26. Januar 2021 / 10:30 Uhr

SG Dölzschen sieht weiter rot: Abschaffung des Ascheplatzes doch erst 2025?

SG Dölzschen sieht weiter rot: Abschaffung des Ascheplatzes doch erst 2025?

Caroline Grossmann und Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Nachwuchsleiterin Andrea Naumann von der SG Dölzschen ärgert sich, dass der Sportplatz Am Dölzschgraben auch in den kommenden Jahren nicht mit einem modernen Kunstrasen ausgestattet wird.
Nachwuchsleiterin Andrea Naumann von der SG Dölzschen ärgert sich, dass der Sportplatz Am Dölzschgraben auch in den kommenden Jahren nicht mit einem modernen Kunstrasen ausgestattet wird. © Dietrich Flechtner
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Der Sportstättenbetrieb will die berüchtigte „Schleifscheibe“ Am Dölzschgraben erst „ab 2025“ zum Kunstrasen umbauen. Doch das ärgert den Vereinsvorstand, denn die SG Dölzschen verzeichnet vermehrt Spieler-Abgänge zu Vereinen aus der Umgebung, welche über einen besser bespielbaren Platz verfügen.

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Dresden. Rot ist der Belag des Ascheplatzes Am Dölzschgraben, auf dem Andrea Naumann, Nachwuchsleiterin der SG Dölzschen, steht. Dabei wünscht sich der Sportverein schon lange einen schönen grünen Kunstrasen. Denn der gilt unter Fußballern als viel attraktiver als so eine steinige, teils unebene und witterungsabhängig schlammige oder staubige Oberfläche, auf der Schürfwunden an der Tagesordnung sind. Die Dölzschener sind mittlerweile weit und breit die Einzigen, die ihre Trainingseinheiten und Heimspiele unter diesen Bedingungen austragen, und sehen ihre Konkurrenzfähigkeit zu benachbarten Klubs schwinden. „Wir haben durch den Platz Probleme, unsere Nachwuchsspieler bis in den Erwachsenenbereich bei uns zu halten, auch wenn sie als Hartplatzspieler hart gesotten sind“, sagt Andrea Naumann.

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Schon seit Jahren bemüht sie sich als Teil des Vereinsvorstands darum, dass die auch bei den Gegnern berüchtigte wie unbeliebte „Schleifscheibe“ bald Geschichte ist. „In einem Schreiben vom 5. Dezember 2018 hat uns Sportbürgermeister Peter Lames dann auch mitgeteilt, dass der Umbau in der Saison 2021/22 beginnen soll“, berichtet die Nachwuchsleiterin. Doch nachdem sich im Herbst vorm aktuellen Lockdown wieder Spielabsagen gehäuft hatten, habe sich ein engagierter Spielervater bei der Stadtverwaltung erkundigt und auf diesem Wege Ende letzten Jahres eher zufällig erfahren, dass die Sanierung erst ab 2025 vorgesehen sei.

Streitpunkt Verzögerung

„Wir als Verein sind nicht mal offiziell über die Verzögerung informiert worden. Das finden wir komisch“, erzählt sie. Der Eigenbetrieb Sportstätten weist das zurück. Aus besagtem Informationsschreiben gehe hervor, dass „abhängig von einer gesicherten Finanzierung ab den Jahren 2021/22 begonnen werde, die Sportanlage in einen Kunstrasen umzuwandeln.“ Mit diesem Hinweis sei keine Information zu einem konkreten Start der Baumaßnahme im Jahr 2021 erfolgt. Also gebe es auch keine Verzögerung, über die die Stadt den Verein hätte informieren müssen. „Schön, da könnte es also auch erst 2050 losgehen“, wundert sich Andrea Naumann über die städtische Auslegung dieser Formulierung.

Kunstrasenplatz DSC Ostragelände
Das Objekt der Begierde: eine Kunstrasenfläche. © Anja Schneider

Der um Abbau des „Sanierungsstaus“ bemühten Stadtverwaltung zufolge sei der Ascheplatz Am Dölzschgraben in der 2019 vom Stadtrat beschlossenen Sportstrategie 2030 – deren Umsetzung vorm Hintergrund Corona-bedingter Mindereinnahmen im Stadtsäckel nun mehr denn je zum finanziellen Kraftakt wird – mit der Priorität 2 gelistet. Demnach wäre er laut Entwicklungskonzept tatsächlich kommende Saison zu erneuern gewesen. Da jedoch die Gelder fehlen, könne dies im Doppelhaushalt, den der Rat im Dezember verabschiedete, nicht umgesetzt werden. Folge sei die Verschiebung des Projekts. Priorisiert werde dabei auf Grundlage des Bauzustands und sportfachlicher Aspekte – zum Beispiel Mitgliederzahl, Anteil von Kindern und Jugendlichen im Verein oder eine Funktion als Bundesstützpunkt.


