28. März 2020 / 11:33 Uhr

Kreisligastürmer Björn Beinhorn schlägt den Besten – und füttert Rehe

Kreisligastürmer Björn Beinhorn schlägt den Besten – und füttert Rehe

Tobias Kurz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Keinen Zweikampf verloren geben: Das beherzigt Björn Beinhorn (noch im Trikot der SG 74, gegen Tizian Schindel von Kleeblatt Stöcken) auf dem Fußballplatz wie im TV-Studio.
Keinen Zweikampf verloren geben: Das beherzigt Björn Beinhorn (noch im Trikot der SG 74, gegen Tizian Schindel von Kleeblatt Stöcken) auf dem Fußballplatz wie im TV-Studio. © Maike Lobback / Brainpool/Willi Weber
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Björn Beinhorn ist Kreisligastürmer, studierter Sportjournalist und arbeitete bis vor Kurzem als Friedhofsgärtner. Seit zwei Monaten ist der Hannoveraner zudem Fernsehstar. In der Pro-Sieben-Show „Schlag den Besten“ gewann er 50 000 Euro. Anfang des Jahres wechselte er zur SG 05 Ronnenberg, die sich auf einen nur auf den ersten Blick gewöhnlichen Typen freuen kann.

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„Er ist ein echter Pitbull!“ So wurde Björn Beinhorn von TV-Entertainer Elton angekündigt. Als es für ihn vor den Augen von fast einer Million Menschen um 50 000 Euro ging, bestach der 25-jährige Hannoveraner aber eher durch seine Coolness als durch Verbissenheit. Mit stoischer Konzentration stellte er sich den Duellen mit Showkontrahent Hendrik Wedderien – und ging am Ende mit dem Preisgeld nach Hause. „In der Ruhe liegt die Kraft. Ich lasse mich nicht so leicht aus dem Konzept bringen“, sagt Beinhorn zwei Monate nach seinem spektakulären Auftritt lachend.

Als einer von 15 000 Bewerbern hatte er sich durchgesetzt und wurde Mitte Januar zu „Schlag den Besten“ eingeladen, einer Show, in der in verschiedenen Prüfungen sportliches Können, Wissen und Geschicklichkeit gefragt ist. Dem Gewinner steht ein Preisgeld von 50 000 Euro zu, zudem wird er in der nächsten Folge von einem neuen Kandidaten herausgefordert.

Selbstbewusst, höflich und fair

Das blendete Beinhorn bei der Aufzeichnung aber nahezu komplett aus, wie er verrät: „An dem Abend hatte ich einfach Spaß an dem Drumherum, an den Spielen und der Kulisse. Das hat dann eine Leichtigkeit mit sich gebracht, mit der es auch in den Spielen funktioniert hat.“ Das heißt nicht, dass Beinhorn kein ehrgeiziger Typ ist – gewinnen macht ihm immer noch am meisten Spaß. Nur seinen Weg zum Ziel hat er verändert. „Mein Vater wirft mir auch immer beim Fußball vor: ,Mensch, früher warst du so eine Kampfsau auf dem Platz’“, erzählt Beinhorn. „Heute bin ich das nicht mehr, sondern eher der introvertierte Typ, der weiß, was er kann.“

Selbstbewusst, aber höflich und fair, so präsentierte sich Beinhorn bei „Schlag den Besten“ – und es zeigt wesentliche Charakterzüge des klassischen Stoßstürmers, der sich selbst schmunzelnd als „Typ Carsten Jancker“ charakterisiert. Seit er vier Jahre alt ist, spielt Beinhorn Fußball, bis zuletzt kickte er bei der SG 74 Hannover. Im Winter wechselte er zur SG 05 Ronnenberg.

Sein neuer, alter Trainer Benjamin Ullrich, der Beinhorn schon in der A-Jugend von Niedersachsen Döhren coachte, schwärmt: „Björn ist ein grandioser Typ, zuverlässig, gesellig und total angenehm.“ Deshalb freute es ihn, als Beinhorn im Januar bei der SG 05 anklopfte. Der Grund für seinen Wechsel zu den Calenbergern waren vor allem seine beiden besten Kumpel Philipp Züchner und Tobias Voigt. „Wir kennen uns seit der Jugend. Beide waren auch in Köln bei der Show mit dabei, um mich zu unterstützen“, sagt Beinhorn. Ullrich freut sich auf den Neuzugang. „Er ist ein ehrgeiziger Typ mit einem klasse Abschluss“, sagt er und ergänzt lachend: „Ich kenne aber auch seine Schwächen, vor allem die Faulheit. Laufen macht ihm nicht den Riesenspaß.“

