16. September 2021 / 19:03 Uhr

Sermuths Ex-Trainer Salomon zur digitalen Verabschiedung vom Team: „War alternativlos“

Sermuths Ex-Trainer Salomon zur digitalen Verabschiedung vom Team: „War alternativlos“

Ronny Pohle
Leipziger Volkszeitung
Fußballtrainer Daniel Salomon hat sich bei Eintracht zum Rücktritt entschlossen.
Fußballtrainer Daniel Salomon hat sich bei Eintracht zum Rücktritt entschlossen. © Ronny Pohle
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Im Interview erklärt Fußballtrainer Daniel Salomon, warum er in Sermuth nach dem Pokaltriumph gegen Bad Lausick das Handtuch geworfen hat. Der Abschied von seiner Mannschaft ist dem Coach schwergefallen.

Sermuth. Daniel Salomon ist in der hiesigen Fußballregion beileibe kein Unbekannter. Zuletzt sorgte er für eine Überraschung, als er den Trainerposten bei Landesklassist Eintracht Sermuth aufgab. Im Interview spricht der Coach über die Gründe.

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SPORTBUZZER: Herr Salomon, ihr Rücktritt als Trainer in Sermuth kam zum damaligen Zeitpunkt relativ überraschend, zumal sie zwei Tage zuvor noch Liga-Konkurrent Bad Lausick aus dem Pokal geworfen hatten. Mit etwas Abstand – was waren die Gründe?

Daniel Salomon: So kurz nach dem Pokalsieg kam es sicher für Außenstehende etwas überraschend. Aber wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören. Nein, im Ernst: Zum Ende der Corona-Pause wusste ich, dass ich mich etwas um meine Gesundheit kümmern muss, habe darüber auch schon zeitig meinen sportlichen Leiter in Sermuth informiert. Der Verein war im Bilde. Ich wollte es aber erst einmal im Stillen behalten, um keine Unruhe in die Mannschaft zu bringen. Im Zuge der Vorbereitung habe ich dann auch mit meinem Trainerteam Drescher und Martin darüber gesprochen. Die Mannschaft haben wir aus den genannten Gründen erst einmal nicht einbezogen. Ich wollte, dass die Jungs sich völlig auf ihren Sport konzentrieren können. Kurz vor Ende der Vorbereitung habe ich das Team dann informiert, dass ich längere Zeit ausfallen werde. Und mein Co in dieser Zeit meine Aufgaben übernimmt. Doch jeder der mich kennt, weiß, dass es für mich schwierig ist, wenn ich nicht selbst meinen Beitrag leisten kann. Ich habe immer gesagt, dass ich nur das von meinen Jungs verlange, was ich selber bereit bin zu geben. Und das sind bei mir immer 150 Prozent. Da sich dann gesundheitlich die Dinge etwas hingezogen haben, wusste ich, dass ich meinen eigenen Worten auch treu bleiben muss. Denn wenn ich kein Training mehr leite, keine Gespräche mit Spielern führe – wie soll ich dann glaubwürdig meine Mannschaft als Trainer führen? Deshalb habe ich mich dann zum Rücktritt entschlossen. Auch um dem Verein – der mir alle Zeit der Welt gegeben hätte, immer fair zu mir war – für die Mannschaft und am Ende auch meine Trainerkollegen Klarheit zu schaffen.

Wie haben Sie sich von der Mannschaft verabschiedet und wie hat sie reagiert?

Da ich mich zu diesem Zeitpunkt in der Reha befand, habe ich mich digital mündlich von der Mannschaft verabschiedet. Es ist sehr schwer gefallen, aber war alternativlos. Wie es die Jungs aufgenommen haben? Klar, sie waren traurig, aber haben es verstanden. Ich habe viele persönliche Nachrichten bekommen. Wir haben einfach alle menschlich gut zusammengepasst. Es trifft einen, wenn einige Spieler dir sagen, dass sie wegen dir als Trainer im Verein geblieben sind. Aber am Ende kennen mich die Jungs genau. Trainer sind wie Schall und Rauch. Wichtig ist, dass die Mannschaften – egal wo, diesen Sport leben und das zeigen.

Könnten Sie sich vorstellen wieder nach Sermuth zurückzukommen oder wäre irgendwo anders ein Neuanfang besser? Oder ist die Seitenlinie nun komplett tabu?


Ausgeschlossen ist nie etwas. Es ist schon angenehm, dass sich der eine oder andere Verein bei mir gemeldet hat. Das zeigt, dass meine Arbeit geschätzt wird.

Sie haben bereits einige Stationen als Trainer und Funktionär hinter sich. Neben Sermuth waren das Neukieritzsch, Regis-Breitingen, SG LVB, der Bornaer SV und der FC Grimma. Woran haben sie die besten Erinnerungen und wo war vielleicht alles ein Missverständnis?

Ich mache das Ganze jetzt schon fast 15 Jahre, habe viel erlebt im Fußball, viele Höhen und natürlich auch Tiefen. Rückblickend und mit fortgeschrittenem Alter muss ich sagen, dass jede meiner Stationen seine gute Seiten hatte. Ich konnte Erfahrungen sammeln, mich weiter entwickeln und auch aus meinen Fehlern lernen. Einiges würde ich mit dem Wissen von heute anderes machen, einiges immer wieder gleich. Wenn ich etwas besonders erwähnen soll, muss ich ganz klar sagen: SV Regis-Breitingen. Die gemeinsame Zeit mit Swen Licht als Trainerteam und der Mannschaft war etwas ganz besonderes für mich. Aber grundlegend bin ich für jede Station dankbar.

Ihr zwischenzeitliches Resümee?

Ich wünsche mir einfach, dass mehr junge Kerle diesem Sport wieder die Leidenschaft schenken, den er verdient hat. Viele Vereine machen hier eine super Arbeit, von den Kleinsten bis in den Männerbereich. Aber man hat immer wieder das Gefühl, dass die Männer von heute das alles nur noch als Einzelsport und nicht als Mannschaftssport sehen. Ich wünsche mir, dass die Jungs auf den Platz gehen und nicht nur für sich spielen. Ich habe zu meinen Jungs immer gesagt: „Denkt nicht nur an euch. Denkt daran, was der Verein hier geschaffen hat, um euch das alles so zu ermöglichen. Jetzt geht raus und spielt mal für den Verein, die Mannschaft. Und wenn dann noch was übrig ist, spielt ein wenig für den Trainer.“