29. November 2020 / 18:36 Uhr

Seine Tore machen ihn immer teurer: Kann Wolfsburg Weghorst halten?

Seine Tore machen ihn immer teurer: Kann Wolfsburg Weghorst halten?

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zwei Tore gegen Werder: Wout Weghorst
Zwei Tore gegen Werder: Wout Weghorst © Roland Hermstein
Anzeige

Ein Tor mit dem Fuß und eines mit dem Kopf - Wout Weghorst war beim 5:3-Spektakel des VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen der überragende Mann auf dem Platz, er erzielte seine Saisontore fünf und sechs. Müssen sich die VfL-Verantwortlichen Sorgen machen, dass der Niederländer im Winter weggekauft wird?

Anzeige

Mit dem Fuß hat er schon oft bewiesen, wie eiskalt er vor dem Tor ist – aber nun trifft Wout Weghorst auch mit dem Kopf, wie er beim vorentscheidenden 4:3 des VfL am Freitagabend beim spektakulären 5:3-Sieg gegen Werder Bremen bewies. Nach einer Super-Flanke von Jerome Roussillon vollendete der Sturm-Riese mit großer Wucht per Kopf. Es war Weghorsts sechstes Tor in dieser Fußball-Bundesliga-Saison. Rekord! So viele hatte er nach neun Spieltagen als VfLer noch nie. Da kommt die Frage auf: Müssen sich die VfL-Fans Sorgen machen, dass der Niederländer den Klub im Winter (im Januar ist das Transferfenster geöffnet) verlassen könnte? Oder lässt der VfL seinen Top-Mann mitten in der Saison nicht gehen?

Anzeige

Kategorisch ausschließen könne man einen Transfer nie, sagt Jörg Schmadtke. Aber der VfL-Manager betont: „Wir halten die Zügel in der Hand. Wir sind dann schon das Zünglein an der Waage und entscheiden, ob oder ob nicht.“ Und weiter: „Wir haben immer gesagt: Wenn es ein vernünftiges Angebot gibt, was auch Wout für interessant hält, dann setzen wir uns zusammen und werden das besprechen. So haben wir das bei seiner Vertragsverlängerung besprochen. Aber jeder weiß, dass ich im Winter nicht gern Transfers mache!“ Bei einem Angebot von weit mehr als 30 Millionen Euro wären die sportlich Verantwortlichen um Manager Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer vor der Saison gesprächsbereit gewesen. Aktuell müsste die Summe noch größer sein - seine Tore machen ihn teurer. Im Sommer 2019 hatte das Duo den Kontrakt des Niederländers bis 2023 verlängert - und zwar ohne Ausstiegsklausel.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Weghorst hat in der Vergangenheit mehrmals betont, wie wohl er sich beim VfL fühlt. Dass er jedoch mal in der Premier League in England spielen möchte, hat Wolfsburgs Nummer 9 auch immer mal wieder fallen lassen. Im Sommer war er ein Kandidat bei Tottenham Hotspur, doch zu einem Wechsel kam es nicht - obwohl Weghorst mit 16 Treffern in der Liga eine tolle Saison gespielt hatte. In dieser Spielzeit ist der zweifache Familienvater noch torhungriger, nach neun Spieltagen hat er ein Tor mehr auf dem Konto als in der vergangenen Saison.

Gegen Werder hatte er zunächst mit dem Fuß und dann – wie schon eine Woche zuvor auf Schalke – mit dem Kopf getroffen. Trotz seiner Größe (1,97 Meter) gehörte das Spiel mit dem Kopf nicht zu seinen Stärken, doch der ehrgeizige Torjäger hat viel an seinem Kopfballspiel gearbeitet. Nun folgt der Lohn. „Mich freut es, dass er jetzt zwei Kopfballtore nacheinander gemacht hat, weil eigentlich ist das Kopfball-Spiel nicht seine Parade-Disziplin“, so Schmadtke. „Ich fand sein Tor in Gelsenkirchen schon gut, weil er einen Super-Laufweg hatte. Und jetzt köpft er den Ball aus dem Stand heraus so wie man einen Ball eben köpfen muss. Das hat mich sehr gefreut“, für der Manager hinzu.

Die Top-Torjäger der Bundesliga-Geschichte des VfL Wolfsburg:

Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. Zur Galerie
Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. ©

Weghorsts Kopfballtreffer war sein 46. Pflichtspiel-Tor für die Wolfsburger, damit hat er nun einen Treffer mehr erzielt als für seinen Ex-Verein AZ Alkmaar. Und: Mit seinem Doppelpack hat er in der Bundesliga-Torjägerliste des Klubs mit Ex-VfL-Torjäger Andrzej Juskowiak gleichgezogen, der nach Edin Dzeko (111 Spiele/66 Tore), Grafite (107/59) und Diego Klimowicz (149/57) viertbester Torschütze in der Wolfsburger Erstliga-Historie ist. Während der Pole jedoch 108 Erstliga-Spiele für seine 39 Treffer brauchte, schaffte Weghorst das in 75 Partien.

Dass Weghorst in dieser Saison so gut unterwegs ist, überrascht Schmadtke nicht. Der Manager lobt: „Seit Wout bei uns ist, performt er. Er reißt die Mitspieler mit und geht dem Gegner auf die Nerven – das ist halt Wout. Ihn hat man lieber in der eigenen Mannschaft und nicht als Gegenspieler."