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Körperliche Arbeit statt an der Tastatur

Faulheit im Berufsleben kann man Beinhorn nicht unbedingt unterstellen. Immerhin leistet der 94-Kilogramm-Bulle, der einen Bachelor in Sportjournalismus und Sportmarketing an der Fachhochschule des Mittelstands abgeschlossen hat, seit zwei Jahren überwiegend körperliche Arbeit. Bis Dezember war er Gärtner auf dem Stadtfriedhof Engesohde. „Für Pro Sieben war ich das auch noch in der Show, weil ich mich so beworben hatte und die mich ganz gerne als Friedhofsgärtner vorstellen wollten“, verrät er lachend. Eigentlich hatte Beinhorn da aber längst den nächsten außergewöhnlichen Job für einen studierten Journalisten – als Waldarbeiter im Tiergarten Hannover.

Statt über Sportevents zu berichten, füttert Beinhorn nun also Rehe und Wildschweine – ein ungewöhnlicher Werdegang. „Ich habe nach meinem Abschluss gemerkt, dass die Jobsuche in der Branche schleppend verläuft“, erklärt er. Freunde und Verwandte erzählten ihm dann, dass die Stadt Hannover immer Leute suche. „Dann habe ich gesagt, bevor ich jetzt zu Hause sitze, mache ich halt das. Und es hat mir direkt sehr viel Spaß gemacht.“ Wie ein Gescheiterter fühlt er sich nicht, auch wenn ihn zwischendurch Zweifel plagten. „Als viele Absagen hintereinander kamen, war das schon hart“, gibt er zu. Den Mut verliert er aber nicht: „Ich will weiterhin in den sportjournalistischen Bereich gehen. Mittlerweile bin ich da eher entspannt, weil ich weiß, dass ich gerade versorgt bin.“ Beinhorn hat einen Beruf gefunden, der ihm Spaß macht und „das nötige Kleingeld“ einbringt.

Ein genügsames Lebensmodell, das zu ihm passt. Gemeinsam mit seiner Freundin hat er eine Wohnung und einen Hund in Bemerode, seit seiner Geburt lebt er in Hannover. Beinhorn ist ein heimatverbundener Familienmensch, weshalb ihm ein Ortswechsel für den Job auch nicht leichtfallen würde. Ausschließen würde er das aber nicht mehr. „Am Anfang habe ich gesagt, ich würde Hannover nur sehr ungern verlassen. Wenn ich jetzt aber etwas finde, das mir Spaß macht und mich weiterbringt, würde ich auch weggehen.“ Allerdings immer unter der Prämisse, zurückkommen zu können, wie er nachschiebt. „Wenn ich daran denke, dass ich meine Freundin und den Hund zurücklassen muss und woanders arbeite, das wäre gerade in der ersten Zeit schon schwer für mich“, sagt er offen.

Noch ist das aber Zukunftsmusik. Bis 2022 hat er seinen Job im Tiergarten sicher – und darf sich über die zusätzliche Finanzspritze von Pro Sieben freuen. „Es hat ein bisschen gedauert, bis ich den Gewinn realisiert habe. Nach der Aufzeichnung ging alles Schlag auf Schlag, so richtig kam das erst in der Woche nach der Ausstrahlung.“ Mit einem Großteil des Geldes beglich er ausstehende Zahlungen aus seiner Studienzeit. Ein weiterer Teil soll für einen Dänemarkurlaub mit seiner Kleinfamilie draufgehen. Der muss jetzt aber aufgrund der Coronapandemie erst einmal warten. „Wir wollten über Ostern fahren, das geht jetzt natürlich nicht mehr“, sagt der Neu-Ronnenberger.

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Gibt es noch ein zweites Mal für Beinhorn in Köln?

Eigentlich stünde Beinhorn als Gewinner der letzten Folge „Schlag den Besten“ sogar die Chance zu, weitere 50 000 Euro zu gewinnen – doch noch ist unklar, ob es weitergeht. Sein Auftritt war der letzte der zweiten Staffel, ob der Sender eine dritte plant, steht nicht fest. „Wenn es so kommt, bin ich natürlich dabei“, sagt Beinhorn.

Und wer weiß, vielleicht gewinnt er ja wieder. „Dann würde ich mit dem Geld vielleicht noch einen Master machen“, verrät Beinhorn. „Das ist aber bisher nur ein Hirngespinst.“ Es wäre zumindest nicht die erste unerwartete Abzweigung in seinem Leben.