29. November 2020 / 15:12 Uhr

Seit dem Zoff in Wolfsburg gewinnt Glasner nur noch - und jetzt sogar mit vielen Toren

Seit dem Zoff in Wolfsburg gewinnt Glasner nur noch - und jetzt sogar mit vielen Toren

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Erstmals drei Liga-Siege in Folge: VfL-Trainer Oliver Glasner
Erstmals drei Liga-Siege in Folge: VfL-Trainer Oliver Glasner © Roland Hermstein
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2:1 gegen Hoffenheim, 2:0 auf Schalke und jetzt 5:3 gegen Werder Bremen - seit dem Transferzoff um Trainer Oliver Glasner hat der VfL Wolfsburg nur Siege eingefahren. Dass der Erfolg am Freitag spektakulär war, war kein Zufall, denn das passiert dem VfL gegen Bremen häufiger mal.

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Tor-Spektakel in Wolfsburg zum Jubiläum: Das 5:3 des VfL am Freitagabend gegen Werder Bremen war nicht nur der 300. Sieg der Wolfsburger Bundesliga-Geschichte, es war auch eines der torreichsten Spiele des VfL. Nur dreimal fielen in der höchsten Spielklasse in Partien mit Wolfsburger Beteiligung mehr Treffer - 1999 gegen Bremen (7:2 für den VfL), 2016 in Leverkusen (5:4 für den VfL) und 2019 gegen Augsburg (8:1 für den VfL). Kurios: Bei vier der zwölf torreichsten Wolfsburger Partien hieß der Gegner Werder Bremen!

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Die torreichsten Spiele des VfL Wolfsburg in der Bundesliga

Acht Treffer oder mehr: Die torreichsten VfL-Spiele Zur Galerie
Acht Treffer oder mehr: Die torreichsten VfL-Spiele ©

Immer wieder wild gegen Werder - 2:7 in Wolfsburg, 3:5 und 5:3 in Bremen, jetzt wieder ein 5:3. Spektakel-Fußball, der auch Jörg Schmadtke gefallen hat: „Das war ein unterhaltsames Spiel für den neutralen Fußball-Fan", so der Manager, der sich über die fünf eigenen Treffer "mehr gefreut" hat als dass er sich über die drei Gegentreffer ärgerte. Denn: "Ich mag unterhaltsame Spiele. Nichtsdestotrotz, wenn du für einen der beiden Klubs verantwortlich bist, dann hast du bei dem einen oder anderen Thema schon mal graue Haare. Jetzt habe ich ja nicht mehr so viele Haare, deswegen ist es nicht so schlimm…"

Die Fakten zum Spektakel: Die jeweils ersten drei Schüsse aufs Tor auf beiden Seiten waren drin, der VfL drehte erstmals in dieser Saison ein Spiel nach einem Rückstand - und schoss zum ersten Mal mehr als zwei Tore in einer Partie. Schmadtke: "Insgesamt war das von der Dramatik her schon sehr unterhaltsam. Das sind Spiele, die Menschen an Klubs binden." Trainer sehen so etwas naturgemäß ein klein wenig differenzierter. "Es hieß, wir können keine Tore schießen, jetzt haben wir gleich fünf Tore geschossen", so VfL-Coach Oliver Glasner. "Es freut mich, dass auch die Spieler sehen, dass wir viele Tore erzielen können. Das Spiel können wir gut analysieren und sehen, was uns in der Defensive noch gefehlt hat."

Schmadtke wünscht sich einen "Drecksack"

Für Glasner war's zudem auch eine Premiere: Zum ersten Mal gewann der Österreicher in der Bundesliga drei Spiele nacheinander! Und es waren ausgerechnet die drei Spiele nach dem Transferzoff und der anschließenden Aussprache zwischen Glasner, Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer. Offenbar war der Ärger nach Glasners Transfer-Kritik eher hilfreich als störend. „So etwas kann dann ein Problem sein, wenn eine Mannschaft glaubt, dass sie sich zwischen A oder B entscheiden müsste. Das war aber bei uns nicht so", findet Schmadtke. "Die Mannschaft weiß, dass sie ihren Job zu machen hat – und das macht sie. Wir haben eine gute und anständige Mannschaft, manchmal ist sie mir etwas zu anständig. Manchmal würde man sich den einen oder anderen, ich sag mal ,Drecksack' auf dem Platz, mehr wünschen. Aber insgesamt haben wir eine richtig tolle Truppe beisammen.“

Die drei Siege nacheinander lassen die Erinnerung an den Ärger mehr und mehr in den Hintergrund treten. Was bleibt? Schmadtke: "Ich bin ja der felsenfesten Überzeugung, dass jeder sagen kann, was er meint", das gelte natürlich auch für den Trainer. "Man muss unter Umständen nur mit einer öffentlichen Antwort rechnen. Ich finde das nicht schlimm."

300 Siege: "Für den Standort wichtig"

Dass es am Freitagabend der 300. Bundesliga-Sieg war, ist ein Geschichtsbuch-Eintrag, der Schmadtke "nicht so viel bedeutet". Aber: "Ich glaube, dass das für den Standort wichtig ist. Wenn man Fan von Statistiken ist, dann sollte man sich darüber Gedanken machen, ob man im Zusammenhang mit uns noch von fehlender Tradition sprechen kann...“

Dass das Spiel gegen Werder nun auch in der Liste der torreichsten Wolfsburg-Spiele auftaucht, war Bartosz Bialek zu verdanken, der den achten und letzten Treffer erzielt hatte. "Es freut mich sehr für ihn, dass er getroffen hat. Er war davor schon an zwei, drei gefährlichen Situationen beteiligt", so Glasner über die Bundesliga-Torpremiere des 19-jährigen Polen, der vor der Saison aus Lubin gekommen war. Tor als Joker - "so etwas wünscht man sich als Trainer, dass Spieler den entscheidenden Impuls bringen können. Er ist unglaublich positiv und ehrgeizig", so Glasner.