05. Dezember 2019 / 11:29 Uhr

Rassismus-Vorwürfe: Italienische Sportzeitung "Corriere dello Sport" schockiert mit geschmackloser Titelzeile

Rassismus-Vorwürfe: Italienische Sportzeitung "Corriere dello Sport" schockiert mit geschmackloser Titelzeile

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die italienische Sporttageszeitung Corriere dello Sport leistete sich am Freitag auf seinem Titel eine üble Entgleisung
Die italienische Sporttageszeitung "Corriere dello Sport" leistete sich am Freitag auf seinem Titel eine üble Entgleisung © imago images/LaPresse/Screenshot Corriere dello Sport
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Übler Fehltritt der italienischen Sporttageszeitung "Corriere dello Sport": Das Blatt vergriff sich bei der Titelzeile seiner Ausgabe vom Freitag in der Wortwahl. Rassismus-Vorwürfe werden laut. 

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Die italienische Sporttageszeitung Corriere dello Sport hat mit einer - im besten Fall - takt- und geschmacklosen Überschrift auf der Titelseite seiner Ausgabe vom Freitag für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Mit Blick auf das Spitzenspiel der Serie A zwischen Tabellenführer Inter Mailand und der AS Rom am Abend stellte das Blatt die dunkelhäutigen Profis Romelu Lukaku (Inter) und Chris Samlling (Roma) gegenüber und titelte offenbar in Anlehnung an die unter diesem Namen bekannte Verkaufsaktion des Einzelhandels "Black Friday". Ein schockierender Fehltritt, der von vielen Betrachtern zwangsläufig mit Rassismus in Verbindung gebracht wurde.

Im folgenden Text selbst wurden die beiden ehemaligen Stars von Manchester United dann allerdings als Idole ihrer Teams dargestellt und für ihre klaren Positionierung gegen Rassismus gelobt. Dennoch befeuerte der Corriere dello Sport mit der Gestaltung seines Titels die Debatte um das gesellschaftliche Problem, das auch Italiens Fußball in den vergangenen Monaten immer wieder beschäftigte. Gerade bei Twitter erntete die Zeitung aufgrund der Wahl ihrer Überschrift harte Kritik. Auch die AS Rom reagierte bei dem Kurznachrichtendienst mit Unverständnis.

Gerade Lukaku war zuletzt immer wieder Opfer rassistischer Attacken und Entgleisungen geworden. Der italienische TV-Experte Luciano Passirani hatte sich im September einen geschmacklosen Kommentar über den belgischen Nationalspieler geleistet und war von seinem Sender anschließend entlassen worden. Zuletzt war Lukaku auch im Champions-League-Spiel bei Slavia Prag wegen seiner Hautfarbe angegangen und von den gegnerischen Fans beleidigt worden.

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In Spielen der italienischen Serie A hatten sich zuletzt Fälle gehäuft, in denen Rassismus deutlich wurde. Die 20 Vereine der Liga hatten Ende November einen Offenen Brief veröffentlicht, in dem sie ein konsequentes Vorgehen bei verbalen Ausfällen ihrer Anhänger ankündigten. "Wir müssen anerkennen, dass wir ein ernsthaftes Problem mit dem Rassismus in italienischen Stadien haben und dass wir ihn womöglich im Laufe der Jahre nicht ausreichend bekämpft haben", hieß es in dem Schreiben. In den vergangenen Wochen hätten die Verantwortlichen der Klubs "konstruktive Diskussionen" mit der Liga, dem italienischen Fußballverband und internationalen Experten geführt. Ziel sei es, "dieses Problem anzugehen und zu beseitigen".

Liga-Direktor de Siervo mit fragwürdigem "Lösungsansatz"

Eine eher fragwürdige "Lösung" des Problems hatte derweil Liga-Direktor Luigi de Siervo. Die Zeitung La Repubblica veröffentlichte am Dienstag auf ihrer Internetseite einen Audio-Mitschnitt, in dem der Funktionär vorschlägt, die Mikrofone im Stadion abzuschalten, sollten Fans rassistische Gesänge anstimmen. Die Sprechchöre wären dann nicht im Fernsehen zu hören. Der Zeitung zufolge wurden die Äußerungen anscheinend heimlich bei einem Treffen hochrangiger Vertreter der Serie A im September aufgezeichnet. De Siervo gab laut des Blattes zu, dass es sich um seine Stimme handele. Er kündigte rechtliche Schritte an, sagte aber nicht, gegen wen.

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