25. Mai 2020 / 19:19 Uhr

SG Dresden Striesen wagt das Abenteuer Landesliga

SG Dresden Striesen wagt das Abenteuer Landesliga

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Jens Frenzel, SG Dresden Striesen, Trainer.
Trainer Jens Frenzel hat mit der SG Striesen den Landesliga-Aufstieg geschafft und plant jetzt für die neue Saison. © Steffen Manig
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Die SG Dresden Striesen hat Ja zur Landesliga gesagt. Die Truppe von Trainer Jens Frenzel wird ab Juni für das Projekt Sachsenliga fit gemacht. Der Coach setzt auf Leute mit „Stallgeruch“ und plant ohne teure Zukäufe. Diesmal gibt die SGS auch keine Kicker an den Rivalen FV Laubegast ab.

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Dresden. „Es war immer unser Plan, aber dass er so schnell aufgeht, haben wir nicht gedacht.“ Jens Frenzel, der Trainer der SG Striesen, kann es noch kaum fassen, dass seine Mannschaft schon in der neuen Saison in der Fußball-Landesliga kicken darf. Zwar schlossen die Rot-Schwarzen erst am Grünen Tisch zum Mitaufsteiger FV Laubegast auf, doch den Sprung in die 6. Liga sieht Frenzel allemal als verdient an: „Hätten wir nicht beim Derby in der 94. Minute diesen Elfmeter bekommen, wären wir schon eher aufgestiegen.“ Der Laubegaster Johann Wölk hatte am letzten Spieltag vor dem corona-bedingten Saisonabbruch den Blau-Gelben mit seinem 1:1 im Rückspiel Platz eins gerettet und auch die nächste Blamage nach dem 0:4 in Striesen verhindert.

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Benachbarte Vereine freuen sich mit

Das Derby wird es nun aber auch eine Liga höher geben, weil Trebendorf regelwidrig Spieler eingesetzt hatte und die Striesener aus ihrem 3:3 bei Fortuna nachträglich noch zwei Punkte gutgeschrieben und nun – punktgleich mit den Nullsechsern – das Aufstiegsrecht bekamen. Als das bekannt wurde, knallten an der Bärensteiner Straße die Korken, Spieler und Verein sagten sofort Ja zum Abenteuer Landesliga. So hoch hat der 1990 aus dem DSV 1910 Dresden (Wende-Nachfolger des ehemaligen DDR-Ligisten BSG Empor Tabak Dresden) ausgegründete Verein seit über 20 Jahren nicht mehr gespielt. „Uns haben unheimlich viele angerufen, sich mit uns gefreut“, erzählt Frenzel nicht ohne Stolz. Der Kontakt mit den benachbarten Vereinen Einheit Mitte, Helios 24 und SV Loschwitz ist eng. Zu viert plant man, in absehbarer Zeit ein Herren-Turnier auszurichten. Wenn es Probleme gibt, hilft man sich. So durfte Striesen im Winter den neuen Platz von Mitte nutzen, denn noch immer hat die SGS keinen Kunstrasenplatz – weder an der Bärensteiner noch im Nachwuchszentrum auf der Salzburger Straße. Abhilfe ist aber in Sicht, denn am alten „Tabak-Platz“ soll demnächst ein Kunstrasenplatz gebaut werden.

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Für die SG Striesen hätte der Start in die Landesklasse-Saison nicht besser laufen können. 4:0 hieß es nach 90 Minuten gegen Stadtrivale Laubegast. Zur Galerie
Für die SG Striesen hätte der Start in die Landesklasse-Saison nicht besser laufen können. 4:0 hieß es nach 90 Minuten gegen Stadtrivale Laubegast. © Steffen Manig

Verein hat sich von Querelen erholt

Viel ist passiert in Striesen, seit sich der Verein nach internen Querelen und der Auflösung der A-Jugend 2018 neu aufgestellt hat. Neben Vereinschef Christian Ballin und anderen ist Frenzel eine der treibenden Kräfte des Aufschwungs. Seit 2017 ist der ehemalige Mittelfeldspieler (aktiv für Dynamo, Markranstädt, Bischofswerda und Kamenz) im Dresdner Osten engagiert, hat dort ein Team geformt, das vornehmlich aus Spielern aus dem eigenen Nachwuchs besteht. Anders als in den Jahren zuvor gibt man diesmal auch keine Kicker an den Rivalen aus Laubegast ab. Bis auf Oliver Hegewald, der zum Ligakontrahenten nach Niesky wechselt, bleibt die Truppe zusammen. Frenzel wusste bei seinem Werben die Spielerfrauen hinter sich: „Die Mädels haben gesagt, dass die Jungs bleiben sollen.“ Selbst Stammkeeper Christian Kunath (fast 31) hängt nach dem Okay seiner Sandra noch ein Jahr dran, wenngleich er aus beruflichen Gründen wohl ab und an pausieren muss.

Tippner und Eckhardt kehren zurück

Jens Frenzel hat aber schon einen neuen Torwart an der Angel: Der 18 Jahre alte Tom Tippner, ehemals bei Dynamo, dann bis zur Auflösung der Striesener A-Jugend bei der SGS im Kasten, soll von Pirna-Copitz zurückkehren. Auch Mittelfeldspieler Adrian Eckhardt (19) soll vom FC Oberlausitz zurückkommen. Mindestens drei weitere Neuzugänge werden demnächst verkündet. Die Zielstellung für das kommende Jahr steht auch schon fest. „Wir spielen natürlich nur um den Klassenerhalt. Wir werden sicher von einigen unterschätzt, aber ich traue uns auch manche Überraschung zu“, betont Frenzel.

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Der 36-Jährige, der hauptberuflich in Rossendorf in leitender Position in Einkauf und Fertigung medizinischer Anlagen tätig ist, glaubt: „Wir haben zehn, elf Leute mit Landesliga-Niveau, die anderen führen wir heran.“ 22 Spieler soll der Kader umfassen, ab Juni wird Kondition gebolzt. Um die höheren Kosten in der Landesliga zu stemmen, wird geplant, die Eintrittspreise um jeweils zwei Euro anzuheben. Doch dafür bekommen die Striesener Fans nicht nur wieder das Derby gegen Laubegast, sondern auch Gastspiele von Radebeul, Pirna-Copitz oder Freital geboten.

Erfreulich ist auch die Entwicklung im Nachwuchs, denn es wird wieder eine A-Jugend geben. Die Striesener B- und die C-Jugend steigen auf und werden in der neuen Saison in der Landesliga spielen.