02. November 2020 / 15:57 Uhr

Darum ist Sheraldo Becker endlich bei Union Berlin angekommen

Darum ist Sheraldo Becker endlich bei Union Berlin angekommen

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Eisern geblieben: Berlins Sheraldo Becker (l.), hier im Duell mit Dominique Heintz vom SC Freiburg. 
Eisern geblieben: Berlins Sheraldo Becker (l.), hier im Duell mit Dominique Heintz vom SC Freiburg.  © dpa
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Nach einer bescheidenen ersten Saison ist Unions Sheraldo Becker doch noch in der Fußball-Bundesliga angekommen – Gegen die TSG 1899 Hoffenheim will er etwas Besonderes schaffen. 

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Manche Dinge gehen einfach nicht, das steht für Sheraldo Becker fest. „Sicher nicht meine größte Stärke“, sagt der Fußballprofi des 1. FC Union Berlin, wenn er auf sein Kopfballspiel angesprochen wird. „Es geht ums Timing, und ich habe kein Timing“, erklärt Becker. Er habe sich zwar schon am Kopfballpendel versucht, aber irgendwie hat das eben auch nicht hingehauen. Der Ball flattere einfach zu stark, findet Becker. „Ich muss das Schritt für Schritt lernen“, sagt er.

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Wenn der Berliner Bundesligist am Montagabend (20.30 Uhr) bei der TSG Hoffenheim antritt, stehen die Wettquoten auf ein Kopfballtor Beckers entsprechend schlecht – was allerdings auch daran liegt, dass Becker überhaupt noch kein Tor für die Köpenicker erzielt hat. Dabei erhält der Offensivmann, der am liebsten über den rechten Flügel kommt, durchaus seine Chancen im Spiel, nur fehlt noch die Genauigkeit.

In Bildern: Das sind die Zu- und Abgänge von Union Berlin zur Saison 2020/21.

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Alle Zu- und Abgänge von Union Berlin für die Saison 2020/21: ©

Aber das sieht ihm Trainer Urs Fischer gerne nach – denn im Gegenzug erlebt er gerade den besten Becker seiner Amtszeit. Seine Flanken kommen, Geschwindigkeit und Technik stimmen. Wenn Becker anzieht, entsteht Torgefahr. Endlich, sagen sie in Köpenick.



Dass der 25-Jährige wenig präzise abschließt und die Bälle per Kopf selten gefährlich trifft, waren in der vergangenen Saison noch die geringsten Defizite. Der in der viel gerühmten Jugendakademie von Ajax Amsterdam ausgebildete Becker kam einfach nicht an. Wenn er spielte, wirkte er meist deplatziert im Berliner Kampfteam, überfordert vom Bälle-lang-nach-vorn-Stil, ungenau in den eigenen Aktionen. Und oft durfte er gar nicht erst spielen.

„Ich kam aus den Niederlanden und habe fünf Jahre lang immer gespielt. Dann kommst du hierher und sitzt auf der Bank. Das war hart für mich“, sagt Becker, den die Berliner im Sommer 2019 ablösefrei von ADO Den Haag verpflichteten. „Du fühlst dich allein. Die Familie ist nicht da, deine Freunde sind nicht da, und dann ist es schwer, frei im Kopf zu sein.“

Mit der Empfehlung von sieben Saisontoren und zehn Vorlagen hatte der damalige Aufsteiger Becker geholt, einen unumstrittenen Stammspieler aus der Eredivisie. Seine Schnelligkeit würde perfekt zu Unions Spiel mit den vielen lang geschlagenen Bällen passen – dachten und hofften sie bei Union. Dachte und hoffte Becker. Nur passte es dann eben doch nicht.

"Ich habe mir gesagt, das wird mein Jahr"

Gerade mal auf 13 Einsätze kam Becker, nur einmal – beim 3:1-Heimsieg gegen Borussia Dortmund am dritten Spieltag – stand er über 90 Minuten auf dem Platz. Der Kopf wollte nicht so recht, der Körper auch nicht. Mehrere Verletzungen warfen ihn zurück, auch das habe ihm zu schaffen gemacht, gibt Becker zu.

„Es war das erste Mal, dass ich im Ausland gespielt habe“, sagt er, und neben der mentalen Aufgabe, sich im neuen Umfeld erst einmal zurecht finden zu müssen, kam die sportliche hinzu. „Hier spielen die Teams körperbetonter, die Spieler sind aggressiver“, erklärt Sheraldo Becker, während in den Niederlanden mehr Wert aufs Spielerische gelegt werde.

Auf seiner Position genoss er bei Den Haag nach vorn alle Freiheiten, bei Union musste er auch energisch nach hinten arbeiten. „In den Niederlanden sind die Flügelspieler die besten Spieler“, erklärt Becker lächelnd. Die Kraft, die man habe, brauche man, um das Angriffsspiel anzukurbeln. In Deutschland sei auf dieser Position eben auch Defensivarbeit sehr wichtig. Bei Union sowieso. „Aber das ist kein Problem für mich“, sagt Becker inzwischen; anfangs war es das schon, genauso wie die Übungseinheiten, denn „die Trainingsintensität ist höher als in den Niederlanden“.

Sheraldo Becker hat an sich gearbeitet, mental wie physisch. Den Sommer nutzte er für Extra-Schichten, mit Familie und Berater führte er Gespräche. Sein „Mindset“, wie Becker sagt, habe er gereinigt. „Diese Saison habe ich nochmal auf Null gedrückt, den Kopf frei bekommen. Ich habe mir gesagt, das wird mein Jahr.“ Und nachdem viele Beobachter bereits vermuteten, Becker und Union könnten das bis 2023 angelegte Vertragsverhältnis vorzeitig auflösen, liefert der Flügelspieler plötzlich. Entgegen kommt ihm, dass Union offensiv mit Max Kruse nun einen Spieler hat, der auch für Becker mehr Räume schafft.

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Dass Becker auch in der vergangenen Saison schon über exzellente Anlagen verfügte, legt der Familienstammbaum nahe. Gleich drei Cousins sind auch Profifußballer geworden. Neben Herthas Javairo Dilrosun, mit dem er ab und an in Berlin unterwegs ist, gibt es noch Luciano Narsingh (Feyenoord Rotterdam) und Furdjel Narsingh (FC Ararat-Armenia/1. Armenische Liga).

Die Narsingh-Brüder haben in den Niederlanden schon nationale Titel gewonnen, Becker will sich bei Union für womöglich höhere Aufgaben empfehlen. Und endlich sein erstes Tor erzielen, „so bald wie möglich, vielleicht schon gegen Hoffenheim“, sagt er. Das wäre dann Beckers nächster Schritt bei Union – und beileibe kein Ding der Unmöglichkeit.

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