„Wo soll denn in Leuben ein Stützpunkt sein?“, fragt sich da Andrea Naumann. Die Sportstätte an der Pirnaer Landstraße wurde Ende 2020 vom Hartplatz, fachsprachlich Tennenplatz genannt, zum Kunstrasen umgebaut – Kostenpunkt: eine halbe Million Euro. Die Priorität war die gleiche wie bei den Dölzschenern, obwohl sie beispielsweise deutlich mehr Nachwuchsspieler als Wacker Leuben haben. Dennoch stellte der Stadtrat 2019 Geld für den Platz hinter der ehemaligen Staatsoperette zur Verfügung, Dölzschen ging leer aus.

Neubau beim Nachbarn

In Dölzschens unmittelbarer Nachbarschaft, an der Saalhausener Straße, erhielten die dortigen Hauptnutzer Löbtauer Kickers und FV Hafen ebenfalls 2020 bereits zum wiederholten Male einen Kunstrasen. „Ohne die erforderliche bauliche Instandsetzung wäre eine Schließung dieser Sportstätte die Folge gewesen“, heißt es vom Sportstättenbetrieb, der den Vorzug dieser Maßnahme mit Baumängeln und Unfallgefahren begründete. „Gefährlich ist es bei uns auch, weil die Sprüher vom Bewässerungssystem aus dem Boden herausstehen und nicht ausreichend mit dem Granulat abgedeckt sind“, entgegnet Andrea Naumann.

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Das System, das bei großer Trockenheit die Staubentwicklung vermindern und dadurch Fußballer wie Anwohner schonen soll, wurde bei der letzten Sanierung des Platzes 2014/15 eingebaut – ebenso wie eine Drainage mit Zisterne, was eine Vorleistung für den Umbau zum Kunstrasen gewesen sei. Dass der damals nicht gleich mit entstand, liegt an den niedrigeren Bau- und Unterhaltungskosten eines Tennenplatzes. Unebenheiten gleiche das Platzpersonal regelmäßig aus, so die Stadt. Zudem gebe es zweimal jährlich eine „Intensivpflege“, bei der neues Material aufgeschüttet und angewalzt werde. Dennoch könne schlechtes Wetter auch weiterhin zu Platzsperrungen und Spielausfällen führen.

Insgesamt befinde sich der Sportplatz jedoch in einem baulich guten Zustand, was man vom benachbarten Vereinsheim nicht behaupten kann. Insbesondere die Sanitäranlagen seien laut SG Dölzschen kaum mehr tragbar. Das Gebäude ist komplett sanierungsbedürftig, bestätigt die Stadt. Doch wegen der Kosten von weit mehr als einer Million Euro sei frühestens 2027/28 eine Sanierung oder ein Neubau möglich. Zwar nutzt auch die benachbarte 81. Grundschule den Sportplatz mit der beim Umbau 2014/15 hinzugefügten Laufbahn und Sprunggrube. Doch dies sei gegenüber der Vereinsnutzung derart untergeordnet, dass eine Förderung aus dem Schultopf Verwaltungsangaben zufolge wohl nicht möglich ist.

Schlechte Aussichten

Und so wird Am Dölzschgraben wohl noch Jahre alles beim Alten bleiben. Die Jugendarbeit der SG Dölzschen in den jüngeren Jahrgängen wird torpediert, weil andere Vereine auch aufgrund des Platzes mit ihr seit Jahren kaum noch Spielgemeinschaften für ältere Juniorenteams bilden wollen. Doch allein können die Dölzschener eine oder zwei Truppen bei den 15- bis 18-Jährigen nicht stemmen, da sie auf absehbare Zeit nicht genug Kicker in dieser Altersklasse haben und kaum jemand freiwillig zu einem Hartplatzklub wechselt.

Die Folge: Weil der Nachwuchs relativ knapp vorm Erreichen des Erwachsenenalters nach Löbtau oder Pesterwitz abwandert, überaltern Dölzschens Männermannschaften. Rettung naht wohl erst, wenn der Wettbewerbsnachteil Ascheplatz wegfällt. „Ab 2025“ könnte es dafür allerdings zu spät sein.