11. September 2019 / 06:00 Uhr

Sergio Ramos im Interview über seinen Rüpel-Ruf, das Foul gegen Salah und das DFB-Team

Sergio Ramos im Interview über seinen Rüpel-Ruf, das Foul gegen Salah und das DFB-Team

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der große Anführer: Sergio Ramos spielt seit 2005 für Real Madrid und gewann mit den Madrilenen vier Mal die Champions League. Mit Spanien wurde er Welt- und zwei Mal Europameister.
Der große Anführer: Sergio Ramos spielt seit 2005 für Real Madrid und gewann mit den Madrilenen vier Mal die Champions League. Mit Spanien wurde er Welt- und zwei Mal Europameister. © Getty
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Er gehört zu den streitbarsten Superstars im Weltfußball: Sergio Ramos eckt an - wegen seiner Extraklasse als Abwehrspieler, aber immer wieder auch wegen fast brutaler Härte. Nun wurde eine Dokumentation über den Welt- und Europameister von Real Madrid gedreht. Der SPORTBUZZER traf den 33-Jährigen in London.

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Er gilt als einer der härtesten und gleichzeitig erfolgreichsten Abwehrspieler der Welt. Sergio Ramos wurde Welt- und zweimal Europameister mit Spanien und gewann mit Real Madrid viermal die Champions League. Und der 33-Jährige polarisiert. Nicht erst, seit er 2018 Liverpools Superstar Mohamed Salah im Finale der Königsklasse schwer verletzte. Der Streamingdienst Amazon Prime durfte Ramos und seine Familie nun für eine Dokumentation begleiten, die ab Freitag zu sehen ist. Der SPORTBUZZER traf den Spanier in London und unterhielt sich mit ihm über Familie und seinen Ruf als Fußball-Rüpel.

SPORTBUZZER: Herr Ramos, warum haben Sie zugestimmt, dass diese Serie über Sie gedreht werden darf?

Sergio Ramos: Für mich ist es eine Möglichkeit, den Leuten zu zeigen, wie wichtig mir meine Familie ist. Ohne ihre Unterstützung hätte ich nicht so viel erreichen können. Meine Familie hilft mir auch dabei, meine neuen Herausforderungen und Träume zu erreichen.

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Unter welchem Druck standen Sie bei den Aufnahmen?

In der Serie sieht man nicht nur die guten Zeiten eines Fußballers. Wir haben mit den Aufnahmen in einem meiner schlechtesten Berufsjahre begonnen (in der vergangenen Saison blieb Real Madrid ohne Titel; d. Red.). Manchmal geht man traurig nach Hause, weil die Dinge nicht so laufen, wie man es erwartet. Und dann geht man traurig nach Hause, weil man nicht in der Lage war, seine Fans glücklich zu machen. Ich habe mein Herz und die Türen des Hauses geöffnet, damit die Menschen die Wirklichkeit sehen, bevor sie ein Urteil fällen.

Sergio Ramos: "Es ist wahr, dass mich manchmal Leute falsch einschätzen"

Waren Sie besorgt darüber, dass Ihre Kinder in der Serie mitspielen?

Wir haben uns sehr wohlgefühlt und daher sehr intime Dinge aufgenommen. Ich denke, dass es mit dazugehört. Sie nicht zu zeigen, wäre irreführend. Ich will ganz normal die Tage in meinem Leben zeigen.

Sie mussten nach dem Foul im Champions-League-Finale 2018 an Liverpools Mo Salah viel Kritik einstecken.

Das ist ein Teil meines Lebens, damit muss ich klarkommen. Ich respektiere die Meinung aller, und es ist wahr, dass mich manchmal Leute falsch einschätzen. Doch daran darf man nicht denken, da es einen von seinen Zielen abbringen kann.

Diese Szene machte Sergio Ramos in England extrem unbeliebt: Im Champions-League-Finale 2018 gegen Liverpool zieht er Mohamed Salah zu Boden. Der Ägypter verletzt sich schwer am Arm.
Diese Szene machte Sergio Ramos in England extrem unbeliebt: Im Champions-League-Finale 2018 gegen Liverpool zieht er Mohamed Salah zu Boden. Der Ägypter verletzt sich schwer am Arm. © imago images / VI Images

Sergio Ramos verrät: So wird die Zeit nach dem Karriereende aussehen

Stört es Sie, unbeliebt zu sein?

