Pandemie im „Airport Club“ am Mittwoch mal wieder eine Präsenzveranstaltung abgehalten. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hält den Austausch von Angesicht zu Angesicht für erforderlich, um die Zukunftsfragen des deutschen Profifußballs in der Corona-Krise zu besprechen. Vertreter der Deutschen Fußball Liga (DFL) – Geschäftsführer Christian Seifert oder Aufsichtsratschef Peter Peters – sind nicht eingeladen worden.

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Es geht um vier Kardinalfragen: Wer könnte dem 2022 ausscheidenden Macher Seifert folgen? Wie kann dem angezählten DFB-Präsidenten Fritz Keller der Rücken gestärkt werden? Welche gemeinsamen Strategien sind im Teil-Lockdown möglich? Wie soll die Verteilung der TV-Gelder ab 2021 aussehen? Merkwürdig ist, dass nur 14 Erstligisten und Zweitliga-Spitzenreiter Hamburger SV zugegen sein sollen.

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Außen vor bleiben Mainz 05, der VfB Stuttgart, Arminia Bielefeld und der FC Augsburg. Der Bannstrahl trifft jenes Quartett, das eine andere Verteilung der TV-Gelder anregte. Der Mainzer Finanzvorstand Jan Lehmann, der Stuttgarter Vorstandschef Thomas Hitzlsperger, der Bielefelder Finanzvorstand Markus Rejek hatten es – mit Geschäftsführer Christian Keller von Zweitligist Jahn Regensburg – gewagt, ein Positionspapier zu erarbeiten, das später der FC Augsburg als einziger Erstligist unterschrieb. Der ehemalige DFL-Mitarbeiter Lehmann ist irritiert. Es sei „legitim, dass man sich austauscht“, aber „ein merkwürdiges Verhalten, wenn Teile der Liga ausgeschlossen“ würden. Bremens Geschäftsführer Frank Baumann hätte sich gewünscht, „dass alle Bundesligisten eingeladen werden“.

Verteilung der TV-Gelder ist Streitpunkt

Es hat tatsächlich einen fast undemokratischen Beigeschmack, wenn jene Klubs in die Strafecke gestellt werden, die sich letztlich für mehr Chancengleichheit einsetzen. Lehmann sagt nämlich: „Die Spreizung muss reduziert werden, weil sonst die Spannung abnimmt.“ In der nächsten Saison stehen bei den TV-Erlösen insgesamt 1,285 statt wie derzeit 1,46 Milliarden Euro zur Verteilung an. Aktuell bekommt der Branchenprimus Bayern eine um den Faktor 3,8 höhere Summe als der Tabellenletzte. Künftig soll es maximal das Doppelte sein. Nach dem verschickten Positionspapier würden nationale und internationale Erlöse in einen Topf geworfen, die Hälfte dieser Summe gleich unter den 18 Bundesligisten umgelegt. Das wollen die Topvereine nicht.

Die Entscheidung darüber trifft das neunköpfige DFL-Präsidium, in dem mit Jan-Christian Dreesen (FC Bayern) nur noch ein Vertreter der Spitzenklubs sitzt. Die Zweitligavertreter Rüdiger Fritsch (Darmstadt), Steffen Schneekloth (Holstein Kiel) und Oke Göttlich (FC St. Pauli) sind zu Veränderungen bereit, aber selbst Vertreter aus der gehobenen Mittelklasse wie Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) scheinen sich auf die Seite der Großen zu schlagen. Unklar, wie sich Oliver Leki (Freiburg) und Alexander Wehrle (Köln) positionieren. Am 7. Dezember soll das künftige Verteilungsmodell zur Abstimmung stehen, doch der Zeitplan wackelt bereits. Die Befürchtung der Reformer: Die Bewahrer könnten sich wieder durchsetzen. Und wenn die Geldverteilung erst einmal bis 2025 zementiert ist, gibt es kaum einen Hebel mehr.

Derweil heißt es, der „G15“-Gipfel wäre auch einberufen worden, weil man bei der Seifert-Nachfolge mitreden will, die formal der Liga-Aufsichtsrat regeln müsste. Ein Vorschlag: Seiferts Aufgaben auf drei Schultern mit den Aufgaben Vermarktung, Sport sowie Marketing und Kommunikation zu verteilen.