17. Februar 2020 / 06:17 Uhr

Sprint-Star Shelly-Ann Fraser-Pryce über ihre Olympia-Ziele und Kritik an den Sponsoren 

Sprint-Star Shelly-Ann Fraser-Pryce über ihre Olympia-Ziele und Kritik an den Sponsoren 

Jan Jüttner
Nach dem Gewinn der WM-Goldmedaille über 100 Meter: Shelly-Ann Fraser-Pryce mit Ihrem Sohn Zyon. 
Nach dem Gewinn der WM-Goldmedaille über 100 Meter: Shelly-Ann Fraser-Pryce mit Ihrem Sohn Zyon.  © Verwendung weltweit
Anzeige

Shelly-Ann Fraser-Pryce ist eine der erfolgreichsten Athletinnen der Welt. Mit dem SPORTBUZZER hat sie über ihre Ziele bei den Olympischen Spielen in Tokio und ihre Mutterrolle gesprochen. Zudem kritisiert sie den Umgang der Sponsoren mit dem Thema Schwangerschaft im Spitzensport. 

Anzeige

Shelly-Ann Fraser-Pryce ist eine ganz besondere Athletin – und das nicht nur wegen ihrer unzähligen sportlichen Erfolge. Die zweimalige Olympiasiegerin und neunfache Weltmeisterin bewältigt tagtäglich, was so viele Eltern regelmäßig an die Grenzen ihrer Kraft bringt. 2017 brachte sie ihren Sohn Zyon zur Welt und holte nur zwei Jahre später bei der WM in Doha die Goldmedaille. Seitdem gilt sie als „schnellste Mama der Welt“, vereint das Leben eines Elternteils mit den Belastungen einer professionellen Athletin im absoluten Hochleistungsbereich. Auch deshalb wurde die 33-Jährige für die Auszeichnung „Sportswoman of the Year“ nominiert, die neben diversen anderen Awards an diesem Montagabend in Berlin von der Laureus-Stiftung vergeben wird.

Anzeige

Die Erziehung ihres Sohnes und das harte Training miteinander zu vereinbaren ist für die aktuelle Weltmeisterin nicht leicht. „Ich beginne mit dem Training um 5 Uhr morgens und bin erst gegen 18 Uhr zu Hause. Ich verpasse tagsüber eine Menge Zeit, während er zu Hause ist. Wenn ich abends nach Hause komme, bin ich oft sehr müde, wenn ich ihm etwas vorlesen möchte oder mit ihm spielen will. Es ist sehr schwierig“, sagte sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Ihr Mann Jason hilft ihr bei der Erziehung, so gut es geht. „Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, sagt Fraser-Pryce.

Mehr vom SPORTBUZZER

Fraser-Pryce ist in der Leichtathletik-Elite eine Außenseiterin

In der Leichtathletik-Elite ist sie eine Außenseiterin. Denn die Gründung einer Familie während der aktiven Karriere kommt für viele Sportlerinnen nicht infrage. Dies hat einen einfachen Grund: Eine Schwangerschaft passt nicht in das Marketingkonzept der großen Sponsoren, die ihre Produkte lieber nur von durchtrainierten Athletinnen präsentieren lassen wollen.

US-Leichtathletik-Star Allyson Felix beispielsweise soll nach der Geburt ihrer Tochter von ihrem Sponsor Nike einen um 70 Prozent geringer dotierten Vertrag angeboten bekommen haben. Gegen Benachteiligungen wie diese wehrt sich Fraser-Pryce entschieden: „Die Sponsoren müssen es mehr als bisher annehmen und akzeptieren. Denn ihre Kundschaft besteht zu einem großen Teil aus Frauen – Frauen mit eigenen Kindern oder Frauen, die gern eigene Kinder bekommen wollen. Diese Menschen wollen wir nicht ausschließen, sondern einbeziehen in alles, was wir tun.“ Die Sprinterin hofft auf ein Umdenken der Geldgeber: „Eine Menge Frauen entscheiden sich leider gegen eine Schwangerschaft, weil es ihre Karriere gefährden könnte. Das sollten mehr Sponsoren akzeptieren.“

Von Deutschland in die Welt: Sportler als Botschafter

Deutsche Sportstars wie Bastian Schweinsteiger, Boris Becker oder Franz Beckenbauer haben es zu Weltruhm gebracht. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeichnet den Verlauf ihrer Karrieren nach. Zur Galerie
Deutsche Sportstars wie Bastian Schweinsteiger, Boris Becker oder Franz Beckenbauer haben es zu Weltruhm gebracht. Der SPORTBUZZER zeichnet den Verlauf ihrer Karrieren nach. ©

Nächstes Olympia-Gold in Tokio? "Glaube definitiv, dass es möglich ist"

Sportlich peilt Fraser-Pryce bei den Olympischen Spielen ihren nächsten Erfolg an. In Tokio will sie ihre dritte Goldmedaille holen, ganz egal, wie hart sie dafür trainieren muss. „Ich glaube definitiv, dass es möglich ist. Ich arbeite hart dafür. Das Training wird jedes Jahr härter, aber ich bin erfahren genug, um zu wissen, was mein Körper braucht und auf was ich achten muss“, so Fraser-Pryce. Obwohl ihr Trophäenschrank vor lauter Medaillen und Preisen mittlerweile fast platzen dürfte, verliert sie im routinierten Sportlerinnenalter nicht den Fokus. „Ich bin stur – und wenn ich mir Ziele setze, dann werde ich alles dafür tun, um diese auch zu erreichen. Mein Traum ist, die 100 Meter unter 10,70 Sekunden zu laufen. Das ist meine Motivation, das schürt das Feuer in mir.“

Mehr vom SPORTBUZZER

Für die Jamaikanerin steht fest, dass sie in Japan das letzte Mal unter den olympischen Ringen um Siege kämpfen wird. „Es werden meine letzten Olympischen Spiele sein, aber es wird nicht mein letzter großer Wettkampf.“ Die Ausnahmeathletin blickt schon jetzt auf das kommende Jahr voraus. Dann wird die Leichtathletik-WM 2021 in Eugene im US-Bundesstaat Oregon ausgetragen. Für Fraser-Pryce werden diese Wettkämpfe ein Heimspiel. „Es ist nur einen Steinwurf von meinem Zuhause entfernt und ich bin über die 100 Meter die Titelverteidigerin. Es wird besonders schön, weil ein großer Teil meiner Familie bei meiner vielleicht letzten WM vor Ort sein kann.“

Vielleicht darf sie dann auch wieder gemeinsam mit ihrem Sohn Zyon jubeln, der schon bei ihrem Triumph 2019 in Doha mit im Stadion dabei war.