04. Juli 2021 / 12:37 Uhr

Von Italien-Routinier Chiellini bis England-Youngster Bellingham: Die EM-Halbfinalisten im Erfahrungs-Check

Von Italien-Routinier Chiellini bis England-Youngster Bellingham: Die EM-Halbfinalisten im Erfahrungs-Check

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Italiens Giorgio Chiellini (l.) geht mit reichlich Erfahrung ins EM-Halbfinale. England und Jude Bellingham stellen indes das jüngste Team unter den letzten Vier.
Italiens Giorgio Chiellini (l.) geht mit reichlich Erfahrung ins EM-Halbfinale. England und Jude Bellingham stellen indes das jüngste Team unter den letzten Vier. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur/Xinhua/LaPresse/Sportimage (Montage)
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Die englische Nationalmannschaft marschiert bislang ohne Gegentor durch die EM. Und das mit einem vergleichsweise unerfahrenen Kader. Unter den Halbfinalisten stellen Jude Bellingham und Co. das jüngste Team. Italien fährt dagegen besonders in der Defensive geballte Routine auf. Der SPORTBUZZER blickt auf die Erfahrung der EM-Halbfinalisten.

Das Teilnehmerfeld dünnt sich im Endspurt der Europameisterschaft weiter aus. Nur noch vier Teams kämpfen beim laufenden Turnier um den Titel. Auch manch altgedienter Routinier hat sich mit seiner Mannschaft in den vergangenen Tagen aus dem Turnier verabschiedet. Durch die Pleite von Belgien gegen Italien (1:2) etwa schieden mit Dries Mertens (102), Eden Hazard (111), Toby Alderweireld (113), Axel Witsel (114) und Jan Vertonghen (131) gleich fünf Spieler mit der Erfahrung von jeweils über 100 Länderspielen aus. Und dennoch: Auch unter dem verbliebenen Quartett setzt manch eine Auswahl auf geballte Routine. Mit England mischt indes zugleich eine vergleichsweise junge Mannschaft im Rennen um den großen Coup mit. Der SPORTBUZZER blickt vor dem Halbfinale auf die Erfahrung der vier Teams.

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Mit einem Durchschnittsalter von 25,3 Jahren sind die Engländer das deutlich jüngste Team unter den vier Halbfinalisten. Die Erfahrensten bei den "Three Lions" – Raheem Sterling und Jordan Henderson – verfügen mit 66 und 62 Länderspielen über verhältnismäßig wenige Länderspiel-Einsätze. Zum Vergleich: Mittelfeld-Routinier Sergio Busquets von der Konkurrenz aus Spanien kommt allein auf 126 Spiele im Trikot der Nationalmannschaft und stand damit fast genauso oft für die A-Auswahl auf dem Rasen, wie das England-Duo zusammen.

Und dennoch gehören die "Three Lions" nicht zuletzt nach dem Sieg über die DFB-Auswahl im Achtelfinale (2:0) sowie dem souveränen Erfolg gegen die Ukraine (4:0) zu den Top-Favoriten. Die Qualität der Auswahl von Trainer Gareth Southgate, der mit 50 Jahren übrigens der jüngste Coach der vier Halbfinalisten ist, bleibt bei einem Blick auf die Kaderliste unbestritten. Neben Kapitän Harry Kane (59 Länderspiele, 27 Jahre alt) sowie Sterling und Henderson gehören auch Kyle Walker (59 Spiele, 31) und Abwehrchef Harry Maguire (35 Spiele, 28) zu den Leadern des Starensembles. Und der Erfolg gibt den Engländern recht. Bislang ging es ungeschlagen durch das Turnier, nicht einmal ein Gegentor musste die Defensive um Keeper Jordan Pickford (36 Spiele, 27) hinnehmen. Einen Rekord stellte zudem Jude Bellingham auf: Beim 1:0 in der Vorrunde gegen Kroatien wurde er mit 17 Jahren und 349 Tagen zunächst der jüngste eingesetzte Spieler der EM-Geschichte. Lange hielt er die historische Bestmarke jedoch nicht. Der Pole Kacper Kozlowski unterbot den Wert bei seinem Einsatz gegen Spanien (17 Jahre, 246 Tage).

