20. November 2020 / 17:56 Uhr

Seit 24 Jahren: André Ehlert hält den SV Stüdenitz am Leben

Seit 24 Jahren: André Ehlert hält den SV Stüdenitz am Leben

Maximilian Krone
Märkische Allgemeine Zeitung
André Ehlert (kleines Bild) ist seit 24 Jahren Trainer des SV Stüdenitz.
André Ehlert (kleines Bild) ist seit 24 Jahren Trainer des SV Stüdenitz. © Privat
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Kreisklasse Süd Prignitz/Ruppin: Mit einem ganz besonderen Kniff hat André Ehlert, der Trainer, Sportliche Leiter und Vize-Präsident des SV Stüdenitz, den Verein am Leben gehalten. Nun steht er mit seinem Team sogar an der Tabellenspitze der Liga.

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Sieben Spiele, sechs Siege, 19:3 Tore. Das ist die Statistik des SV Stüdenitz, Tabellenführer der Kreisklasse Süd im Fußballkreis Prignitz/Ruppin. Mit dieser Zwischenbilanz vor der Corona-Zwangspause hätten die wenigsten Anhänger des SVS gerechnet, doch die Kicker von André Ehlert "ernten ihre Früchte für die harte Arbeit", wie der Übungsleiter, Sportliche Leiter und Vize-Präsident selber sagt. Ehlert führt diese drei Ämter in Personalunion aus.

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Der 45-Jährige ist der Inbegriff einer treuen Seele. Mit 18 Jahren übernahm Ehlert die B-Junioren des Vereins und führte sie an den Männerbereich heran, mit 21 war er dann schlussendlich selber Trainer der ersten Herren. "Wir sind mit dem kompletten Jugendteam hoch und haben die Altehrwürdigen verabschiedet", erklärt der Fan von Dynamo Dresden, "wir sind dann gut durchmarschiert, aber irgendwann ist das junge Team auf Grund von Ausbildungen oder Studium auseinander gebrochen."

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Das war auch die Zeit, als Ehlert den Verein in Richtung Schwarz-Rot Neustadt verließ - zu den A-Junioren in die Landesklasse. Nach nur einem Jahr kehrte er, arbeitsbedingt, jedoch wieder zurück und wurde erneut Trainer des SVS. Seit über 20 Jahren ist Ehlert nun nicht nur Trainer des Vereins, sondern übernahm später auch den Posten des Vizepräsidenten und Sportlichen Leiters.

Dass der Verein überhaupt noch am Leben ist, ist auch sein Verdienst. Die letzte Krise im Jahr 2018 überwältigte er mit Bravour und hatte einen ganz besonderen Kniff, wie er die Spieler wieder in das kleine Dorf in der Nähe von Neustadt (Dosse) locken könnte, auf Lager. "Wir haben die Zielstellung auf Spaß umgestellt und unseren Fokus auf Mannschaftsabende gesetzt", erklärt Ehlert, "damit kamen wieder mehr Leute zurück."

Grundstein für die erfolgreiche Saison wurde im Vorjahr gelegt

Sportlich lief es dabei alles andere als rund, am Ende der Spielzeit 2018/2019 sprangen der letzte Tabellenplatz und nur elf Punkte aus 18 Spielen heraus. Das Torverhältnis damals: 25:63. Wie schaffte Ehlert mit dem SV Stüdenitz aber diese Wende? "Die Jungs wollten einfach wieder öfter gewinnen und so haben wir das Konzept wieder umgestellt, hatten diesmal aber 20 Spieler im Kader", verrät Ehlert.

Im folgenden Jahr machte sich die Arbeit bezahlt: Bis zum Saisonabbruch auf Grund des Coronavirus standen die Stüdenitzer auf Tabellenplatz vier und hatten sogar den Erzrivalen und direkten Lokalkonkurrenten Victoria Breddin in Sichtweite. "Da haben die Jungs den Grundstein für diese bisher so starke Saison gelegt", erklärt der in einer Personalabteilung einer politischen Stiftung arbeitende Ehlert.

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Doch auch andere Faktoren spielen eine große Rolle bei der so starken Spielzeit des SVS. "Wir haben einige ehemalige Spieler reaktivieren können, die auch schon im Land gekickt haben. Noch dazu haben wir jetzt 25 Spieler im Kader und immer mindestens sieben Wechselspieler", erzählt der ehemalige Mittelfeldspieler, "auch im Winter kommen wieder zwei Neue, die Spieler bieten sich mittlerweile selbst an."

Besonders in der Defensive stabilisierte sich die Ehlert-Elf enorm - nur drei Gegentore sprechen Bände. Der "Hauptpunkt", so Ehlert, "liegt in der vergangenen Winterpause." Dort kam Abwehrspieler Max Relau vom SV Demerthin nach Stüdenitz und Kapitän Dennis Müller ging aus dem Mittelfeld wieder in die Verteidigung zurück. "Zuvor haben wir viel Wert auf die Offensive, und damit auch auf Spaß, gelegt. Das hat sich nun geändert."

Neben den Hauptakteuren wie Müller, Sandro Scheffler, Brian Borck, der Spielmacher mit der Nummer elf auf dem Rücken, oder Cornelius Reumuth, der beste Torjäger der Liga mit neun Treffern, soll aber auch die restliche Mannschaft nicht vergessen werden. "Hier herrscht ein super Klima und alles ist intakt. Wir haben gute Sponsoren, ein großes Sporthaus und die Rahmenbedingungen sind exzellent. Theoretisch könnte man auch wieder höherklassig angreifen", plaudert Ehlert, der in Stüdenitz geboren ist, seit 20 Jahren aber in Potsdam lebt, aus dem Nähkästchen.

Das Ziel: Das 110-jährige Jubiläum

Konkrete Worte über den Aufstieg möchte er jedoch nicht von sich geben, zu eng sei die Liga im oberen Tabellendrittel. "Ich bin Realist und wir haben mit Victoria Breddin, unserem nur zwei Kilometer entfernten Ortsnachbarn, einen harten Gegner. Aber auch Lindow will ich nicht vergessen." Als Ziel formuliert Ehlert den Aufstieg in die Kreisliga nicht, dafür gibt es da etwas anderes, was der Verein erreichen will.

"Wir haben vor zwei Jahren gesagt, dass wir das 110-jährige Jubiläum erreichen wollen. Das ist jetzt noch zwei Jahre hin und das wollen wir schaffen", sagt Ehlert und verrät: "Das soll wieder eine Riesenveranstaltung sein, wie zum 100-Jährigen. Wir wollen wieder eine Traditionsmannschaft stellen und dann gegen einen großen Verein kicken." Im Jahr 2012 gastierte der FSV 63 Luckenwalde in dem kleinen Örtchen nahe der sachsen-anhaltinischen Grenze und siegte souverän mit 15:1 (7:0).

"Wir sind sehr stolz auf diese Entwicklung, aber das war ich auch, als wir damals Tabellenletzter waren. Nun sind wir sind sehr zufrieden, dass wir so gute Spieler ohne Geld zu uns geholt haben. Das hätte ich mir nicht ausmalen können", verrät Ehlert mit einem optimistischen Blick in die Zukunft.