11. Oktober 2017 / 13:06 Uhr

Sicherheitskonzept in Dortmund: Mehr Polizisten für Fans, Nationalteam-Security für RB Leipzig-Profis

Sicherheitskonzept in Dortmund: Mehr Polizisten für Fans, Nationalteam-Security für RB Leipzig-Profis

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Der Signal Iduna Park, Heimspielstätte von Borussia Dortmund
Der Signal Iduna Park, Heimspielstätte von Borussia Dortmund © Imago
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Gewalt gegen Fans von RB Leipzig in Dortmund soll sich unter keinen Umständen wiederholen – dafür verdoppelt die Polizei ihre Einsatzkräfte.  Die Mannschaft von RB Leipzig wird von der Security der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bewacht.

Leipzig. Die Bilder vom 4. Februar 2017 vor der Partie zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig waren erschreckend. „Die Gewalt richtete sich gegen jeden erkennbaren Leipziger Anhänger – unabhängig davon, ob es sich dabei um Kinder, Frauen oder Familien handelte. … In solche hasserfüllten Fratzen habe ich noch in keinem meiner Polizeieinsätze gesehen“, hieß es damals in der Pressemitteilung der Dortmunder Beamten. Zehn Personen, sechs RB-Fans und vier Polizisten, wurden außerhalb des Stadions verletzt. 168 Strafverfahren wurden von Polizei und Staatsanwaltschaft im Nachhinein eingeleitet.

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Ähnliche Szenen sollen beim erneuten Aufeinandertreffen der beiden Fußball-Bundesligisten zum Topspiel am Samstagabend (18.30 Uhr) unbedingt verhindert werden. Die Partie ist nach den Vorfällen im Februar diesmal von der Polizei als "Risikospiel" eingestuft worden. Aus einsatztaktischen Gründen will die Polizei über die genaue Zahl der Einsatzkräfte keine Angaben machen. Nach Informationen des Sportbuzzers werden etwa 1000 Beamte das Bundesligaspiel absichern. Bereits vor zwei Wochen gab es in Dortmund Gespräche zwischen dem BVB, RB Leipzig und der örtlichen Polizei – die Verantwortlichen stehen weiter in regem Austausch. Von allen Seiten wurden besondere Vorkehrungen getroffen.

In besten Händen befinden sich die Profis von RB Leipzig beim Thema Sicherheit. Seit dieser Saison, so auch in Dortmund, werden sie bei Auswärtsspielen vom „Shield Security Service“ bewacht. Der Sicherheitsdienst aus Nordrhein-Westfalen ist seit 1999 auch bei jeder Partie der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft für den Personenschutz zuständig.

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Leipziger Busroute ist streng geheim

Besondere Geheimhaltung gilt am Samstag für den Anfahrtsweg des Leipziger Mannschaftsbusses zum Stadion. Es gibt mehrere Wege, sodass der Verein flexibel reagieren kann. Denn der Teambus sollte im Februar Ziel von knapp 400 Dortmunder Ultras sein. Als dieser kurzfristig die Route änderte und damit den Angriffen entkam, kochte die aufgeheizte Stimmung laut Polizei über und entlud sich an den Leipziger Fans.

4. Februar 2017: Dortmunder Fans auf der Südtribüne mit unzähligen beleidigenden Spruchbändern bei Spielbeginn. 
4. Februar 2017: Dortmunder Fans auf der Südtribüne mit unzähligen beleidigenden Spruchbändern bei Spielbeginn.  © Imago

Für die RB-Anhänger stellt die Polizei diesmal besonderen Schutz bereit: Leipziger Fans werden am Samstag um 15.30 Uhr von Dortmunder Beamten auf zwei ausgewiesenen Parkplätzen abgeholt und zum Stadion gebracht. Auch nach der Partie werden die Anhänger vom Gästeblock zurück zum Parkplatz geleitet. In einem Fanbrief bittet die Dortmunder Polizei darum, diese Empfehlung zu nutzen.

Bildergalerie: RB Fans werden von Dortmundern attackiert

Obwohl vielen Leipzigern nach den schlimmen Vorfällen im Februar die Lust auf eine Reise nach Dortmund vergangenen ist, statt 8000 Fans sind diesmal nur etwa 3000 dabei, werden mehr als doppelt so viele Polizisten im Einsatz sein. „Unser Konzept ist darauf ausgerichtet, Fußballfans aus Leipzig und Dortmund davor zu schützen, von Gewalttätern und Kriminellen, die den Titel "Fan" nicht verdienen, belästigt und angegriffen zu werden. Straftäter werden wir mit allen Mitteln und hohem Aufwand verfolgen“, schreibt die Dortmunder Polizei in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung.

Stadionverbote für BVB-Fans

RB-Coach Ralph Hasenhüttl sagte zum Start der Vorbereitung auf die Partie beim BVB: „Ich gehe mit dem Gefühl in das Spiel, dass es hoffentlich einzig und allein um sportliche Dinge geht. Es wird ein viel zu interessantes Spiel, Tabellenführer gegen Tabellenvierten, als das irgendwelche anderen Themen da noch Bedeutung haben sollten.“

Der BVB griff in den vergangenen Monaten hart durch und hat nach Kicker-Informationen 31 Stadionverbote zu Vergehen rund um das RB-Spiel am 4. Februar ausgesprochen. Wie das Fachmagazin berichtet, rechnen Kenner der Szene in Dortmund nicht damit, dass es am Samstag erneut zu gewalttägigen Ausschreitungen kommt. Die Mitglieder der Ultra-Szene des BVB seien sich einig, dass so etwas wie vor dem Stadion Rote Erde nicht noch einmal passieren darf. Proteste und wohl auch Banner gegen das RB Leipzig werde es allerdings erneut geben.