02. Mai 2021 / 10:12 Uhr

Seltsame Gefühle: BSG Chemie Leipzig unterlag dem FSV Zwickau im Landespokal knapp

Seltsame Gefühle: BSG Chemie Leipzig unterlag dem FSV Zwickau im Landespokal knapp

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Steffen  Nkansah (Zwickau 25), Burim Halili (BSG 28), Can Coskun (Zwickau 22)
In der Klemme: Burim Halili (Mitte) konnte sich schlussendlich gegen Steffen Nkansah und Can Coskun vom FSV Zwickau nicht entscheidend durchsetzen. © Christian Modla
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Nach dem unglücklichen Ausscheiden im Sachsenpokal wartet die BSG Chemie Leipzig auf die nächsten Entscheidungen des Norddeutschen Fußballverbandes (NOFV). Auch Torwart Benjamin Bellot wünscht sich, dass alle Fragen hinsichtlich der nächsten Saison in der Regionalliga bald geklärt sind. 

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Leipzig. Sehr seltsam fühlte sich das Viertelfinale zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem FSV Zwickau (0:1) am Samstagnachmittag an. Daran schuld waren nicht nur das Geisterspiel und die daraus resultierenden leeren Ränge. Seltsam war bereits der Gedanke, dass es sich um einen Wettbewerb handeln soll, bei dem eine Mannschaft regelmäßig unter Profibedingungen trainiert und im Ligaalltag spielt, während die Gastgeber seit einem halben Jahr kein Ligaspiel mehr absolvierten.

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Nicht nur „kleine Nachteile“ für Chemie

Obwohl die BSG Chemie drei Mal die Woche trainiert und auch eine Reihe von Testspielen stattfand, kann von einer annähernden Chancengleichheit nicht gesprochen werden. Vielmehr stellt sich die Frage: Hätte der Sächsische Fußball-Verband nicht vielleicht ein Zeichen setzen können, indem er den Pokal ganz abgesagt hätte, und sich per Geste auch mit den vielen Amateurfußballerinnen und -fußballern solidarisieren können, die nicht mal einen Trainingsplatz betreten dürfen? Oder muss für dieses herbeikonstruierte Viertelfinale mit seiner eigenartigen Auslosung wieder einmal die Floskel „Der Pokal hat eigene Gesetze“ herhalten? Wie geht es den Spielern und dem Trainer, die nach sechs Monaten das erste Mal wieder einen richtigen Spieltag erleben und dann ausgerechnet noch im K-O-System?

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Sachsenpokal-Spiel

Keine Überraschug im AKS: Regionalligist Chemie Leipzig fliegt gegen Drittligist FSV Zwickau aus dem Sachsenpokal- Zur Galerie
Keine Überraschug im AKS: Regionalligist Chemie Leipzig fliegt gegen Drittligist FSV Zwickau aus dem Sachsenpokal- ©

„Angespannt“ sei er vor dem Spiel gewesen, so Routiner Benjamin Boltze, der vor kurzem seinen Vertrag um ein Jahr verlängerte. Er bemerkte zwar „kleine Nachteile“ für Chemie in dem Pokalwettbewerb. Jedoch waren alle fit und so konnte die BSG Chemie bei der knappen 0:1-Niederlage „gut dagegen halten“ und hat sich seiner Meinung nach „gut verkauft“. Anders wäre es sicherlich gewesen, wenn das Stadion voll gewesen wäre. „Wir hätten gern noch zwei Spiele absolviert“, fügt der 34-Jährige hinzu und er weiß auch um das „große Privileg, überhaupt trainieren und spielen zu können.“ Sein Dank nach dem Spiel galt den Zaungästen, die die Mannschaft unterstützt haben und so ein bisschen Heimspielatmosphäre bereiteten. Dass ausgerechnet ein Standardtor den Sieg der Gäste brachte, ärgerte ihn. Das ging seinen Kollegen nicht anders.

Torwart Benjamin Bellot kam bereits der ganze Tag vor Anpfiff „seltsam“ vor. Der 30-Jährig spürte nach der langen Spielpause durchaus Nervosität, die ihm auf dem Platz allerdings nicht anzumerken war. Dass der Ball von Felix Drinkuth in der 72. Minute überhaupt den Weg ins Tor fand, verwunderte den Torhüter. Er hätte niemals damit gerechnet, dass „der Ball hinter die Linie gelangen könnte“.

„Die Spieler haben sich ordentlich verkauft“

Mit Blick in die Zukunft wünscht sich Bellot, dass die Ungewissheit zur nächsten Saison bald geklärt wird. Und was bei all den aktuellen Umständen nicht vergessen werden sollte – Chemie hat die jetzt abgeschlossene Saison als Tabellendritter klar gezeigt: „Wir können Fußball spielen“. Diese Entwicklung stimmt auch Sportdirektor Andy Müller-Papra nach der Niederlage froh. „Die Mannschaft hat das gut gemacht und war gut eingestellt.“ Nun gilt es die Weiterentwicklung zu planen und „punktuell“ noch die Mannschaft der nächsten Saison zu formen.

Das sieht Trainer Miroslav Jagativ genauso. Die Enttäuschung nach dem Spiel kann er zwar äußerlich trotz Maske gut weg lächeln, denn er weiß auch „die Spieler haben sich ordentlich verkauft. Natürlich ist die Niederlage schwer hinzunehmen.“ Wie auch die Saison: Gestartet als Team, das für den Klassenerhalt Punkte sammelt und sich dann beim Abbruch des Spielbetriebs auf Platz 3 in der Tabelle findet „und im Flow ist“.

Weitere Meldungen zur BSG Chemie Leipzig

Am Montag trifft sich die Mannschaft, bespricht die nächste Zeit und wartet auf eine Entscheidung des NOFV, wie es nun weitergehen soll. Konkrete Pläne für die nächste Saison liegen noch nicht auf dem Tisch. Es wird von einem Saisonstart im Juli gemunkelt.