02. Februar 2021 / 10:55 Uhr

Einziger Weltmeister ohne Bundesliga-Erfahrung: Shkodran Mustafi und der lange Weg zu Schalke 04

Einziger Weltmeister ohne Bundesliga-Erfahrung: Shkodran Mustafi und der lange Weg zu Schalke 04

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Shkodran Mustafi wird erstmals in der Bundesliga spielen - im Alter von 28 Jahren schließt der Weltmeister von 2014 sich dem FC Schalke 04 an.
Shkodran Mustafi wird erstmals in der Bundesliga spielen - im Alter von 28 Jahren schließt der Weltmeister von 2014 sich dem FC Schalke 04 an. © Getty/imago images/Montage
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Everton, Sampdoria, Valencia, Arsenal. Die bisherigen Stationen der Profikarriere von Shkodran Mustafi sind klangvoll und haben eines gemein: sie liegen außerhalb Deutschlands. In der Bundesliga spielte der Innenverteidiger bisher noch nie - als einziger der Weltmeister von 2014. Das wird sich nun ändern, denn Mustafi soll Krisenklub Schalke 04 vor dem Abstieg bewahren.

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Inmitten seiner größten Krise hat der FC Schalke 04 einen neuen, weltmeisterlichen Hoffnungsträger: Shkodran Mustafi soll die Knappen im kommenden halben Jahr vor dem Abstieg retten. Während Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens den 28-Jährigen, der am letzten Transfer-Tag ablösefrei vom FC Arsenal kam und den abgewanderten Ozan Kabak ersetzen soll, den Ex-Nationalspieler schon als "absoluten Gewinn" feiert, sind viele S04-Fans skeptisch: Immerhin gehörte Mustafi in London längst nicht mehr zum Stammpersonal, fiel zuvor sogar mit einigen Fehlern auf. Geht das gut mit Mustafi und Schalke?

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Für den mittlerweile 28-Jährigen ist S04 trotz der erheblichen sportlichen Misere die Chance eines Neubeginns - allein schon, weil er nach fast zwölf Jahren wieder nach Deutschland zurückkehrt. Mustafi ist der letzte Spieler aus dem 23-köpfigen Weltmeister von 2014, der in Deutschlands höchster Spielklasse debütieren wird. Für ihn, den es schon mit 17 Jahren in die weite Fußballwelt zog, nach England, Italien, später auch Spanien, schließt sich mit dem Wechsel in die Bundesliga ein Kreis. Sie habe "sportlich eine große Entwicklung hinter sich gebracht", sagte er erst kürzlich. "Außerdem ist es meine Heimat." Angst vor dem Scheitern, gar vor dem Abstieg ist Mustafi offenbar fremd - er geht in der Karriereplanung konsequent seinen Weg, sieht Schalke als Möglichkeit, sich nach schwierigen Jahren bei Arsenal mit guten Leistungen wieder in Erinnerung zu bringen. Vielleicht sogar beim Bundestrainer.

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Löw hatte vor sieben Jahren Fußball-Deutschland mit der Nominierung des robusten Abwehrspielers überrascht. Shkodran wer? Diese Frage stellten sich Ende Februar 2014 viele Fans der Nationalmannschaft beim Blick auf den Kader für die erste Partie des WM-Jahres. Neben den aus der Bundesliga bekannten Matthias Ginter, Pierre-Michel Lasogga und André Hahn wartete Löw in seinem 21-köpfigen Aufgebot für das Länderspiel gegen Chile mit einem Abwehrspieler von Sampdoria Genua auf, der zuvor bestenfalls DFB-Insidern geläufig war: dem damals 21 Jahre alten Mustafi.



"Eiserner Wille": Mustafi und der Weg zum Profi

1992 wurde er als Sohn von Kujtim und Fatime Mustafi, die aus dem mazedonischen Gostivar nach Deutschland eingewandert waren, im hessischen Bad Hersfeld geboren. Seine erste Station als Fußballer war der 1. FV Bebra. 2006 entdeckte ihn der Hamburger SV bei einem Hallenturnier in Rotenburg. "Er wollte immer schon Profi werden. Dieser eiserne Wille hat ihn ausgezeichnet. Er hat immer an sich geglaubt", sagte Papa Kujtim einmal, der Shkodran bis heute berät.

"Ich war erst 17 Jahre alt, als mein Sohn geboren wurde. Aber mir war immer klar: Es gehört zur Verantwortung eines Vaters, dass man seine Kindern immer unterstützen muss, auch bei ihren Hobbys. Ich wollte mir später keine Vorwürfe machen, weil er wegen mir eine Chance verpasst hat", sagte er nach der WM 2014 der Bild. Zunächst verlief die Karriere seines Sprösslings auch dank der väterlichen Förderung extrem vielversprechend: Der Teenager, inzwischen vom Stürmer zum Innenverteidiger umgeschult und zumindest im Training bei den Profis angekommen, verließ den HSV nach drei Jahren und wechselte zum FC Everton. Auch Borussia Dortmund und Manchester City hatten angeklopft.

Bei den Toffees kam er im Dezember 2009 zu seinem Profidebüt, als er in der Europa League beim 0:1 gegen Borissow eingewechselt wurde. Für die Premier League reichte es jedoch nicht, über Einsätze in der zweiten Mannschaft kam er nicht hinaus. Eine Krise, die Mustafi auf seine nicht nur auf dem Platz kompromisslose Art löste; mit einem neuerlichen Tapetenwechsel: Italien, Genua. Dort schaffte er den endgültigen Durchbruch, etablierte sich als einer der talentiertesten jungen Innenverteidiger der Serie A und empfahl sich für die Nationalmannschaft. Beim DFB war er keineswegs ein Unbekannter: Schon 2008 hatte er sein erstes Länderspiel absolviert, damals für die U16. Anschließend durchlief er jedes Auswahlteam.

Mustafi im WM-Kader: "Ich dachte erst, er macht einen Scherz"

Nachdem er bei seiner ersten Nominierung gegen Chile noch nicht debütierte, wurde er vom Bundestrainer überraschend in den vorläufigen WM-Kader aufgenommen. Er kam beim 0:0 gegen Polen in Hamburg zum ersten Länderspiel, wurde jedoch aus dem endgültigen Kader gestrichen. Die Qualität im DFB-Kader war einfach zu groß. Was folgt, ist beinahe märchenhaft: An einem Samstagmittag ruft der Bundestrainer an. Marco Reus hat sich so schwer verletzt, dass er das Turnier verpasst. Mustafi würde nachnominiert, er müsse umgehend nach Frankfurt kommen. "Ich dachte erst, er macht einen Scherz", erinnerte sich Vater Kujtim. "Dann hat er mich aber schnell überzeugt, dass er es ernst meint. Das musste ich erst mal verdauen."

Mustafi reiste nicht nur mit nach Brasilien, sondern gehörte zum festen Bestandteil der WM-Elf - auch wenn er die letzten Spiele verletzt verpasste. Der Rest ist bekannt: Nach der WM verkaufte ihn Sampdoria für acht Millionen Euro an den FC Valencia, zwei Jahre später kehrte er für 41 Millionen Euro nach England zurück, wo er beim FC Arsenal doch noch seinen Traum von der Premier League verwirklichen konnte - an der Seite seiner WM-Kollegen Mesut Özil und Per Mertesacker. Nachdem er bei den Gunners in den vergangenen Monaten nach vielen Jahren als Stammspieler nicht mehr gesetzt war, versucht er sein Glück nun erstmalig in der Bundesliga - als letzter der Helden von Rio.

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