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Dem jüngsten Halbfinal-Lineup steht in der Vorschlussrunde mit Dänemark am kommenden Mittwoch (21 Uhr) das älteste Team gegenüber. Für die Auswahl von Trainer Kasper Hjulmand lebt der Traum vom zweiten EM-Titel nach 1992 nach dem Sieg gegen Tschechien (2:1) weiter. Ein Faktor für das starke Turnier der Dänen, die den Schock nach dem Zusammenbruch von Christian Eriksen im Auftaktspiel gegen Finnland (0:1) mit einzigartigem Zusammenhalt überwanden, ist sicherlich auch die Erfahrung. Wie das italienische Team kommt der Kader der Skandinavier auf ein Durchschnittsalter von 27,8 Jahren. Mit Simon Kjaer (112 Länderspiele) gehört zudem ein weiterer Akteur dem "Klub der 100er" an. Bei den Italienern zählen sogar zwei Spieler zu diesem illustren Kreis.

Italien setzt auf Erfahrung in der Defensive

Im letzten Schritt vor dem Finale trifft die "Squadra Azzurra" am Dienstag auf Spanien (21 Uhr). Die Schützlinge von Trainer Roberto Mancini setzten sich in der Runde der letzten Acht gegen Belgien durch (2:1). "Bonucci und Chiellini sind derzeit die besten Innenverteidiger der Welt", twitterte Bastian Schweinsteiger im Anschluss an den überzeugenden Auftritt der Italiener. Sowohl Leonardo Bonucci als auch Kapitän Giorgio Chiellini hatten gegen die Belgier über die volle Distanz auf dem Platz gestanden, bildeten abgesehen von den beiden verletzungsbedingten Ausfällen Chiellinis im Turnierverlauf das zuverlässige Innenverteidiger-Duo in der Mancini-Elf.

Dass Mancini voll auf die beiden Routiniers setzt, ist ein Indiz für den hohen Stellenwert, den die langjährigen Juventus-Kollegen in der italienischen Auswahl genießen. Neu ist diese Erkenntnis aber keineswegs. Mit 110 und 107 Länderspielen strotzen Bonucci (34) und Chiellini (36) vor Erfahrung in der Nationalmannschaft, absolvierten mehr als doppelt so viele Partien für die A-Auswahl, wie Ex-BVB-Angreifer Ciro Immobile, der mit 50 Spielen für die Azzurri im aktuellen EM-Kader auf Platz drei rangiert. Die Routine des Innenverteidiger-Gespanns zahlt sich auch für den Rest des Teams aus: Nur zwei Gegentreffer kassierte Italien im bisherigen Wettbewerb und ist nur noch einen Erfolg vom Finale in Wembley entfernt.

Doch dazu müssen nun zunächst die Spanier aus dem Weg geräumt werden. Und die Auswahl von Trainer Luis Enrique wartet mit dem Erfahrensten der verbliebenen Halbfinal-Aufgeboten auf. 126 Mal schnürte Barcelona-Star Sergio Busquets (32) bereits die Schuhe für Spanien und ist damit nach Sergio Ramos (180), Iker Casillas (167), Xavi (133) und Andrés Iniesta (131) der Mann mit den fünftmeisten Länderspielen der spanischen Historie. Der während der EM-Vorbereitung von einer Corona-Infektion zurückgeworfene Mittelfeldmann führte das Team ab dem dritten Vorrundenspiel als Kapitän ins Halbfinale.

Mit einem Durchschnittsalter von 26,6 Jahren ist die Enrique-Elf trotz des großen Erfahrungswerts von Busquets rund ein Jahr jünger, als Halbfinal-Gegner Italien. Auch weil etwa Ferran Torres (16 Länderspiele, 21 Jahre alt) von Manchester City, Pedri (9 Länderspiele, 18) vom FC Barcelona oder Torhüter Unai Simon (12 Länderspiele, 24) von Athletic Bilbao den Altersschnitt deutlich senken. Gegen die routinierten Italiener kann nun der Beweis folgen, dass sich auch das Vertrauen in jüngere Akteure auszahlen kann.

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