22. September 2022 / 19:24 Uhr

Sexuelle Belästigung, Erpressungsversuche, Auftrags-Attacke: Frankreichs Fußball im Skandalsumpf

Sexuelle Belästigung, Erpressungsversuche, Auftrags-Attacke: Frankreichs Fußball im Skandalsumpf

Birgit Holzer
Frankreichs Verbandspräsident Noël Le Graët und Ex-PSG-Spielerin Aminata Diallo (v. l.) haben dem französischen Fußball Negativschlagzeilen beschert.
Frankreichs Verbandspräsident Noël Le Graët und Ex-PSG-Spielerin Aminata Diallo (v. l.) haben dem französischen Fußball Negativschlagzeilen beschert. © IMAGO/PanoramiC (Montage)
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Was ist nur in Frankreich los? Der französische Fußball wird derzeit von Erpressungsversuchen, sexueller Belästigung und körperlichen Angriffen erschüttert. Die Erpressung von Nationalspieler Paul Pogba ist nur die Spitze des Eisbergs.

Frankreichs Fußballverband FFF erlebt stürmische Zeiten. Nicht nur setzen Vorwürfe der sexuellen Belästigung dessen Präsidenten, Noël Le Graët, unter Druck: Dem Magazin So Foot zufolge soll der 80-Jährige Mitarbeiterinnen jahrelang mit anzüglichen SMS bedrängt haben. Er und die FFF-Generaldirektorin Florence Hardouin wurden im Sportministerium vorgeladen, das eine Kontrolluntersuchung durch die zuständige Generalin­spektion ankündigte.

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Auch ging die öffentlich und vor der Justiz ausgetragene Familienfehde zwischen Juventus-Turin-Star Paul Pogba und dessen älterem Bruder Mathias, einem vereinslosen Spieler, in eine neue Runde. Am Wochenende wurde Mathias Pogba festgenommen, weil er mit vier Komplizen, darunter Jugendfreunden der beiden, versucht haben soll, seinen berühmten Bruder zu erpressen. Im März hatten bewaffnete und vermummte Männer den Nationalspieler bedroht und insgesamt 13 Millionen Euro von ihm gefordert – mit der Begründung, sie hätten 13 Jahre lang für seine Sicherheit gesorgt. "Aus Angst habe ich gesagt, dass ich bezahle", gestand Paul Pogba später den Ermittlern. Tatsächlich überreichte der Nationalspieler einem der Beteiligten in der Folge 100.000 Euro in bar, tätigte mehrere umfangreiche Überweisungen und beauftragte seine Bank, 13 Millionen Euro bereitzustellen, bevor er schließlich Klage einreichte. Medienberichten zufolge gingen seine "Freunde" noch im März für 47.000 Euro mit seiner Geldkarte im Adidas-Geschäft auf den Pariser Champs-Élysées shoppen.

Benzema zu Bewährungsstrafe verurteilt

Pogba gilt als Mann, der seine Familie und Freunde finanziell unterstützt. Dennoch klagte ihn sein Bruder Mathias im August im sozialen Netzwerk Tiktok scharf an und kündigte "explosive Enthüllungen" über Paul Pogba in Zusammenhang mit dessen Nationalteamkollegen Kylian Mbappé an.

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Es handelt sich nicht um den ersten Skandal im Zusammenhang mit französischen Fußballern, die von Personen aus ihrem Umfeld, ihrer Familie oder vermeintlichen Jugendfreunden ausgenutzt oder bedroht wurden. Der bekannteste ist jener um Karim Benzema, der sich 2015 darauf einließ, einigen Kumpels von früher bei der versuchten Erpressung seines Nationalteamkollegen Mathieu Valbuena mit intimen Videoaufnahmen zu helfen. In der Folge wurde er jahrelang aus dem Team der Bleus ausgeschlossen und schließlich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Benzema sei ein "Paradebeispiel", zitiert die Zeitung Le Parisien einen Fußball-Funktionär: "Er besitzt Millionen, aber erträgt es nicht, dass man von ihm sagen könnte, er habe vergessen, wo er herkommt." Sehr häufig scharten erfolgreiche Profis Parasiten um sich. Der Sportleragent Laurent Schmitt nennt die Klubs mitverantwortlich: Diese "rekrutieren 13- oder 14-Jährige und geben ihnen viel Geld, ohne ihnen das Ökosystem des Fußballs beizubringen".

Aminata Diallo soll einen brutalen Angriff auf ihre Teamkollegin organisiert haben

Anders gelagert ist der Skandal um die ehemalige PSG-Spielerin Aminata Diallo. Die Vorwürfe, sie habe vor knapp einem Jahr einen brutalen Angriff mit einer Eisenstange auf ihre damalige Pariser Teamkollegin Kheira Hamraoui organisiert, verdichten sich, seit in der vergangenen Woche die drei mutmaßlichen Täter festgenommen wurden. Diallo fuhr an jenem Abend Hamraoui mit dem Auto nach Hause, als es zu dem Überfall kam, bei dem Diallo unverletzt blieb. Sie wurde kurzzeitig festgenommen, brauchte die Ermittler aber auf die Spur der damaligen Ehefrau des Ex-Profis Éric Abidal, mit dem Ham­raoui eine Liebesbeziehung geführt hatte. Diese Spur führte nicht weiter, doch wurden Diallos Gespräche seither abgehört und Handynachrichten ausgewertet. "Ich werde jetzt skrupellos", schrieb sie unter anderem einem Vertrauten, der mit ihr den Plan ausgeheckt haben soll, Hamraoui zu schaden. Die Täter haben beide als ihre Auftraggeber bezeichnet. Die 27-Jährige, die seit Juni vereinslos ist, sitzt nun in Untersuchungshaft.