Ich respektiere die Meinung von jedem. Die Situation mit Salah hat insbesondere in England dafür gesorgt, dass viele anders über mich denken. Ich habe da aber ein ruhiges Gewissen. Ich würde nie einen Kollegen absichtlich verletzen.

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Was wollen Sie nach der aktiven Karriere machen?

Ich denke, dass ich noch ein paar Jahre Zeit habe und große Leistungen bei Real Madrid sowie in der Nationalmannschaft abrufen kann. Ich kann nur jetzt schon sagen, dass ich mit der Sportwelt verbunden bleiben möchte. Das ist die Welt, in der ich weiterleben möchte.

Wer war als Kind Ihr Vorbild?

Als Kind habe ich mir nichts mehr gewünscht, als Fußballer zu werden, und zwar Stürmer, um Tore zu schießen. Ich habe zu den Torjägern der damaligen Zeit aufgeschaut: Ronaldo, Claudio Caniggia – auch wegen der langen Haare – und Hernán Cres­po. Als ich älter wurde, änderte ich meine Position und ging in die Abwehr, da gefielen mir Paolo Maldini, Fernando Hierro und andere.

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Sergio Ramos adelt Toni Kroos: "Ein unverzichtbares Mitglied" von Real Madrid

Wie wichtig ist Toni Kroos für Real?

Für mich ist er ein unverzichtbares Mitglied unseres Teams, das für die Balance sorgt. Seitdem er hier angefangen hat, hat er überragende Arbeit geleistet. Er bietet unserem Spiel Lösungen und ist ein außergewöhnlicher Vorlagengeber, der mir viele Kopfballtore aufgelegt hat.

Das Berufsleben eines Fußballers ist relativ kurz. Gibt es etwas, was Sie bereuen nicht getan zu haben?

Ich hätte gern die Städte, in denen wir spielen, besser kennengelernt. Man fliegt hin, geht ins Hotel, spielt und reist wieder ab. Am Ende bin ich überall auf der Welt gewesen, habe aber kaum eine Stadt so erleben können, wie ich es gern mache. Und neben dem Fußball bleibt zu wenig Zeit für deine Liebsten, deine Familie: deine Frau und Kinder, deine Eltern, deine Verwandten. Die Kinder werden so schnell groß. Es gibt Momente, die kommen nie wieder, und die verpasst man. Man muss viel Zeit in die Lebensphase als Fußballer stecken, um es später leichter zu haben, da geht viel verloren.

<b>SPORT</b>BUZZER-Mitarbeiter René Wenzel traf Sergio Ramos in London.
SPORTBUZZER-Mitarbeiter René Wenzel traf Sergio Ramos in London. © SPORTBUZZER

Wie hat es Sie verändert, Vater geworden zu sein?

Kinder lassen dich stärker fühlen. Nach Hause zu kommen und einen Kuss von ihnen zu erhalten lässt Siege und Niederlagen auf dem Feld in anderem Licht erscheinen. Vater zu werden ist die schönste Erfahrung, die dir im Leben passieren kann. Dieses mit so kleinen Menschen zu teilen, die so viel aus dir herausholen, das vorher nie jemand geschafft hat, hat große Bedeutung. Meine Familie hat mir viel Gleichgewicht und Stabilität gegeben.

Sergio Ramos: "Ich habe eine hohe Meinung vom deutschen Fußball"

Warum wechseln eigentlich so wenig Superstars nach Deutschland?

Weil es dort sehr viel regnet, wie ich so höre (lacht). Ich habe eine hohe Meinung vom deutschen Fußball und speziell der Nationalmannschaft. Sie gehört bei jedem Turnier zu den Favoriten. Deutschland ist eine Referenz, nicht nur im Fußball. Große Vorbilder in Pünktlichkeit, Disziplin, Ausgeglichenheit, Mentalität. Diese Tugenden hätten viele andere Mannschaften gern. Ich bin ein Bewunderer der deutschen Mannschaft, man kann viel von ihr lernen.

Sergio Ramos beantwortete die auf Englisch gestellten Fragen in seiner Muttersprache Spanisch. Die Übersetzung des Interviews erfolgte durch David Lidón.

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