08. September 2020 / 19:11 Uhr

Sektoren, Cluster, Security: So setzen Leipzigs Sportvereine ihre Hygienekonzepte um

Sektoren, Cluster, Security: So setzen Leipzigs Sportvereine ihre Hygienekonzepte um

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
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Bei Chemie Leipzig waren zuletzt 2000 Zuschauer im Stadion in sogenannte Cluster eingeteilt. Jetzt kommt es darauf an, dass sich alle Fans an die Richtlinien halten. © PICTURE POINT
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Neustart nach Corona: Für die Sportvereine geht nichts ohne Hygienekonzept. Die Regelungen überschneiden sich teilweise, werden aber individuell an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. Ein Wirrwarr mit System – hier ein Überblick.

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Leipzig. Der Appell: Hände desinfizieren. Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten. Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Betreten von Sportstätten. Rechtzeitiges Erscheinen am Einlass vor Spielbeginn. Ausgefüllte Gesundheitsbögen. Grüppchenbildung oder herzliche Begrüßungsrituale verboten. Einhalten der Husten- und Nies-Etikette. Einbahnstraßensysteme, durch die Fans geschleust werden. Verzehr von Speisen nur an zugewiesenen Sitz- und/oder Stehplätzen. Und: Die Sportler und deren Betreuerteams müssen frei von jeglichen Covid-19-Symptomen sein. Vereine und Veranstalter sind sich bezüglich einer Reihe der Maßnahmen nicht nur einig, sie halten sich dabei auch strikt an die Vorgaben der Gesundheits- und Ordnungsämter.

Die Handballer des SC DHfK Leipzig durften zuletzt vor 725 Zuschauern testen. Der Verein war mit der Umsetzung des Hygienekonzepts, das in Stufen eine Steigerung der Zuschauerzahl vorsieht, zufrieden. Bei der jüngsten Partie gegen die Füchse waren erstmalig wieder Tageskarten verfügbar. Auch eine dritte Tribünenseite wurde geöffnet. Das war bei den vorherigen Testspielen gegen den EHV Aue (250 Fans) und Kielce (500 Zuschauer) noch nicht notwendig.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Test gegen die Füchse

In einer spannenden Test-Partie trennten sich die Bundesligisten SC DHfK Leipzig und Füchse Berlin mit 32:32. Zur Galerie
In einer spannenden Test-Partie trennten sich die Bundesligisten SC DHfK Leipzig und Füchse Berlin mit 32:32. ©

Zugang zu den Sitzplätzen fanden die Anhänger über getrennte Eingänge zu vier geschaffenen Sektoren in der Halle. Die Zuschauer blieben während der Partie zwischen den einzelnen Zonen getrennt. „Zwei Personen dürfen nebeneinander stehen“, erklärte DHfK-Manager Karsten Günther. Rundherum: ein Radius von 1,5 Metern, zwecks Sicherheitsabstand. Der Clou: Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle wurden als „Hygieneaufsichtspersonen“ ins Boot geholt.

Der Verein hat übrigens ein Konzept für den Start der Handballbundesliga bearbeitet und eingereicht. Wie viele Schaulustige wohl zum Anwurf am 1. Oktober gegen die Eulen Ludwigshafen dabei sein dürfen?

Freiluftveranstaltung im Vorteil

1.000 Gäste durften am Wochenende im Kanupark Markkleeberg anwesend sein. Dort stiegen die Deutschen Meisterschaften der Slalom-Kanuten. Hier hatten es die Veranstalter einfacher. „Die Wettkämpfe fanden unter freiem Himmel statt“, erklärte der Chef des lokalen Organisationskomitees Christoph Hirsch.

Zuschauer- und Wettkampfbereich waren voneinander getrennt, mit separaten Eingängen. In einem gekennzeichneten Bereich konnten sich Zuschauer frei bewegen und hatten innerhalb der ersten Hälfte der Wettkampfstrecke die Möglichkeit, das Geschehen zu verfolgen.

