07. Mai 2020 / 07:09 Uhr

SG Lausen verliert Mitglieder, Kunstrasenprojekt wackelt: „Dann geht es an die Reserven“

SG Lausen verliert Mitglieder, Kunstrasenprojekt wackelt: „Dann geht es an die Reserven“

Christian Dittmar
Leipziger Volkszeitung
Bei der SG Lausen geht zur Zeit auf Grund der Corona-Krise nicht viel. Auch die Mitglieder springen ab, sodass das Projekt Kunstrasenplatz auf der Kippe steht.
Bei der SG Lausen geht zur Zeit auf Grund der Corona-Krise nicht viel. Auch die Mitglieder springen ab, sodass das Projekt "Kunstrasenplatz" auf der Kippe steht. © Christian Modla
Anzeige

In Lausen hat die Corona-Krise voll durchgeschlagen: 20 von 220 Sportlern sind ausgetreten, 20 weitere können oder wollen derzeit die Beiträge nicht bezahlen. Ein Trend lässt sich laut SPORTBUZZER-Umfrage unter den Vereinen nicht erkennen, finanzielle Lücken aber durchaus.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Am vergangenen Sonntag hätte eigentlich das Heimspiel gegen den SV Victoria für die SG Lausen angestanden, ein wichtiges Duell im Abstiegskampf der Männer der 1. Kreisklasse. Doch davon können die West-Leipziger nur träumen, wegen der Corona-Pandemie ruht auch in der neunten Liga seit Mitte März der Ball. Für die kleine SG mit ihren 220 Mitglieder wird das immer mehr zum Problem. 20 von ihnen sind schon aus dem Verein ausgetreten, weitere 20 können oder wollen vorerst keine Mitgliedsbeiträge mehr zahlen, berichtet Sven Fleck.

„Die Mitglieder sagen zu mir, dass sie nicht mehr zu bezahlen brauchen, wenn sie nicht spielen können“, erzählt der Erste Vorsitzende des Lausener Vereins. Zwar könne er versuchen, Mitgliedsbeiträge zurückzubuchen, aber die Gebühren der Kreditinstitute seien zum Teil höher als die jeweiligen Monatszahlungen. Für seinen Klub, der auf die Mitgliedsbeiträge angewiesen ist, wird dies zunehmend existenzbedrohend. „Wenn es so weitergeht, dann geht das an die Reserven“, befürchtet Fleck, der vor allem eine allgemein zurückgegangene Loyalität zu Vereinen als Grund für die Probleme ansieht.

Hier soll der neue Kunstrasenplatz entstehen. Die dafür vorgesehene Fläche bedarf indes regelmäßiger Pflege, die durch ehrenamtliche Tätigkeit fast nicht mehr zu stemmen ist.
Hier soll der neue Kunstrasenplatz entstehen. Die dafür vorgesehene Fläche bedarf indes regelmäßiger Pflege, die durch ehrenamtliche Tätigkeit fast nicht mehr zu stemmen ist. © Christian Modla
Anzeige

Im Nordwesten sieht es besser aus

Dabei hatte zu Beginn der Krise der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes an den Solidargedanken in den Vereinen appelliert. Wörtlich sagte Hermann Winkler im SPORTBUZZER-Interview: „Ich bitte alle Vereinsmitglieder, ihrem Verein treu zu bleiben und die Mitgliedsbeiträge weiter zu zahlen. Mitgliedsbeiträge sind für die Vereine überlebensnotwendig.“ Durch die fehlenden Eigenmittel steht bei der SG Lausen nun das wichtigste Bau-Projekt auf der Kippe – die Errichtung eines sehnlichst erwarteten Kunstrasenplatzes. Eigens wurde dafür ein Spendenkonto eingerichtet, denn die Lausener brauchen den Platz, um genug Trainingsmöglichkeiten für alle Teams anbieten zu können.

Mehr zum Fußball in Leipzig

Die SG Leipzig-Bienitz ist da schon einen Schritt weiter. Auch dank der tatkräftigen Hilfe von Präsident André Schneider und den Kollegen seiner Tischlerei hat der Stadtklasse-Vertreter die umfangreichen Umbaumaßnahmen im Vereinsheim während der Corona-Krise abschließen können. Dafür fiel der traditionelle Bienitzlauf dem Virus zum Opfer, das Sportfest der SG ist mehr als fraglich – damit gehen Einnahmen verloren. Immerhin hat sich von den 312 Mitgliedern noch keiner abgemeldet, finanziell sieht es im Nordwesten also etwas besser aus weiter südlich in Lausen.

Einnahme-Ausfälle im fünfstelligen Bereich

Ähnliches berichtet Jürgen Hoffmann vom benachbarten SV Grün-Weiß Miltitz. „Unsere Mitglieder sind sehr geduldig“, freut sich der Vereinsvorsitzende. Auch beim SSV Kulkwitz hätten noch keine Mitglieder gekündigt, erklärt Präsident Jens Radtke. „Aber wir machen uns im Vorstand Gedanken, weil ja für eine Leistung gezahlt werden muss, die nicht erbracht werden kann“, so Radtke. In der nächsten Sitzung soll dies besprochen werden - doch wann sie abgehalten kann, steht wegen der Corona-Beschränkungen noch in den Sternen.

Im Norden der Stadt haben wir bei der SG Rotation 1950 nachgefragt. Der Vorsitzende Stephan Schmidt ist froh, dass er bislang keinen einzigen Vereinsaustritt beklagen muss. Ähnlich wie der Judoclub Leipzig habe man aber den Mitgliedern angeboten, bei finanziellen Engpässen auf die Trainer oder den Vorstand zuzugehen. Man werde bei Rotation aber junge Mitglieder nicht gewinnen können, weil sowohl das Kindergartenturnier im April als auch das Bambini-Turnier im Juni nicht ausgerichtet werden konnten beziehungsweise können. Rotation verzeichne einen Einnahme-Ausfall im unteren fünfstelligen Bereich, die Liste ist lang: Mietausfall Kegelbahn und Kunstraen, Pacht und Umlage der Gaststätte fallen weg, Camps, Turniere und Vereinsfest fallen weg. Die im Juni groß geplante Fete „70 Jahre Rotation“ werde wohl 2021 als „70+1“-Feier nachgeholt.