20. Mai 2021 / 17:01 Uhr

Erfolg mit Konstanz: Wie die kleine SG Taucha 99 Großes erreicht

Erfolg mit Konstanz: Wie die kleine SG Taucha 99 Großes erreicht

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Der Vorstand von Tauchna 99 (von links): Jens Brauer, Uwe Bertram,  Holm Geißler, Michael König,  Achim Teichmann, Lars Saewe,  René Beutler und Gunnar Simon.
Der Vorstand von Tauchna 99 (von links): Jens Brauer, Uwe Bertram, Holm Geißler, Michael König, Achim Teichmann, Lars Saewe, René Beutler und Gunnar Simon. © Verein
Anzeige

Die SG Taucha 99 ist eine feste Größe in der Landesliga, hat einen Kunstrasenplatz, eine wachsende Jugendabteilung und eine moderne Tribüne. Der Erfolg der Leipziger ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines gut funktionierenden Teams.

Anzeige

Dieser Artikel ist Teil des Amateurfußball-Bündnisses #GABFAF. Weitere Informationen auf gabfaf.de.

Taucha. Während bei benachbarten Großstadtvereinen über Jahre an Projekten wie einem Kunstrasenplatzes gebastelt wird, hat man bei der SG Taucha 99 am Nordostrand Leipzigs bereits den zweiten dieser Art verlegt. Der erste war in die Jahre gekommen. Die Dynamik solcher Modernisierungen im Speckgürtel der Sachsenmetropole nimmt wohl so mancher etwas staunend oder gar neidisch zur Kenntnis.

Anzeige

Einerseits mögen die kurzen Entscheidungswege dem relativ kleinen Gemeinwesen mit rund 16.000 Einwohnern diese Schnelligkeit begünstigen, doch Hauptgrund dafür dürfte der außergewöhnlich gut funktionierende Verein selbst sein. Das verdankt er einer teils schon seit Jahrzehnten bewährten Führungsmannschaft um Präsident Achim Teichmann, Schatzmeister Michael König, Nachwuchsleiter Gunnar Simon, Übungsleitern wie dem langjährig tätigen Carsten Schöning, allen anderen Trainern sowie zahlreichen weiteren Ehrenamtlern. Und obwohl mit den Kessler-Zwillingen zwei deutschlandweit bekannte Showstars in Taucha aufgewachsen sind, läuft bei der SG 99 alles eher ohne große Show, sondern meist ruhig und sachlich, dafür aber stringenter als in vielen anderen Vereinen ab.

Achim Teichmann: Es geht um respektvollen Umgang

Achim Teichmann sieht darin einen der Gründe für die Stabilität und den Erfolg des Vereins: „Bei uns werden Entscheidungen auch nach unterschiedlichen Positionen gemeinsam getragen. Dann wird an einem Strang gezogen, das ist stets gute Teamarbeit.“ Dabei sei auch die SG Taucha keineswegs mit einem Freundeskreis zu verwechseln. „Aber man muss immer respektvollen Umgang wahren. Wenn man das schafft, den Laden so zusammenzuhalten, ist viel erreicht“, weiß der erfahrene Präsident. „Und das ist uns selbst bei unterschiedlichen Auffassungen stets gelungen.“



Teichmann, der seit 22 Jahren an der Spitze der SGT steht, hat auf dem Sportplatz an der Kriekauer Straße als Jugendlicher einst selbst gekickt. Nach der aktiven Zeit nahm sich der gelernte Kaufmann eine sportliche Auszeit, war städtischer Angestellter, später stellvertretender Bürgermeister, zuständig für Bau und Wirtschaft, und schließlich 20 Jahre lang Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft. Jetzt ist er Rentner, doch sein Hobby, für den Fußball im Ehrenamt zu wirken, Dinge für den Verein zu organisieren, macht ihm unverändert Freude.

