07. Oktober 2019 / 13:54 Uhr

Zwischen Nostalgie und bitterer Realität: Das steckt hinter dieser Eintrittskarte der SG Wattenscheid

Zwischen Nostalgie und bitterer Realität: Das steckt hinter dieser Eintrittskarte der SG Wattenscheid

Chantal Ranke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Tickets aus der 1. Bundesliga: Um das Geld für den Kartendruck zu sparen kramt die SG Wattenscheid diese Eintrittskarten aus dem Jahr 1990 für insgesamt drei Heimspiele raus. 
Tickets aus der 1. Bundesliga: Um das Geld für den Kartendruck zu sparen kramt die SG Wattenscheid diese Eintrittskarten aus dem Jahr 1990 für insgesamt drei Heimspiele raus.  © Henning Uebel
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Die SG Wattenscheid kämpft ums Überleben. Seit dem 1. Oktober läuft das Insolvenzverfahren gegen den einstigen Bundesligisten. Doch der Klub greift zu kreativen Maßnahmen, um Geld zu sparen - und schafft dabei einen nostalgischen Moment für die Fans.

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SG Wattenscheid 09, 1. Bundesliga, Stehtribüne – so steht es auf der Eintrittskarte, die Groundhopper Henning Uebel vor die Kamera hält. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild. An diesem Abend, Mittwoch, dem 2. Oktober, spielt die SG Wattenscheid im heimischen Lohrheide-Stadion nicht gegen den FC Bayern oder Borussia Dortmund, sondern im Westfalenpokal gegen den SV Lippstadt.

Die Eintrittskarte zeigt die zwei Gesichter der SG Wattenscheid. Auf der einen Seite die große Tradition, die der Klub mit sich bringt: 1909 gegründet, auf Platz elf der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga - und von 1990 bis 1994 gar Erstligist. Die andere Seite spiegelt die bittere Wahrheit wider: Einen Tag vor dem Pokalspiel eröffnete das Amtsgericht Bochum das Insolvenzverfahren gegen den Verein.

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Weniger Kosten durch Bundesliga-Karten von 1990

Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte soll dabei helfen, den Niedergang des Klubs zu verhindern. „Wir versuchen, Kosten an allen Ecken und Enden zu sparen, da hilft auch eine kleine Maßnahme wie diese“, erklärt Daniel Knorr, Pressesprecher der SG Wattenscheid, die Verwendung der alten Eintrittskarten. Auf die Idee kam Geschäftsstellenleiter Gerd Abstins. Seit über 50 Jahren ist das „wandelnde Lexikon“, wie Knorr ihn nennt, in verschiedenen Funktionen im Verein und wusste daher über den Kartenbestand.

In einem Stahlschrank im Vereinsgebäude befinden sich wohl noch mehrere Tausend Karten aus den Bundesliga-Jahren 1990/91 und 1991/92. Wie viele es genau sind, bleibt Abstins Geheimnis. Einzig der Vereinsname und die Liga verraten, dass die Karten aus längst vergangen Zeiten kommen. Selbst ein Preis taucht nicht auf. Nur deswegen dürfen die Karten überhaupt heute noch verwendet werden. „Stünde die Begegnung auf der Karte, hätten wir bestimmt Probleme mit dem Verband bekommen“, mutmaßt Knorr.

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4. Liga, 07.02.2015: Zum Spiel in der Regionalliga West kamen satte 30.313 Zuschauer. Was zu diesem Zeitpunkt noch ein richtiges Topspiel war, endete für beide Teams bitter - zum Aufstieg reichte es für keinen.   ©
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Insolvenz gefährdet Klassenerhalt

Auch wenn die Karten aus einem traurigen Grund eingesetzt werden, gaben die Fans durchweg ein positives Feedback. „Allerdings hilft uns die Tradition heute nicht mehr viel“, sagt Knorr weiter. Nachdem der Verein bereits 2007 der Insolvenz nur knapp entgang, ließ sich das Verfahren seit der Zahlungsunfähigkeit Ende August nicht mehr abwenden. Der Spielbetrieb in der Regionalliga West soll allerdings regulär fortgesetzt werden, was eine schwerwiegende Konsequenz auf den sportlichen Erfolg hat: Laut DFB-Regularien werden dem Regionalligisten bei laufendem Insolvenzverfahren insgesamt neun Punkte abgezogen.

Momentan liegt die Mannschaft zwar mit zwölf Punkten aus elf Spielen auf dem elften Rang. Mit Abzug der neun Punkte rutscht das Team jedoch auf den letzten Platz, sodass ein Klassenerhalt zu einer äußerst schweren Aufgabe wird.

"In der aktuellen Situation zählt jeder Cent."

Selbstverständlich bringen die nostalgischen Karten, die mitunter seit 29 Jahren im Schrank weilen, keine immensen Summen mit sich. „Damit sparen wir vielleicht ein paar Hundert Euro. Aber in der aktuellen Situation zählt jeder Cent“, sagt Knorr. Im Heimspiel vergangenen Samstag gegen die U23 des 1. FC Köln und in zwei Wochen gegen die U23 Fortuna Düsseldorfs werden die Abreißkarten noch einmal herausgekramt. „Danach werden wir wieder in den normalen Druck übergehen“, meint Knorr.

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