25. Februar 2020 / 20:31 Uhr

"Sie muss auch Bock haben": Antonia Seligmann mischt ihre Liga auf 

"Sie muss auch Bock haben": Antonia Seligmann mischt ihre Liga auf 

Dirk Herrmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die SG Scharrel/Frielingen um Torjägerin Antonia Seligmann (rechts) stürmt mit zwei Siegen auf den Bronzerang.
Die SG Scharrel/Frielingen um Torjägerin Antonia Seligmann (rechts) stürmt mit zwei Siegen auf den Bronzerang. © Nicola Wehrbein
Anzeige

Die SG Scharrel/Frielingen ist in der gesamten Hinrunde in der Kreisliga 1 ungeschlagen geblieben. Einen sehr großen Anteil daran hat Antonia Seligmann. Die 19-Jährige schoss 43 der 78 Treffer der SG Scharrel/Frielingen. Nur in dem Spiel gegen den TSV Bokeloh traf sie nicht selbst. Doch dazu hat sie in der Rückrunde gleich zweimal die Chance.  

Anzeige

Mit einer Erklärung, warum es am 14. September vergangenen Jahres nicht geklappt hat, kann Antonia Seligmann nicht dienen. Will sie auch gar nicht. „Manchmal“, sagt die 19-Jährige, die sonst selbst kaum eine Einschussgelegenheit auslässt, „muss man eben auch Tore vorbereiten.“ Und in der Partie beim TSV Bokeloh, an jenem Tag kurz vor Herbstanfang, lief es halt mal umgekehrt. Seligmann legte zweimal auf, Luniz Taubensee und Kapitänin Hanna Hilker schossen die SG Scharrel/Frielingen zum 2:0-Sieg. Die einzige Begegnung in dieser Saison, die ohne einen Treffer von Seligmann endete. „Die Mannschaft steht im Vordergrund. Wir wollen gut spielen und gemeinsam gewinnen“, sagt sie.

Bisher noch ungeschlagen

Die Mannschaft gewinnt oft. In der Kreisliga 1 haben die SG-Frauen bislang keinen Zähler abgegeben. Bleibt das so, wenn es beim Start nach der Winterpause am 22. März gleich ins Topduell gegen den TSV Luthe geht, dann sind sie fast auf den Tag genau seit einem Jahr in Punktspielen ungeschlagen. Nicht zuletzt dank Seligmanns Abschlussqualitäten. „Ihr Durchsetzungsvermögen ist unfassbar“, sagt Thorsten Friedberg, der zusammen mit Thorsten Meißner und Holger Seligmann, Antonias Vater, den Tabellenführer trainiert. 43 der 78 SG-Treffer in zwölf Spielen gehen auf das Konto der trickreichen Stürmerin.

Mehr Themen aus der Region

Vor anderthalb Jahren haben der SV Scharrel und der SV Frielingen aufgrund von Personalsorgen aus ihren Frauenteams einen gemeinsamen Kader gebildet. „Ein Experiment“, sagt Friedberg, auch Spartenleiter bei den Frielingern. „Die Mannschaft hat sich super gefunden und ist richtig durchgestartet.“ In der nächsten Saison im Frauenfußball mit einem Bezirksligateam anzutreten, wäre für beide Vereine eine Premiere. Mit ihrem Torinstinkt will Seligmann den SG-Kickerinnen zum Aufstieg verhelfen, auch wenn sie dabei regelmäßig blaue Flecken riskiert. Schließlich sei es unmöglich, Antonia mit fairen Mitteln ganz auszuschalten, „aber sie muss auch Bock haben“, sagt Friedberg. „Denn sie kriegt richtig auf die Socken.“

"Ich schieße einfach"

Dank ihrer Schnelligkeit und Dribbelstärke gelingt es der früheren Kreisauswahlspielerin indes, manchem Zweikampf aus dem Weg zu gehen. Eine bevorzugte Finte, mit der sie sich dabei in Schussposition bringt, habe sie jedoch nicht. Gegnerische Wadenbeißerinnen können also an dieser Stelle ruhig weiterlesen, es gibt nichts zu verraten. „Ich schieße einfach“, sagt Antonia Seligmann, „mit rechts treffe ich etwas besser als mit links.“ Bei einer Torchance nicht allzu lange zu überlegen, sei eine der Stärken seiner Tochter, sagt Holger Seligmann. „Trotzdem bin ich immer wieder sprachlos, wie eiskalt sie vor dem Tor ist.“ Vielleicht ließe sich noch ein wenig an ihrem Kopfballspiel feilen, so der 51-Jährige, trainingsfleißig sei sie ja. „Wenn mal eine Einheit abgesagt wird, bekommt Antonia schlechte Laune“, berichtet der Vater.

Bilder vom SPORTBUZZER Hallenpokal - Finale der Frauen in Kronsberg

Nicht nur in dem Duell zwischen dem SV Velber und dem TSV Bemerode II geht es mächtig zur Sache. Zur Galerie
Nicht nur in dem Duell zwischen dem SV Velber und dem TSV Bemerode II geht es mächtig zur Sache. ©

Mit durchschnittlich 3,5 Toren pro Spiel ist die junge Fußballerin aus dem Neustädter Ortsteil Metel, die im August eine Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik begonnen hat, kaum zu übertreffen. Allein 14 Mal war sie im Hinrundenspiel gegen die FSG Hohenbostel/Barsinghausen erfolgreich. Vor der Bilanz von Linda Heinz, die für die SG Hickengrund, einem Klub in der Gemeinde Burbach im südlichen Siegerland, ebenso in zwölf Partien schon 61 Treffer erzielte, hat Seligmann gleichwohl Respekt.

Chancen auf die Torjägerkanone

„Nicht so einfach. Das ist eine starke Leistung“, sagt sie anerkennend. In der Rubrik Torjägerkanone, einer vom Onlineportal Fussball.de und vom Fußballmagazin kicker bundesweit geführten Liste, liegt Heinz in der 7. Liga bei den Frauen an der Spitze – vor der zweitplatzierten Seligmann. Nächstbeste Torschützin aus der Region ist Janine Hofmeister (1. FC Brelingen) auf dem 53. Platz mit 22 Toren in zehn Spielen.

Möglicher Wechsel?

Ob Antonia Seligmann auch in einer höheren Spielklasse so gut knipsen würde? Versuchen könnte sie es, Anfragen von interessierten Vereinen gibt es genug. „Mal sehen“, sagt die 19-Jährige, „wenn man schon so lange in einem Verein ist, fällt einem ein Wechsel doch etwas schwer.“ Vater Holger würde ihr „keine Steine in den Weg legen“, Thorsten Friedberg meint: „Wer sich entwickeln will, muss irgendwann einen Schritt machen. Das soll Antonia selbst entscheiden.“ Bei der SG Scharrel/Frielingen hoffen natürlich alle, dass Seligmann ihnen noch ein Weilchen erhalten bleibt. Und dass sie vielleicht auch Versäumtes nachholt. Im Kreispokal und in der Rückrunde kommt der TSV Bokeloh in dieser Saison noch zweimal nach Frielingen.