"Anlage war eine Katastrophe"

„Also ich 1999 mein Amt antrat, war unsere Sportanlage eine Katastrophe“, erinnert er sich. Der Hauptplatz war in schlechtem Zustand, der Nebenplatz, der heutige Kunstrasen, erst Recht. Auch Kabinentrakt, Laufbahn und Ränge waren verschlissen. Nach und nach möbelten die Tauchaer ihre Heimstatt auf. Heute können sich die beiden Großfelder sehen lassen, dazu entstand vor kurzem ein kleiner Rasenplatz neu. Die Laufbahn glänzt in frischem Kunststoff, die Ränge sind schon vor geraumer Zeit erneuert, mit Sitzen versehen und überdacht.

Als nächster Schritt sind der Neubau und die Erweiterung des Sozialtrakts geplant. „Denn unsere sechs Kabinen reichen hinten und vorn nicht“, erklärt der Präsident, „wir platzen aus allen Nähten.“ Rund 300 Mitglieder hat die SGT, davon etwa zwei Drittel Kinder und Jugendliche. Außerdem tummeln sich an der Kriekauer Straße auch die Leichtathleten des LC Taucha und einige Laufgruppen, mit denen sich die Fußballer gut verstehen. „Die Stadt engagiert sich sehr für den Sport“, lobt Teichmann.

Mehr von #GABFAF

Aus Traktor Taucha wird SG 99

In seiner Amtszeit schaffte die SG 99 den Sprung von der Bezirksklasse über die Bezirksliga, in der man zu DDR-Zeiten als Traktor Taucha zeitweise ebenfalls kickte, bis in die Landesliga, wo die erste Mannschaft unter Coach Marcus Jeckel zu einer stabilen Größe geworden ist. „Darauf kann eine Stadt wie Taucha stolz sein, denn in der Sachsenliga wird ja schon auf einem ordentlichen Niveau gespielt“, befindet Teichmann. Auch, dass der reine Fußballverein alle Nachwuchsklassen besetzen kann, freut ihn. „Das geht aber nur dank unserer vielen Übungsleiter, die darin so viel Freizeit setzen und damit auch wichtige soziale Aufgaben für die Stadt erfüllen“, unterstreicht der SGT-Chef.

Aktuell dominiere die Vereinsarbeit aber vor allem das Thema Corona. In so einer Situation könne man besonders froh sein, eine treue Schar an Sponsoren, Ehrenamtlern und generell auch Schiedsrichter zu haben. Gerade die Rekrutierung letzterer sei nicht immer einfach. „Aber solche Probleme habe ja alle Vereine“, weiß Teichmann.

Sein Mitstreiter und genau so lange wie der Präsident im Amt befindliche Schatzmeister Michael König hat ebenfalls schon als Jugendlicher Fußball gespielt, erst in Bad Düben, später als Senior in der „AH“ der Tauchaer. „Dort wie auch im Vorstand sind wir eine eingeschworene Truppe“, sagt der 53-Jährige. „Das will man ungern aufgeben.“ Als weiteren Grund für die gute Entwicklung des Vereins sieht er die prima Unterstützung durch die Stadt. „Das ist entscheidend und dadurch können wir wiederum auch für die Kommune ein gutes Angebot machen.“

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Der SV Blau-Weiß 50 Baabe gewinnt 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse Zur Galerie
Der SV Blau-Weiß 50 Baabe gewinnt 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse ©

Der Zulauf vor allem an Nachwuchskickern sei Beleg dafür, unterstreicht Teichmann. Gestützt ist das Angebot auf so emsige Trainer wie Carsten Schöning, der schon 17 Jahre lang Kleinfeldteams der SG 99 betreut. „Generell ist die SG Taucha gut aufgestellt und es macht Spaß, Kinder an das Vereinsleben heranzuführen“, sagt er, auch wenn es mitunter schwierig sei, den Beruf als Maschinenbau-Ingenieur mit der ehrenamtlichen Tätigkeit zeitlich unter einen Hut zu bringen.

Nachwuchsleiter Gunnar Simon, der Präsident Teichmann im beruflichen Amt nachgefolgt ist, steht auch im Verein für die nächste Generation, die in absehbarer Zeit dafür sorgen soll, dass sich die Rand-Leipziger weiter so zügig erfolgreich entwickeln.