Lok hofft auf mehr Zuschauer

Beim 1. FC Lokomotive Leipzig hat unterdessen das Ordnungsamt seine Fühler ausgestreckt. „Beim Spiel gegen den Berliner AK waren die Beamten vor Ort und mit der Umsetzung zufrieden“, erklärte Geschäftsführer Martin Mieth. Im Sitz- bzw. Stehplatzbereich müssen die Dauerkarteninhaber zugeteilte Plätze einhalten. Die 1.000 Fans dürfen sich max. zu zehnt in zugewiesenen Zonen aufhalten.

Innerhalb eines Abschnitts befinden sich zusätzlich angebrachte Bodenmarkierungen: Für jeden Fan ein Klebchen zur Orientierung. Absperrbänder wiederum trennen die Zonen voneinander. Der Verein habe vergangenen Freitag ein Gespräch mit dem Gesundheitsamt geführt. „Wir hoffen auf Veränderungen im Laufe der Woche und eine höhere Zuschauerzahl“, sagte Mieth.

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Bei der BSG Chemie Leipzig ist man da schon weiter, freut sich mittlerweile über die doppelte Anzahl an zugelassenen Fans. Im Alfred-Kunze Sportpark sitzen und stehen zehn Gäste innerhalb eines sogenannten Clusters. Diese sind mit ausreichend Abstand zueinander angeordnet. Ein Wechsel zwischen den Bereichen ist nicht möglich.

Die Fans dürfen ein Cluster frei wählen und müssen das Spiel über in diesem verbleiben. Das Besondere: Jeder Bereich hat einen gesonderten Eingangs-, Catering- und Toilettenbereich. Eine zusätzliche Absicherung: Innerhalb der ersten zehn Minuten einer Partie scannen 30 Fanordner die Tickets, um nachzuvollziehen, wer wo das Spiel zusammen verbringt.

Spitzenathleten in Dessau

Ein Blick nach Sachsen-Anhalt: Beim Leichathletikmeeting „Anhalt 2020" am 8. September gingen nicht nur 120 Athleten an den Start. Dank der Zusammenarbeit des Vereins Anhalt Sport e.V. mit der Stadt Dessau und dem Land durften 1.000 Zuschauer dem Spektakel beiwohnen. Bitter: Den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung für 2.500 Zuschauer lehnte das Gesundheitsamt ab.

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Die Sprinterin Rebekka Haase (m.) gewinnt das Finale vor Lisa-Marie Kwayie (l.) und Lisa Nippgen (r.). © dpa

Auf 300 Steh- und 700 Sitzplätzen konnten die Fans Athleten wie den aktuell weltbesten Stabhochspringer Piotr Lisek und die weltweite Nummer eins im Speer, Johannes Vetter, anfeuern. Markierungen sorgten für den nötigen Abstand im Stehbereich, der für eigentlich 4.000 Personen ausgelegt ist. Auf der Sitzplatztribüne setze der Veranstalter ebenfalls auf Cluster-Bildung.

Verweis auf Corona-Warn-App

Ralph Hirsch, Sportmanager vom Ausrichter Anhalt Sport e.V., hat sich beim Konzept an dem der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig orientiert. „Man muss nicht die Dinge neu erfinden, die schon vorhanden sind.“ Der Zutritt für die Athleten zum Stadiongelände erfolgte disziplinweise zwei bis drei Stunden vor Wettkampfbeginn. Der Aufenthalt auf dem Stadiongelände wurde zeitlich eingeschränkt. Angepasst wurde das Paket an die örtlichen und regionalen Spezifika des Paul-Greifzu-Stadions. Das Leichtathletikmeeting ist nach dem ISTAF in Berlin das bedeutendste Event der Branche.

Mit der Veranstaltung wolle man Vorbild sein und spezielle Bedingungen für Besucher und Athleten schaffen, so Hirsch. Der Veranstalter wies sogar auf die Verwendung der Corona-Warn-App hin. Auch an der Sicherheit wurde nicht gespart. Hauptamtliche Security-Männer kamen zum Einsatz. „Wir hatten unsere Sicherheitskräfte verdreifacht“, erklärt Hirsch